Ohne Datum.
_Hochverehrter Herr!_
Ihre vor zwey Jahren mir bewiesene Güte giebt mir den Muth einen, seit
länger Zeit schon gehegten Wunsch vor Ihnen auszusprechen. Ich war so
glücklich mich Ihres Rathes bey dem Einstudiren des Wallensteins zu
erfreuen. Was ich in dieser Rolle leiste haben Männer, deren Urtheil
ich achte, zum Beyspiel Rochlitz, wenn auch noch nicht vollkommen,
doch nicht mißlungen genannt. Meine Darstellung dieses Charakters
auf der von Ihnen gegebenen Ansicht beruhend, von Ihnen selbst
geprüft und beurtheilt zu wissen ist der Wunsch, den ich, nicht ohne
die Furcht Ihnen lästig zu werden, Ihnen vortragen möchte: -- Der
Gesundheitszustand eines meiner beyden Kinder macht mir im Frühjahr
dieses Jahres, in welchem ohnehin unser Theater wegen nöthiger
Baureparaturen geschlossen wird, eine Reise nach Töplitz zur Pflicht,
diese führt uns durch Dresden, wo wir auf jeden Fall uns einige Tage
verweilen werden, um uns des Glückes Ihrer Nähe nach einer Entbehrung
von 2 Jahren wiederum zu erfreuen, und wäre es den Verhältnißen Ihrer
Bühne anpassend, so wünschten wir, meine Frau und ich auf derselben nur
einige Gastrollen und unter diesen Wallenstein und Thekla vor Ihren
Augen zu spielen.
Ich hoffe Verzeihung für mein Anliegen, auch wenn Sie es mir versagen,
indem ich mich dankbar der Zeit erinnere, wo Sie mir vergönnten in
Ihrem Familienzirkel die schönsten und genußreichsten Stunden meines
Lebens zu verbringen. -- Meine Frau empfiehlt sich Ihnen und den
verehrten Ihrigen, und ich bin mit ausgezeichneter und wahrer Verehrung