_Dresden_, den 2ten Januar 1801.
Ihnen, lieber Tiek, muß ich auch, wenn auch nur wenige Zeilen,
schreiben. Ein jeder Freund, und nun besonders so ein seltener wie
Sie, l. Tiek, ist mir jetzt doppelt willkommen, da Alles schwankend um
mich wird, und auch das Liebste mir zu entfliehen scheint. Friz wird
Ihnen schon das meiste geschrieben haben; leider geht es mit seiner
Gesundheit noch nicht besser: -- Ich bin froh, Sie, lieber Tiek, noch
kennen gelernt zu haben: Ich komme mir mit jedem Schritt mehr isolirt
vor, und ich freue mich unendlich, in Ihnen, nicht allein einen solchen
Freund meines guten Friz, sondern auch so tausend Aehnlichkeiten von
ihm zu wissen. -- Ich lebe jetzt in den traurigsten Erwartungen,
und nur die gewisse Ueberzeugung, daß unser jetziges Leben nur eine
flüchtige Reise ist, und ein inniges Vertrauen auf Religion, die meine
tröstende Freundin bleibt, erhalten mich in leisen Hoffnungen. -- Der
Kunst und Poesie werde ich ewig treu seyn; ich bin es Friz und Ihnen
schuldig, daß ich von dieser Stufe herab auf das gewöhnliche Leben
blikke. -- Wären jezt nicht die trüben Zeiten, so hätte ich Ihnen
vielleicht ein paar Gedichte von mir geschickt; vielleicht geschieht es
noch. --
Wie sehr mich Ihre Genoveva erquickt und begeistert hat, kann ich Ihnen
nur mündlich sagen. -- Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie vielleicht
bald wieder an Friz, oder mich schrieben; den erstern, der durch
seine Krankheit jezt in Allem gehemmt ist, macht ein Brief von Ihnen
unendliche Freude. -- Zu Ostern sehen wir uns doch wohl? Gott weiß, wie
es dann steht? Ich verlange nicht in die Zukunft zu schauen, in stiller
Ergebenheit will ich tragen. -- Bleiben Sie nur der Freund Ihres Sie
aufrichtig
liebenden
_Carl Hardenberg_.