_Carus_.
=Chezy, Wilhelmine Christine v., geb. v. Klencke.=
Als Enkelin der Karschin am 26. Januar 1783 zu Berlin geboren, 1805
mit dem Orientalisten Chezy zu Paris vermählt, nach fünfjähriger
Ehe von ihm geschieden, wechselte sie wandernd, dichtend, oft
ihren Aufenthalt, und gewann ihrem regen Geiste, ihrem guten
Herzen eben so viele Freunde, als sie sich durch vielfache
Rücksichtslosigkeiten Tadler zuzog. Daß sie ein ächter, berufener
Poet, die von der Großmutter ihr angeerbten Gaben zu lieblicher
Entfaltung brachte, müssen unparteiische Beurtheiler zugestehen. In
ihren Gedichten, 2 B. (1812) -- Herzenstöne auf Pilgerwegen (1833)
-- Stundenblumen, 4 B. (1824-27) -- duften viele reine, anmuthige
Blüthen. Minder bedeutend möchten „Erzählungen und Novellen“ 2 B.
(1822) -- so wie der Roman Emma’s Prüfungen (1827) -- befunden
werden. Ihr durchaus weibliches Talent war lyrisch nicht episch.
Am allerwenigsten war es dramatisch, und daran hatte Weber zu
leiden. Man könnte die scherzhafte Grabschrift Lessings, Voltaire
betreffend, parodisch auf den Operntext zur Euryanthe und auf Frau
Wilhelmine anwenden, wo Jener sagt:
„Der liebe Gott verzeih’ in Gnade
Ihm seine Henriade &c.
Denn was er sonst an’s Licht gebracht,
Das hat er ziemlich gut gemacht!“
wenn Henriade in Euryanthe umgewandelt würde.
Nichts vermag übrigens der Verstorbenen (†185?) einen
schöneren Nachruhm zu sichern, wie ihr eigner Brief d. d. Cölln
26. October 1815. -- Der überstrahlt mit verklärendem Lichte alle
dunklen Schattenseiten ihres unbeglückten Daseins.