[1] Die Herkunft und Heimat Katharinas ist noch lange streitig und wird
sich nicht so leicht feststellen lassen, selbst wenn neue Urkunden
aufgefunden werden; hauptsächlich ist die weite Verzweigung der Familie
und die Unsicherheit der Elternnamen Katharinas daran schuld. Der
Stammbaum Katharinas von Bora ist am eingehendsten verfolgt worden von
dem jetzt verstorbenen _Georg von Hirschfeld_: „Beziehungen Luthers und
seiner Gemahlin zur Familie Hirschfeld“ in Beiträge zur Sächs. K.-Gesch.
II, 86-141 (bezw. 309). Dies geschah auf Grund einer älteren Chronik
(vgl. Hofmann 63) von Philipp von Hirschfeld († 1748). Sodann von _Ernst
Wezel_ († 1898) zuerst in der „Wissensch. Beilage der Leipz. Leitung“
1883 Nr. 71, dann in der Festschrift zur 100jährigen Jubelfeier des K.
Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Berlin. „Das Adelsgeschlecht derer von
Bora“, A.W. Hagens Erben 1897, mit Auszügen aus zahlreichen Urkunden
(vgl. Br. VI, 647 f. 705), eine Schrift, welche noch vervollständigt
herausgegeben werden soll.
Nach G. von Hirschfelds Stammbaum wäre Katharina von Bora eine Tochter
des Hans von (Bora zu) Hirschfeld-A. (vgl. Br. VI, 648, 28) und der Anna
von Haugwitz: Hans veräußerte aber (zwischen 1525-30) Hirschfeld-A. an
Hans von Mergenthal und Reinsberg, zog nach Löben, übergab dies seinem
Erstgebornen und zog dann nach Moderwitz, welches der Familie Hayr
gehörte. —
Diese Aufstellung ist nicht mehr kontrollierbar, denn das Hirschfeldsche
Archiv ist verschwunden. Und dazu beruht dies Ergebnis noch auf den
Annahmen: 1. daß es zwei Güter Hirschfeld gegeben habe (S. 119); 2. daß
eine Linie Bora sich Mergenthal genannt und ihr Wappen (vom roten Löwen
in eine Lilie) verändert habe (97); 3. daß Phil. v.H. verschiedene
Personen (z.B. zwei Katharinen) verwechselte (116). (Eine lutherisch
gesinnte Katharina von Mergenthal war im Kloster zu Freiberg; sie war
einmal zu Besuch bei ihrem Bruder in Hirschfeld bei Bora. N. Archiv f.
Sächs. Gesch. IV, 298. Sie entwich anfangs Juni 1529 aus dem Kloster und
kam zu Luther. A.a.O. 318. Br. III, 469. Die Verwechslung dieser
Katharina von Mergenthal aus Hirschfeld bei Deutschen-Bora findet sich
schon Sächs. Kirchen-Gal. I, 110. Seidemann, Erl. zur Ref.-Gesch.
Dresden 1844. S. 110, 120, 122, 469); 4. daß Irrtümer in dem sächs.
Teilungsvertrag von 1485 vorkamen; 5. daß die wunderliche und nicht mehr
auffindbare Notiz, wonach Luther „seinem Schwähervater, dem edeln und
festen Herrn Hans von Bora zu Moderwitz ein Büchlein (Joel) oder gar
eine Bibel verehret“ (Br. VI. 684), richtig sei.
Gegen diese Aufstellung sprechen aber außer den künstlichen Umstellungen
der Umstand, daß Katharinas Eltern bei ihrer Flucht aus dem Kloster und
bei ihrer Verheiratung höchst wahrscheinlich nicht mehr lebten. Ferner
sollte man meinen, daß die Luthersche Familie mit dem Staatsmann
Bernhard von Hirschfeld (1490-1551; Br. II, 55, 245, 448; C.R. IV, 349)
in vertrauterem Verkehr gestanden haben müßte, wenn sie mit ihm so nahe
verwandt gewesen wäre. Das war aber gerade nach 1525 nicht der Fall.
