_Heidelberg_, d. 12. Juni 1833.
_Hochverehrtester Freund und Gönner!_
Erlauben Sie mir gütigst, meinen Bruder, ~Dr. juris~ aus Tübingen,
der auf einer Reise in das nördliche Deutschland auch die in vieler
Hinsicht ausgezeichnetste Stadt desselben kennen zu lernen wünscht, bei
Ihnen einzuführen. Welche Anleitung für den Besuch der dortigen vielen
Kunstmerkwürdigkeiten könnte ihm interessanter und nützlicher sein, als
die Ihrige? und Sie haben mir zu viele Beweise von Freundschaft und
Wohlwollen gegeben, als daß ich nicht hoffen dürfte, daß Sie ein wenig
hiervon auf meinen Bruder übertragen werden.
Die Mahlerstelle an unserer Universität ist noch immer nicht besetzt;
wahrscheinlich erhält sie nächstens ein junger Heidelberger, welcher
in der Zeichnung naturhistorischer und medicinischer Gegenstände sehr
geschickt und dadurch mehreren unserer Professoren sehr nöthig ist,
jedoch nur mit einem Gehalte von 200 fl.
Umbreits befinden sich sehr wohl und erfreuen sich ihrer 2 artigen
Töchterchen. Von Abeggs heftigem Blutspeien im letzten Winter, das ihn
dem Tode sehr nahe brachte, haben Sie wohl schon etwas vernommen. Er
hat sich nun ziemlich erholt, doch darf er noch lang nicht predigen;
Baden, wo er sich jetzt mit seiner Familie aufhält, wirkt sehr
wohlthätig auf ihn; nur haben beide Kinder dort die Masern bekommen,
und zwar der Kleine gefährlich.
Meine Frau leidet anhaltend an rheumatischen Beschwerden; da der
wiederholte Gebrauch von Bädern nichts helfen wollte, so hat sie
ihn für dieses Jahr ausgesetzt. Ohnehin sind die spätern Badereisen
nie so vergnügt ausgefallen, wie die, auf welcher wir mit Ihnen
zusammenzutreffen das Glück hatten. Voriges Jahr bekam sie gar im
Wildbad das Scharlachfieber, welches der Arzt verkannte, so daß er sie
nach 5 Tagen wieder in das Bad und spatzieren gehn ließ; doch Gottlob!
ohne weiteren Schaden, als daß die Füße etwas anschwollen.
Sie empfiehlt sich mit mir Ihnen, Ihrer verehrten Frau Gemalin, und
Fräulein Töchtern, so wie der gnädigen Gräfin v. Finkenstein auf das
Angelegentlichste.