In tiefer Hochachtung

Euer Hochwohlgeboren

gehors. Diener

Regierungsr. v. _Deinhardstein_.

=Devrient, Eduard.=

Geboren am 11. August 1801 zu Berlin, wo sein Vater, Ludwig

Devrients Bruder, heimisch war. Des Oheims glorreiches Beispiel

hat dessen Neffen, die drei Brüder: _Karl_ -- _Emil_ -- _Eduard_

auch auf die Bühne gezogen. Eduard begann als Sänger (Bassist),

zeichnete sich schon in der Oper als sinniger Darsteller aus, ging

sodann in’s recitirende Drama über, wurde 1844 als Regisseur nach

Dresden berufen und übernahm endlich die ihm von S. K. Hoheit

dem Großherzoge von Baden anvertraute dramaturgische Leitung des

Hoftheaters in Karlsruh.

Eduard Devrient gehört zu den seltenen Schauspielern -- und

Theater-Menschen überhaupt, -- die bei ausdauerndem und nie

erkaltendem Feuereifer für die Bretterwelt, sich _zu keiner_

Epoche ihres Lebens von Leidenschaften hinreißen ließen, sondern

gemessen, ernst, scheinbar kalt, auf dem schmalen Pfade reinster

Sittenstrenge und Moral, ohne jegliche Ausschreitung, ihr hohes

Ziel verfolgten. Vielleicht trug sich solche Leidenschaftlosigkeit

mitunter auf seine Darstellungen über? „Der Mensch gewinnt, was der

Poet verliert!“ -- weshalb sollte der Schauspieler an sich, weshalb

sollten wir an ihm nicht vermissen, was dem Menschen und seiner

Würde zu Gute kam? Darum kann er immer ein ausgezeichneter Künstler

seyn!

Auch als dramatischer Schriftsteller hat Eduard D. bewährt, daß

konsequenter Fleiß, geleitet von geistiger Einsicht, gestützt auf

praktische Umsicht unverkümmerte Erfolge feiern kann; zuverlässiger

als haltlose, wenngleich geniale Uebereilung. Die schönsten Sieg

doch errang ihm dieses sein edles, unermüdliches Streben, Wollen,

Durchführen im Gebiete historisch-dramaturgischer Autorschaft.

Seine Geschichte der deutschen Schauspielkunst, 4 B. (1848-62)

sichert ihm einen dauernden Platz neben den tüchtigsten Männern.

Wahrlich, nicht ohne Grund ernannte ihn eine der berühmtesten

Hochschulen bei’m Jubelfeste zum Ehrendoktor.

Neun Briefe an Tieck mögen durch ihren Inhalt bestätigen, was

aufrichtige Hochachtung ihnen vorangeschickt.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 194 / 326 题