Für _Lippendorf_ als Geburtsstätte von Katharina spricht folgendes: 1.
Zu Lippendorf verschreibt ums Jahr 1482 Hans von Bore seiner Ehefrau
Katharina als Leibgeding das Dorf Sale; ebenso 1505 Jan von Bore alle
seine Güter zu Lippendorf seiner Hausfrau Margarete (E. Wezel, Wiss.
Beil. der Leipz. Z. 1883, Nr. 71, S. 422 f.). Solche Verschreibungen
wurden nicht etwa (wie G. v. Hirschfeld meint) auf dem Todbette, sondern
gerade am Vermählungstag gemacht (wie auch die in beiden Urkunden
vorkommende Formel beweist: „nach ihres ehelichen Mannes Tode, ob sie
den erlebet, u. nicht eher“). Es wäre nun sehr erklärlich, daß Katharina
wegen und bei der Schließung der zweiten Ehe ihres Vaters ins Kloster
gebracht wurde. 2. Wegen dem eine halbe Stunde davon gelegenen „Gütlein“
Zulsdorf hat Katharinas Bruder Hans sich aus Preußen hier einfinden und
„lange heraußen aufhalten, auch müssen selbes beziehen u. sich
verehelichen, bis er's an sich bracht“ und hat das „aus Not, (um) sein
u. seiner Brüder Gütlein zu bekräftigen, müssen thun u. für sein
Kindlein das Gütlein u. armes Erbdächlein beschicken“. (Br. V, 106, f.)
3. Als Bruder Hans Zulsdorf nicht mehr halten konnte (1540), so kaufte
es seine Schwester, obwohl es wenig einträglich und zwei Tagereisen weit
von Wittenberg entfernt lag, und hat sich mit Vorliebe hier aufgehalten.
(S.S. 84 f.)
Allerdings gehörte wenigstens seit 1504 Zulsdorf zu Kieritzsch und nicht
zu Lippendorf und wurde 1515 von Denen zu Kieritzsch an einen Jan von
Lenau verkauft (Br. VI, 705; Lpz. Z. 1883 Nr. 70 S. 413); aber um 1525
heiratete eine Marie von Bora zu Zulsdorf einen Siegm. Wolf von Niemeck
zu Wittenberg (Schumann, Lexikon von Sachsen XIII, S. 671), und nach
Katharinas Tod (1553) brachte ein Christoph von Niemeck, also wohl ein
Sohn des vorigen, das Gut Zulsdorf wieder an sich. (Lexikon von Sachsen
XIII, S. 671; vgl. Seidemann, Grundbes. S. 529; über die Niemeck vgl.
Wittenb. Urbar V.H., Schmalbecker Hufen). _Also scheint Zulsdorf in der
That ein „Erbdächlein“ Derer von Bora gewesen zu sein._ (Die
Wittenberger Familie Zulsdorfer, die Stifter der „Zulsdorfer Kapelle“,
stammt aus Zulsdorf bei Lochau. Vgl. Wittenb. Urbar III, 296 c. XI; 299
c. XII.)
Im Amte Weißenfels, wozu Lippendorf und Zulsdorf gehörten, gab es um
1510 noch Bora; da wurde ein Siegmund von Bora in einer Streitsache vor
Amt geladen (Staatsarchiv zu Dresden), und zwar, wie es scheint, der
Bruder einer verehelichten „Haugwitz“.
Gegen die Abstammung Katharinas von Hans oder Jan zu Lippendorf kann man
geltend machen: 1. Die erste Gemahlin hieß Katharina und war vielleicht
eine geborne von Miltitz, die zweite, Margarete, eine geborne von Ende,
wenn nämlich der erste in den Urkunden genannte Zeuge oder Vormund, wie
gewöhnlich, der Bruder der Frau ist. Dagegen soll Katharina von Boras
Mutter eine geborene Haubitz gewesen sein. Wenigstens berichten die
(freilich erst 1664 veröffentlichten) Consilia Theolog. Wittenb. IV p.
