VIII.

_Meiningen_, d. 12ten Novbr. 1801.

Ihnen, mein guter Tiek, intressirt das Schicksal Ihres Freundes zu

sehr, als daß ich nicht mit Gewißheit voraussehen sollte, daß Ihnen die

Nachricht einer wichtigen und freundlichen Veränderung meiner Lebens

Weise angenehm seyn würde. -- Ich bin versprochen, und zwar auf eine,

mir selbst kaum begreifliche, zufällige, schnelle Weise versprochen;

Meine liebe Braut, ist eine Frl. v. Uttenhoven von hier; Ihr Vater

ist Geh. Kammerrath; -- Meine Caroline ist ein liebes, einfaches,

weibliches Wesen; der heilige Ernst fehlt Ihr nicht, und Ihre zärtliche

Liebe macht mich so glücklich, als ich hier auf dem Boden der Prüfung

noch werden konnte. -- Es kömmt mir noch mannigmal vor, als träumte

ich, und kaum wage ich es, die frohen Stunden fest zu halten; Werde

ich glücklich, so ist es nur der Seegen meines Friz, der mich ewig

umschwebt; er war und ist mein Genius des Himmels; und was ich genieße,

habe ich nur durch ihn. -- Wahrscheinlich werde ich nun den Winter

hier zubringen; -- In Weissenfels sieht es noch trüb und traurig aus;

dort ist der Frieden entflohen; Meine gute Schwester wird wohl bald

ausgelitten haben. -- Desto theurer ist mir mein jetziges Verhältniß;

ich hätte das Alles nicht ertragen, hätte mir der Himmel nicht auf

einer andern Seite frohe Aussichten gezeigt; -- Sollte ich noch länger

auf der Erde bleiben, so mußte ich wieder gefesselt werden; für mich

war Alles locker und lose geworden. -- Mit F. Schlegel habe ich bey

meiner Durchreise nur wenige Worte gesprochen; ich bin ganz mit Ihnen,

wegen der Herausgabe der nachgelassenen Schriften, einverstanden;

machen Sie es ganz nach Ihrem Sinne; Sie guter Tiek, kannten unsern

Friz am tiefsten in Hinsicht seiner litterärischen Arbeiten, und Sie

können auch am Besten urtheilen, was dem Druck kann übergeben werden;

Nur eine kleine Auswahl unbedeutender Aufsätze aus frühern Jahren

behalte ich mir vor; Wie? und Wann? Ihnen die Papiere schikken? kann

ich zwar noch nicht genau bestimmen, doch denke ich, in einigen Monaten

gewiß. -- Haben Sie die _Lehrlinge von Sais_? es ist das einzige

Manuscript, das mir fehlt. -- Für die Aenderungen in dem Liede in Ihrem

Musen-Almanach, der mich unendlich freut, den herzlichen Dank; ich

fühle jetzt wie nothwendig sie waren. -- Haben Sie Zeit, guter Tiek, so

schreiben Sie mir doch einmal hierher; können Sie mir dann vielleicht

einige meiner Lieder corrigirt mitschikken? Adjeu; Ewig

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 292 / 326 题