_Dresden_ d. 15/4 45.
_Mein verehrter Freund!_
Erlauben Sie mir Ihnen durch diese Zeilen einen Mann vorzustellen
welcher mir vor kurzen ein Empfehlungsschreiben von der Unger aus
Florenz überbrachte und den wir etwas über 8 Tage in Dresden gesehen
haben. -- Er war eine Zeit lang Secretair der östereichischen
Kaiserin heißt v. Gar und wird jedenfalls in kurzem, nachdem er
seine wissenschaftliche Reise durch Deutschland vollendet hat,
Oberbibliothekar des Großherzogs in Florenz. Können Sie ihm behülflich
seyn daß die literarischen Schätze von Berlin sich ihm öffnen, so wird
schon seinen Wünschen entsprochen seyn. Er ist der Haupt-Redacteur des
~Archivo istorico~ und ein angenehmer gebildeter Mann.
Mit Freude habe ich von Mehreren erfahren daß es gegenwärtig mit Ihrer
Gesundheit recht gut geht. Sie lesen wieder öfters -- leider ohne daß
ich es höre! -- und bereiten den Aischylos vor zur Aufführung! -- Nun
möge das Alles so fort immer weiter gedeihen! -- Es kann wohl seyn
daß ich in diesem Jahre einmal nach Berlin komme und dann klopfe ich
sogleich bey Ihnen an.
Von den Meinigen kann ich Ihnen, nebst den herzlichsten Empfehlungen,
nur Gutes melden. -- Wir sind wohl und leben in gewohnter thätiger
Weise fort. Mein Reisetagebuch von England und Schottland habe ich
diesen Winter in Ordnung gebracht und möchte Ihnen wohl Einiges daraus
mittheilen was Ihre eignen Erinnerungen wieder erneuen könnte. Frau v.
Lüttichau sehen wir viel und sie ist uns eine treue liebe Freundin. Wir
sprechen oft von Ihnen zusammen.
Ihre liebenswürdige Königin habe ich jetzt fast täglich gesehen und
gesprochen und mich ihres Wohlseyns und ihrer unerschöpflichen Anmuth
gefreut. Heute erwarten wir auch den König.
Und so sage ich Ihnen denn für heute herzliches Lebewohl! -- Erhalten
Sie uns Ihre Theilnahme und Ihre Freundschaft, und seyn Sie überzeugt
von der treuen ausdauernden Freundschaft