17 (ebenso Keil histor. Nachr. 15 und Luthers merkw. Lebensweise IV 320)
daß Katharinas Mutter eine von Haubitz gewesen. Haubitz heißt ein
Vorwerk östlich von Grimma, also bei Nimbschen (Urkundenb. 409), ein
anderes liegt eine Stunde von Lippendorf (Wezel 423). _Seckendorf_ (III
92), dessen Schwester 1580 einen Georg von Haubitz heiratete (Engelhard
Lucifer Wittemb. I 13, meint, er sei dadurch ein Verwandter der
Katharina v. B. geworden) und nach ihm _Mayer_ p. 4 nennt sie eine
_Haugwitz_, darum sagt Richter 295 (vgl. 675): „von Haubitz _oder_
Haugwitz“. (Walch 12, 5 und nach ihm Hofmann 62 irren, wenn sie
berichten, in den Consil. W. stehe Haugwitz.) Uebrigens ist Siegmund von
Bora 1510 Vormund für eine von Haugwitz, welche also seine Schwester
gewesen sein wird (Dresdner Landesarchiv s.o.) Freilich die beiden Namen
werden oft verwechselt bzw. gleichgesetzt, z.B. im Kloster Nimbschen
(Urkundenbuch 322, 326, 328, 331, 332 vgl. 409 unter „Haubitz“). Diese
Verwechslung beruht auf der mundartlichen Aussprache, indem das b in
Haubitz wie w und das g in Haugwitz sehr weich gesprochen wurde, so daß
es verschwand. Die späteren Biographen behalten Haugwitz bei und
behaupten (freilich ohne Quellenangabe), der Vorname von Katharinas
Mutter sei _Anna_ gewesen. Soll das ein Mißverständnis aus Una de
Haugwitz sein? (Wezel 423) oder eine Verwechslung mit Anna von Haubitz
aus Flößberg (bei Grimma), welche gleichzeitig mit Katharina im Kloster
Nimbschen war und kurz nach ihr daraus entfloh? Ob die Mutter
Katharinas aber wirklich eine geborene von Haugwitz war? Dagegen
spricht, daß ein Kanonikus Christoph von Haugwitz 1536 eine Schrift mit
einer Vorrede Bugenhagens veröffentlichte, worin keine Rede ist von der
Verwandtschaft Katharinas mit der Familie Haugwitz. (_Seckendorf_ ad
Indicem I histor. XXXIII, Wezel 423). Gegen _Haubitz_, wenn Katharinas
Mutter aus dem Geschlechte der Nimbscher Nonnen war, spricht der
Umstand, daß der Vater Annas v. H. ein _kursächsischer_ Unterthan war
(Hirschfeld 97 f.), weshalb sie auch zu Pfingsten 1523 aus Nimbschen
austreten und zu ihrer Familie heimkehren konnte. Dagegen die drei
Linien Haugwitz waren herzogliche Vasallen (A. Fr. _Glasey_, Kern der
hohen kur- und fürstl. H. zu Sachsen, 4. Aufl. Nürnberg 1753, S. 795.
Hirschfeld 127). — Doch war unter den kursächsischen Visitatoren von
Thüringen auch ein Erasmus von Haugwitz (Seckendorf II S. 101). Der
Bruder der Nimbscher Abtissin Margarethe von Haubitz, Asmus, war 1526-35
Vorsteher des evangelisch gewordenen Klosters Nimbschen (Großmann,
Visitationsakten der Diöces Grimma L. 1873, S. 78). Oder sind beide
(Asmus = Erasmus) dieselbe Person?
