II.

_Dresden_, den 6. März 77.

_Hochedelgebohrner

Hochgeehrter Herr!_

Ich bin gegenwärtig genöthigt, Ew. Hoch Edl. zu melden, daß _nicht_

Lenz, sondern _Ich_ Verfasser der Soldaten bin. Gewisse Verhältnisse

forderten damals das Verschweigen meines Namens, die jetzt wegfallen.

Ich bitte Sie, diese Nachricht sobald als möglich bekannt zu machen und

weiter nichts zu sagen, als man wisse mit Zuverlässigkeit, daß man Hrn.

Lenz fälschlich für den Verfasser gehalten habe und daß ich es sei.

Könnten Sie’s in Meßcataloge setzen lassen unter meinem Namen wär noch

besser; Ich hoffe dies von Ihrer Güte.

Noch wollt ich anfragen und Sie bitten, ob Sie nicht eine neue Comoedie

(die Seiler in Leipzig geben wird) von mir auf die Messe noch verlegen

wollten. Sollte dies geschehen können, so haben Sie die Gewogenheit,

mir Dero Entschließung wissen zu lassen. Im Fall nicht, so habe ich die

Ehre mit Ihnen im Verlauf von 14 Tagen mündlich hierüber zu sprechen.

Vor einigen Wochen war Kaufmann hier bei mir, der wie Sie wissen,

wieder nach Rußland reist.

Ew. Hoch Edl.

Ergebenster Diener

_F. M. Klinger_.

=Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus.=

Geb. zu Königsberg am 24. Januar 1776, gest. zu Berlin am 24.

Juli 1822. Musikdirektor, Kompositeur, Kammergerichtsrath und

berühmter Schriftsteller; Eduard Hitzig’s vertrauter Freund, wie

Ludwig Devrient’s Genosse; phantastischer Dichter, wie strenger,

gewissenhafter Aktenmann -- welche wunderbaren Gegensätze! -- Es

ist befremdend von seiner Hand in Tieck’s Briefsammlung nur dieses

_eine_ Zettelchen zu entecken. Er hat doch unfehlbar öfters an

Letzteren geschrieben. Was ist aus den übrigen Blättern geworden?

_Berlin_, d. 19. August 1820.

Mit innigem Vergnügen habe ich ihre freundlichen Worte, mein

hochverehrtester _Freund_! (stolz bin ich darauf Sie so nennen

zu dürfen) durch H. Molbeen (?)[13] erhalten, ohne den Ueberbringer

zu sehen, der mich leider nicht im Hause traf, da ich in Geschäften

abwesend. _Morgen_ werde ich aber den intereßanten Norden bey mir

bewillkommnen und mich mühen dem günstigen Vorurtheil, das Sie, mein

_gütiger_ Freund! ihm für mich eingeflößt zu haben scheinen, zu

entsprechen! --

Ach! -- nur zu sehr fühle ich das, was Sie mir über die Tendenz, über

die ganze (hin und her wohl verfehlte) Art meiner schriftstellerischen

Versuche sagen. Mögen Sie aber meiner übrigen Verhältniße ~qua~

_Kammer-Gerichtsrath_ &c. &c. &c. gedenken? -- Doch freilich, in

der Kunst gelten dergleichen Ausreden ganz und gar nichts --

Ich empfehle Ihnen H. Kühne[14], Schauspieler aus Hamburg, der in der

That auf schöne Weise in den höchstherrlichen Phantasus hineingehört,

und zwar, wie ich denke, rühmlicher Weise. -- Er überbringt Ihnen

diese wenigen Worte, die ich mir weiteres vorbehaltend, eilig

aufschrieb.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 323 / 326 题