_Dresden_, d. 17t. Decb. 1842.
Als Sie, mein theurer hoher Freund, von uns schieden, folgten Ihnen
meine treulichsten Wünsche, meine besten Dankes- und Segensworte für
Ihr unwandelbares Wohlwollen, womit Sie viele schöne Jahre hindurch uns
beglückt, und das Gefühl einer innigen wehmuthvollen Sehnsucht, welches
jeder Verwaisung folgt, hat mich seitdem nie verlassen, denn daß ich
seit Ihrer Abreise mich einer wahrhaft geistigen Verwaisung hingegeben
fühle, glauben Sie mir gewiß. Da, als der größte Erdenschmerz meinen
einst so hellen Lebensweg für immer umnachtete, fand ich in Ihrer Nähe
Kräftigung für meine Seele, fühlte mich gefestigt den Forderungen,
die das Leben noch von mir heischt, mit heitrer Energie zu begegnen,
ja selbst der alte frohe Muth versuchte wohl zuweilen die gebrochenen
Schwingen wieder zu regen, jetzt scheinen sie auf immer gelähmt;
mögen auch Viele hier über Ihre Uebersiedelung trauern, tiefer und
schmerzlicher, als ich, kann Niemand den Verlust dieser Trennung
empfinden. --
Wie oft habe ich in diesen Tagen Ihnen die Hand gereicht, und Ihnen im
Geist den vollsten heißesten Herzensdank zugerufen, für das ehrende
Denkmal der Treue, wodurch Sie meinen hingeschiedenen Freund fortleben
lassen, ja gleichsam ein Auferstehungsfest ihm bereitet haben. Sie
haben den letzten Erdenwunsch des edelsten Geistes erfüllt und ich
sehe die Aufgabe, an der mein Leben und mein Lieben hing, durch Sie
gelöst, und von welchem Dankgefühl ich durchdrungen, -- wo soll ich ein
Wort finden, nur anzudeuten, was ich Ihnen sagen möchte! Die Segnungen
meiner Kinder mögen beredter zu Ihnen sprechen als mein stummer Dank.
-- Der Druck der von Ihnen bevorworteten Gedichte, ist in diesen Tagen
beendet, wovon Sie Freund Brockhaus schon unterrichtet hat. Das Werk
ist in aller Weise würdig ausgestattet, und wird des herzlichsten
Willkommens in der litterarischen Welt gewiß nicht entbehren; während
der Correcturen sind die Herrlichkeiten dieser Dichtungen von neuem
mir recht klar geworden; und es ist mir ein wohlthuender Gedanke, daß
Sie beim Wiederlesen der gesammten Gedichte mit Freude und Theilnahme
weilen werden. Ueber Anderes des litt. Nachlasses meines heißgeliebten
Freundes hoffe ich später Ihren freundlichen Weisungen nachzukommen.
Von dem Dresdner Leben weiß ich Ihnen nichts mitzutheilen, da ich
bis auf Wenige, die ich zuweilen sehe, abgeschieden von der äußern
Welt lebe: aber von der Ihnen so theuren Freundin, deren Eigenthum
eine reiche innre Welt ist -- von der ich sagen möchte: sie ist ein
verkörperter Seelenhauch, Ihre liebste der Elfen, -- es ist wohl
überflüssig den Namen „Fr. _v. Lüttichau_“ erst zu nennen, --
diese traute Freundinn grüßt Sie in inniger herzlicher Liebe, und fügt
in Ihrer unnachahmlichen Schalkheit hinzu, der briefscheue Freund möge
Ihr nur „eine Quittung über die jüngst ihm gesendeten Briefe zukommen
lassen.“
So genügsam würde ich nun freilich nicht sein; wie wollte ich jauchzen,
wenn einige Worte von Ihrer Hand mir sagten: meine Gesundheit hat
sich gefestigt, und mit alten Gesinnungen gedenke ich Derer, die mich
treu im Herzen trage. Gewiß werden Sie das liebe schöne Dresden nicht
vergessen, noch weniger Derer, die darin voll Sehnsucht, Liebe und
Verehrung Ihrer treulich gedenken. Der lieben hochgeehrten Gräfin,
bringen Sie wohl freundlichst meine ehrerbietigsten Grüße.
Leben Sie wohl zu tausendmalen! Jede Freude und jedes Heil sei mit
Ihnen. In treuer unwandelbarer Verehrung Ihnen immer ergeben.
_Luise Förster_ geb. _Förster_.