2. Ferner spricht gegen Lippendorf, daß Jan von Bora 1505 alle seine
Güter zu Lippendorf seiner Hausfrauen zu einem Leibgeding bekennt. —
Lippendorf als damaliger Sitz dieser Linie wäre doch naturgemäß nicht
als Leibgeding an die Ehefrau, sondern als Erblehen an die Kinder
übergegangen (dieser Grund bestimmt G. v. Hirschfeld S. 110 f., gegen
Lippendorf als Geburtsort Katharinas zu stimmen, und ihm folgt jetzt
1897 aus demselben Grunde auch Wezel, nachdem er 1883 Leipz. 8. Wiss.
Beil. 71 dafür gewesen war). Indes war auch Sale ein „Sitz“ und wurde
dennoch von Hans von Bora zu Lippendorf an seine Ehefrau Katharina
verleibgedingt. Es kann ja ganz gut außer Lippendorf noch ein weiterer
„Sitz“ für den Aeltesten vorhanden gewesen sein. Aeltere Männer pflegen
in zweiter Ehe die Frauen zu Ungunsten der Kinder zu bevorzugen. Dies
ist doppelt begreiflich in diesem Falle, wo aus erster Ehe, wie es
scheint, nur ein Mädchen, Katharina, vorhanden war, höchstens noch ein
Bruder, der mit einem geringen Gütchen abgefunden wurde (s.u. zu S. 4).
Schon Seidemann meint, L. scheine K.s Geburtsort zu sein (Br. VI, 647)
und neuerdings (1899) hat ein aus Medewitzsch gebürtiger Lehrer Dr.
Krebs in Lippendorf am Hofgut als der Geburtsstätte Katharinas eine
Tafel anbringen lassen.
Lippendorf gehörte zum Amte Weißenfels und dieses mit seinen
Zugehörungen nach dem Teilungsvertrag 1485 zum Herzogtum Sachsen (A. Fr.
_Glasen_, Kern der Gesch. der hohen kur- u. fürstl. H. zu Sachsen. 4.
Aufl. Nürnberg, 1753, S. 792.)
[2] Vielleicht wirkte auch die stärkere Mischung mit slavischem Blut bei
den Meißnern auf diese Mißachtung.
[3] Katharinas Leichenprogramm C.R. VII. 1155. Nata ex nobili familia
equestris ardinis in Misnia.
[4] Br. V. 792.
[5] 1733 bei _M.D. Richter_, Geneal Lutherorum, S. 750, „Alt- und
Neu-Boren, Wendisch- und Deutschen-Boren“. Nossen liegt genau in der
Mitte des heutigen K.-R. Sachen.
[6] _Grimm_, D. Mythologie, Göttingen 1835. S. 478. „Bor“ eigentlich
Föhre, vgl. Fohre. — Der Name Bora wird sehr verschieden geschrieben:
Bhor, Bohra, Bhora, Bor(a)ra, Bor, Bora, Borau, Boren, Born, Borna,
Borna, Pora, lat. Boria, Bornia, Borana, Borenia, Borensis, griech. ἡ
Βορεἰα. So steht sogar in ein und derselben Urkunde (27. Nov. 1534,
Dresden, Copialb 82, Wiss. Beil. zur Leipz. Z. 70, S. 413 u. 414) oben
„Hansen vonn Bora“ und unten „dem von Borau“. Auch auf dem Grabstein
Katharinas in Torgau stand früher unten Borau, aber das Wort war schon
vor 100 Jahren ganz von Salpeter zerfressen und ist jetzt gänzlich
verschwunden. _Keil_, hist. Nachr. v. Geschl. L., S. 6.9. So wechselt
auch durch die mundartliche Aussprache Torga und Torgau, sogar in
derselben Urkunde, drei Zeilen von einander. _Kolde_, An. L. 200.
