Aus der Wüsten, am 8. September 1530.“

Als aber die Herren endlich wieder heimkehrten, samt Veit Dietrich,

Peter Weller und dem jungen Cyriak, der mit seinem Lehrer das Schauspiel

des Reichstag in Augsburg und die berühmte Stadt Nürnberg hatte besuchen

dürfen, da war ein Erzählen am Eichentisch im Wohnzimmer und unten im

Hof unterm Birnbaum, während der vierjährige Studiosus Hans sich an

seinem Nürnberger Zuckerbuch erlustierte.

Ruhiger gingen die folgenden Jahre hin. Freilich wiederholten sich die

beängstigenden Schwindelanfälle beim Doktor, so daß er im Herbst 1531

eine Erholungsreise zu Gevatter Hans Löser nach Schloß Pretzsch machte,

um durch die Bewegung das Sausen loszuwerden. Da ging er viel spazieren,

fuhr auch zur Jagd[294].

Von Mansfeld waren auch die Großeltern einigemal nach Wittenberg

herübergekommen, obwohl das keine kleine Reise war; da schickte der

Stadtrat „Doktoris Martini Vater“ einen Ehrentrunk. Dann herrschte große

Freude im Kloster und der Doktor konnte eine Vergleichung anstellen

zwischen seiner harten Jugend und der Zärtlichkeit der alten Leute gegen

die Enkel und merken, daß die Großeltern ihre Kindeskinder lieber haben

als ihre eigenen Kinder. Als im Anfang 1530 Bruder Jakob von Mansfeld

schrieb, der Vater wäre „fährlich krank“, wäre Luther aus der Maßen gern

selbst kommen; aber er durfte es dorthin der Bauern und des Adels wegen

nicht wagen. Aber große Freude sollt es ihm sein, schrieb er, wo es

möglich wäre, daß der Vater samt der Mutter sich ließe herbeiführen nach

Wittenberg, was auch „Käthe mit Thränen begehrte“, in der Hoffnung, sie

aufs beste zu warten. Dazu wurde Cyriak in seine Vaterstadt abgefertigt,

zu sehen, ob das möglich wäre. Aber die alten Leute konnten sich

begreiflicherweise nicht zu diesem Umzug entschließen. Und nicht lange

darauf, als Luther auf der Koburg saß, starb der Vater. Im Sommer des

folgenden Jahres erkrankte die Großmutter. Das erregte großes Leid in

der Familie; Luther schrieb inmitten der Kinderschar einen Trostbrief:

darin schildert er gar anschaulich das echt kindliche Benehmen der

beiden eigenen Kinder und der andern Enkel, welche im Klosterhause

lebten: „Es bitten für Euch alle Eure (Enkel-) Kinder und meine Käthe;

etliche weinen, etliche essen und sagen: Die Großmutter ist sehr krank.“

Am 30. Juni schied auch sie vom Leben[295].

Von den Enkeln hatten freilich die Großeltern höchstens die drei ersten

gesehen: Hans, Elisabeth und Lenchen. Erst nach ihrem Tode kam der

vierte auf die Welt am Vorabend von Luthers Geburtstag und bekam deshalb

den Namen Martin. Es war gerade zur Zeit als die Bauern, wie man ihnen

nachsagte, eine künstliche Teuerung zu stande brachten. Fünfviertel

Jahre später (am 28. Januar 1533) stellte sich Paul ein und endlich am

Ausgang des folgenden Jahres das Jüngste, Margarete. Schon 1533 war der

siebenjährige Erstgeborne — gewiß nur, wie andre Professorensöhne, der

Ehre halber — bei der Universität als akademischer Bürger angenommen

worden, zugleich mit seinen Vettern Fabian und Andreas Kaufmann[296].

In diesem Jahre 1533 war Luther wieder einen ganzen Monat krank an

Kopfleiden[297].

Im Februar 1534 kam seine Schwester zu Besuch nach Wittenberg. Da

tischte Frau Käthe für die Schwägerin köstlich auf und ließ Hechte

kommen aus den kurfürstlichen Teichen[298].

Seitdem Johann Friedrich Kurfürst geworden, war Luther gar oft zu dem

ihm vorher schon sehr befreundeten neuen Landesherrn allein oder mit

andern Theologen nach Torgau geladen, wo er predigte, disputierte und

bei Tisch in ernstem und fröhlichem Gespräch verblieb. Von dort sandte

der Doktor auch einmal an „seinen freundlichen lieben Herrn, Frau

Katharina von Bora, D. Lutherin zu Wittenberg“ einen heiteren

Brief[299]:

„Gnade und Friede in Christo.

Lieber Herr Käthe! Ich weiß Dir nichts zu schreiben, weil Magister

Philipps samt den andern selbst kommen. Ich muß länger hier bleiben, um

des frommen Fürsten willen. Du magst denken, wie lange ich hier bleiben

werde, oder wie Du mich los machst. Ich halt', M. Franciscus wird mich

wieder los machen, wie ich ihn losgemacht habe, doch nicht so balde.

Gestern hatt' ich einen bösen Trunk gefaßt, da mußt' ich singen. Trink'

ich nicht wohl, das ist mir leid und thät's so recht gerne, und hab

gedacht, wie gut Wein und Bier hab' ich daheime, dazu eine schöne Frauen

oder (sollt' ich sagen) Herrn. Und Du thätest wohl, daß Du mir

hinüberschicktest den ganzen Keller voll meines Weines und eine Flaschen

Deines Biers, so oft Du kannst. Sonst komme ich vor dem neuen Bier nicht

wieder. Hiermit Gott befohlen samt unsern Jüngern und altem Gesinde,

Amen.

Mittwoch nach Jakobi, 1534.

Katharina von Bora: Geschichtliches Lebensbild · 第 40 / 92 题