_Dresden_ d. 26/7 43.
_Mein theurer verehrter Freund!_
Erlauben Sie daß ich Ihnen beiliegend mein Büchlein von Göthe sende und
um freundliche Aufnahme desselben bitte. -- Sehr würde es mich freuen
wenn Sie mir über dasselbe schreiben und mir die Gedanken mittheilen
wollten die Ihnen bei dessen Lectüre gekommen sind.
Wir haben jeden der von Berlin kommenden Freunde immer sorgfältig über
Ihr Befinden ausgefragt, und uns gefreut fast durchgängig nur gute
Nachrichten aus Ihrem Hause zu vernehmen. Möge das immer so fort gehen
und bald alle Spur des erlittnen Unfalles vollkommen verwischt seyn! --
Was uns betrifft so genießen wir jetzt der Pillnitzer Landluft und
befinden uns munter und gesund. Frau v. Lüttichau war in der letzten
Zeit auch recht wohl wird aber nun wieder Ulbersdorf beziehen wohin sie
die besten Wünsche begleiten.
Die Arbeit die ich mir gegenwärtig zur Aufgabe gemacht habe ist eine
Psychologie welche die Art der Bearbeitung von welcher ich Ihnen
v. Raumer und v. Langen einst ein für mein System der Physiologie
bestimmtes Stück vorlas, in größerer Vollständigkeit behandeln soll. --
Wünschen Sie mir Glück zu diesem schwierigen Unternehmen! --
Sr. Majestät dem Könige v. Preußen habe ich gleichfalls durch Humboldt
ein Exemplar der Schrift über Göthe überreichen lassen. Erfahren Sie
wie er sich darüber äußert so theilen Sie mir doch darüber einiges mit.
Am 24. Juli unterlag v. Rumohr hier einem wiederholten Anfalle von
Schlagfluß welcher hauptsächlich durch den schlechten Zustand seiner
Brustorgane herbeigeführt worden war.
Wie gern möchte ich bei Ihnen der Aufführung der Medea beiwohnen! --
Vielleicht führt mich ein gutes Glück im Herbst einmal wieder in Ihre
Gegend! -- Und so mit den herzlichsten Empfehlungen der Meinigen an Sie
und an die würdige Gräfin Finkenstein
mit treuer Hochachtung und Freundschaft