[7] _Beste_, 9. — Das Wappen ist auch auf K.'s Grabstein ausgehauen. Die
Farben dazu wurden bei einer Renovation i.J. 1617 aus Eilenburg von
einer an den dortigen Pfarrer Böhm verheirateten Enkelin Luthers geholt.
Torgau. Kämmerei-Rechnung.
[8] Schon Hofmann 63 f. weist eine Anzahl Bora-Stätten ab. Ebenso G. v.
Kirchfeld. a.a.o. S. 87-110, 113, 116-118. Aus _Dohna_ stammt K. nicht,
denn das dortige Bora-Haus am Markt kam erst 1573 in die Hände des
Großneffen Katharinas: Clemens. Aus _Moderwitz_ (s.o. S. 267) bei
Neustadt an der Orla nicht, denn das dortige Gut war kursächsisch und
gehörte der Familie Hayn, _Motterwitz_ bei Leisnig aber denen von
Bressen und das andere Motterwitz dem Geschlecht Staupitz, aus dem
Luthers geistlicher Vater stammt. (Schmidt, Urkundenbuch S. 312: Günther
von Staupitz auf Motterwitz, 1501.) Aus _Schlesien_ stammt Katharina
auch nicht, woher einmal ein alter Edelmann (Bernhard) von Bora,
wahrscheinlich der Hauptmann von Oels, zu Luther nach Wittenberg kam und
sich bei ihm über den Schwärmer Schwenkfeld Rats erholte. Denn dies
schlesische Geschlecht heißt eigentlich Borau-Kessel und hat ein ganz
anderes Wappen: im silbernen Feld nebeneinander drei rote Rosen und
gelbe Butten. Br. VI, 647. Noch weniger stammt K. aus _Ungarn_, wie auch
einmal behauptet wurde (Hofmann 64). Diese Meinung rührt wohl daher, daß
der ehemalige Wittenberger Bürgermeister Christoph von Niemeck, dessen
Mutter wohl eine Maria von Bora aus Zulsdorf war (s.o. S. 270 f.) in
Ungarn Fundgrüberei trieb und dort (1564?) starb. (Seidemann, Ztschr. f.
hist. Th. 1860, S. 529.) — Aus _Simselwitz_ bei Döbeln kann K. auch
nicht herstammen, weil die dortige Bora-Linie schon 1490, d.h. vor ihrer
Geburt ausstarb (G. v. Hirschfeld a.a.o.).
Bisher hatte die Ueberlieferung sehr allgemein und zu verächtlich
behauptet. Katharina von Bora sei in Steinlausig an der Mulde (setzt
„Muldenstein“), ein paar Stunden nördlich von Bitterfeld auf die Welt
gekommen, weil 1525 nach dem Tode Friedrichs des Weisen ein dort
begüterter Ritter, Hans von Bora, nach Wittenberg gekommen ist und dem
neuen Kurfürsten Johann Erbhuldigung gethan und dort eine Luther-Linde
steht(!). Ja, es wurde sogar erzählt, daß Katharina in das dortige
Kloster eingetreten sei. Diese Ansicht wurde festgehalten auf Grund der
Nachricht von Mayer (S. 7): „welches wir in der Weimarischen Bibel
(1641!) aufgezeichnet gefunden“, wo es heißt. „Geborene auß dem
Adelichen Geschlechte derer von Bora, so in der Chur oder (!)
Herzogthumb Sachsen zu Stein-Lausig (!) seßhaft gewest, wie auß der
Ritterschaft im Chur-Kreiß Erbhuldung zu Wittenberg (!) 1525 zu
vernehmen.“ Aber um 1500 war Stein-Lausig („Lussigk“, eine wüste Mark),
wie die ganze Gegend _kur_fürstlich, und dieser Hans von Bora
_kur_fürstlicher Vasall (daher er eben dem _Kur_fürsten huldigt) —
während doch Katharina aus Meißen stammte und Unterthanin des Herzogs
Georg war. Dieser Hans v.B. auf Steinlausig starb auch ohne Söhne, so
daß sein Leben an Luthers Gevatter, Hans von Taubenheim, kam.
