_Stockholm_ den 16. Juli 1835.
_Theuerster Freund!_
Ob ich gleich neulich einem auf Reisen gehenden Landsmanne, dem Hr.
Doct. Hagberg aus Upsala, einige Zeilen an Dich mitgab, so kann ich
doch nicht umhin die Gelegenheit zu benutzen, die sich jetzt mir wieder
darbietet, Deine Schwedischen Freunde, die sich so oft mit Dankbarkeit
und Sehnsucht Dresdens, Deiner und der Deinigen erinnern, Deinem uns so
theuren Andenken zu empfehlen. Gern wäre ich statt des Briefes selbst
gekommen; doch der Erfüllung dieses Wunsches darf ich erst in einem
Jahre vielleicht entgegensehen. Dann hoff ich mich aber auch los und
ledig machen zu können.
Ueberbringer dieses Schreibens ist ein junger, liebenswürdiger Dichter,
Herr Böttiger, der Zweymahl von der Schwedischen Akademie belohnt
worden ist; nähmlich für ein Gedicht über _Gustav Vasa_ und für ein
anderes _Gustav Adolph bey Lützen_ genannt. Außerdem hat er mehrere
lyrische Gedichte herausgegeben wovon eine Samlung in kurzer Zeit drey
Ausgaben erlebt hat -- eine bey uns sehr seltene Erscheinung, zumahl
in einer so antipoetischen Zeit, wie die unsrige, und bey dem wenig
zahlreichen Publicum, worauf ein Schwedischer Schriftsteller zu rechnen
hat. Hr. Böttiger ist Doctor der Weltweisheit und Docens wie auch
Unterbibliothekar bey der Universität in Upsala. Sein anspruchloser,
liebenswürdiger und rechtschaffener Charakter hat ihm in der Heimath
allgemeiner Liebe und Achtung erworben, und ich vermuthe daß er auch
jenseit des Meeres Freunde und gleichsinnige Herzen finden wird.
Die Gesundheit meiner Frau fährt fort sich zusehends zu verbeßern.
Sie läßt Dich und Deine liebe Umgebung tausendfach grüßen. Bestelle
auch meinen herzlichen Gruß an Deine sämtliche Hausgenoßen und alle
unsere Dresdener Freunde. Als ein wohlgemeintes Andenken von Schweden
und Deinen hiesigen Freunden habe ich dem ~Dr.~ Böttiger ein paar
Schaumünzen mitgegeben, um sie Dir zu überbringen. Dieselben stellen
Tegnér und Berzelius vor, und gehören zu einer Samlung deren Herausgabe
ich hieselbst besorge.