erlaube ich mir den Ueberbringer Hr. v. Mètral von Saint Saphorin
angelegentlichst zu empfehlen. Er ist ein Schweitzer aus dem Canton
Waadt und stammt aus einer der geachtetesten Familie dieses Cantons.
Die Beendigung seiner theologischen Studien haben ihn nach Berlin
gebracht, und er ist mir von mehreren Seiten, nahmentlich von meinen
Verwandten in der Schweitz -- sehr dringend empfohlen. Ich habe ihn
hier oft bey mir gesehen, und ihn als einen wohl unterrichteten
wackeren jungen Mann kennen lernen.
Gegenwärtig benutzt er die Ferien um Dresden und Prag zu besuchen, und
daselbst die bedeutenden Kunst-Anstalten so wie berühmte Litteratoren
und Künstler kennen zu lernen. Nehmen Sie denselben gütig auf, und
wenn es die Gelegenheit giebt, so erlauben Sie ihm einer Vorlesung
beyzuwohnen.
Ich freue mich im nächsten Sommer das Vergnügen zu haben, Sie werther
Herr Hofrath, hoffentlich -- wieder zu sehen, und Ihnen mündlich die
Versicherungen meiner unwandelbaren Hochachtung und freundlichsten
Ergebenheit wiederhohlen zu können.
_Brühl_.
=Bürger, Elisa.=
Eine Frau, welche durch ein aus der Ferne zugesandtes Liedchen
unsern armen Bürger, den wahrhaft deutschen Sänger, zu fesseln und
ihn in’s Ehejoch zu verlocken wußte, würde schon an und für sich
auf dieses Plätzchen in vorliegender Sammlung Anspruch haben. Wer
aber Tieck jemals von Angesicht gesehen, der muß überrascht werden
durch eine Zeile im Briefe dieser Frau, die ihm eben _niemals_
gegenüber stand, und dennoch die bedeutsamen Worte ahnend
niederschreibt: „Dessen Augensterne ich wohl einmal funkeln sehen
möchte, wenn ihn Begeisterung erfüllt!“ Etwas Treffenderes, deshalb
Schöneres, dürfte schwerlich über seinen Anblick gesagt worden
sein. Darin werden Alle übereinstimmen, deren Augen den seinigen
begegnet sind.
Frkf. am Main den 22. May 1830.
_Verehrtester Herr Hofrath!_
Diese Zeilen sind die Ersten welche ich an Sie zu richten Veranlassung
finde, und ich zage nicht bei dem Wagstück, denn ich erweise Jemand
einen Dienst, und erreiche zugleich einen lang gehegten Wunsch. Mit
welchen Empfindungen haben ihre Geistesflammen mich oft ergriffen,
belebt, entzündet! Sie lesend lebte ich oft um Sie, und so schreibe
ich jezt nicht an einen mir Fremden, sondern nur an einen Fernen,
Hochgeachteten, dessen Augensterne ich wohl Einmal funkeln sehen mögte
wenn ihn Begeistrung erfüllt! Doch ich hemme die vergeblichen Wünsche,
um einem, vielleicht leichter zu erreichenden, eines Kunst-Sohnes zu
genügen.
Das einliegende Schreiben ist von einem jungen Schauspieler, dem es ein
rechter heiliger Ernst ist dem höhern Genius zu huldigen. Die Natur hat
ihn mit einem Aeusseren begabt welches zu der Tragödie vollkommen paßt;
Gros, schlank, hellbraun von Haaren, blaue Augen, einen feingeformten
Mund mit blendend weißen Zähnen, hat er eine Aussenseite welche für
ihn einnimmt, dabei ein kräftiges und wohltönendes Sprachorgan, jeder
Modulation fähig. Unter Ihren Augen, von Ihnen beobachtet und zurecht
gewiesen könnte er einem vorzüglichen Grad der Kunstweihe entgegen
reifen. Er hat Gewandtheit und geistige Auffassung; sein Roderich im
Leben ein Traum, sein Romeo, sein Don Cäsar sind treffliche Beweise
seines Kunstberufs. Wird es ihm durch Ihre Fürsprache vergönnt in
Dresden als Gast zu erscheinen, so sind seine schönsten Wünsche erfüllt
wenn er Ihre Huld gewinnt. Aufs innigste bitte ich Sie, der schon so
Manchem Wohlwollen bewies, es diesem Manne nicht zu versagen, und
erwarte hoffend Ihre gütige Entschließung.