Steinlausig endlich war ein _Männerkloster_! (Emil Obst, „Muldenstein
und Steinlausig“, Bitterfeld, Selbstverlag, 1895, S. 30-35). Vgl. Wezel,
S. 421. — Bemerkenswert ist, daß um 1520 in Nimbschen eine Katharina von
Lausigk Bursarin war (Urkundenb. 166). Vielleicht suchte man Katharinas
Geburtsort auch darum in Stein-Lausig, weil die Gemahlin von Katharinas
Bruder Hans, Apollonia geb. von Marschall, verwitwete Seidewitz, aus
Jeßnitz stammte. So hießen fünf Orte, darunter der bedeutendste: die
Stadt Jeßnitz, nicht weit nördlich von Steinlausig. Thatsächlich ist
aber das Dorf Jeßnitz bei Döbeln ihre Heimat. Br. VI. 705.
[9] _Zulsdorf_. (Zülsdorf, Zöllsdorf, Zölldorf, Zeilsdorf u.s.w.) „das
wüste Dorf oder die Wüstung Czollsstorff“ (a. 1105: Zulänestorff),
burggräflich-leisnigsches Lehen, gehörte zur Pfarrei Kieritzsch.
_Nixdorf_: „Holzmark zw. Z. u. Kieritzsch“. Archiv f. Sächs. Gesch.
1864, S. 209. 97. Vgl. Br. VI, 705. Wezel 413.
[Transkriptions-Anmerkung: Die genaue Position des Verweises im Text
nicht markiert.]
[10] Beste 12.
[11] Br. VI, 649 f. V, 492. _Walch_, K.v.B. 23. 65. k.
[12] IV, 291. V, 106. 201. 411. 516. _Burkh._ Br. 303. 401. 423.
[13] _Seidemann_, Ztschr. f. histor. Th. 1860. S. 265-69.
[14] Urkundenbuch 318 ff. Sie war 1509 die 14. unter 43 Klosterfrauen,
gehörte also schon unter die Seniorinnen. Muhme bedeutet freilich nicht
bloß Tante, sondern im allgemeinen soviel wie das süddeutsche Base
(sogar = Nichte); ebenso „Ohm“ = „Vetter“ (auch = Neffe). So nennt
Luther seine Nichte (Lene) „Muhme“ (T.R. IV, 54) und Katharina ihren
Neffen (Florian) „Ohm“. S.o.S. 239.
[15] _Schumanns_ Lexikon von Sachsen. Bd. 13, S. 671.
[16] Br. V, 64.
[17] _Richter_. 674, nobilis sed tum fere ad incitas redacta prosapia.
Br. VI, 649 f. IV, 291.
[18] _Lorenz_, Sachsengrün, 1861, 1, S. 82; Z.B. die 2 Schönfeld 3 Sch.
20 Gr., Ilse Kitschers 40 Gr., die 2 Zeschau je 4 fl. rh., Magd. v.
Staupitz 2 fl. Hirschfeld a.a.O. 127.
[19] Wiss. Beil. zur Leipz. Z. 1899, S. 35a Erasmus Epist. ed. Cler.
Tom. III pag. 790 indotata (ohne Aussteuer). — Vgl. Luthers Rede und
Gebet bei seiner Krankheit 1527. L.W XIX, S. 160 ff. — Das sog. Bild
Katharinas von Bora, das sie angeblich im reichen Brautstaat mit dicken
silbernen und goldenen Ketten zeigt (bei Fr. G. Hofmann, Katharina v.B.,
Leipzig 1845) stellt sie gar nicht vor, wie schon die gestickte Schrift
C A B an der Haube beweist, denn das heißt nicht etwa C. a Bora.
_Seidemann_, Beitr. I, 92. Vgl. übrigens das Siegel 266.