II.

_Stockholm_ am 8. Juny 1835.

_Theuerster Freund!_

Ueberbringer Dieses ist der Hr. Hagberg, der Weltweisheit Doctor, und

Sohn eines unserer vorzüglichsten Kanzelredner und Kirchenväter. Dieser

junge Reisende besitzt ein hübsches poetisches Talent und hat zweymahl

den Preis der Schwedischen Akademie erhalten, nämlich für ein Gedicht

über _Gustav Adolph den Großen_ und für eine Uebersetzung von Tassos

_~Gerusalemme liberata~_. Auch ist er bey der Universität in Upsala

Docens der Griechischen Sprache. Da er auf seiner Reise nach Italien

im vorbeygehen Dresden zu besuchen gedenkt, habe ich mir das Vergnügen

nicht versagen können, mich durch ihn bey Dir in Erinnerung zu bringen,

und ihm überdies, mittelst dieser Zeilen die Freude zu verschaffen,

Deine und der Deinigen Bekanntschaft zu machen, wovon er mich oft,

als von einer der theuersten Rückerinnerungen an meine Wanderungen in

fremden Ländern, hat sprechen hören.

Die letzten Nachrichten die ich aus Dresden gehabt, sind von Baron

v. Lüttichau. Er meldet daß Du, zu unserer großen Freude, frisch und

gesund bist, daß aber, leider, in dem Befinden Deiner Frau keine

verbesserung vorgegangen ist. Dieser letztere Umstand geht uns herzlich

nahe, und wir hoffen und wünschen innig, daß dieses bald einen

Uebergang habe. Was uns betrifft sind wir Gottlob! jetzt beyde gesund

und meine Frau hat sich bey der Diät, die der vortreffliche Carus ihr

vorgeschrieben hat, besonders wohl befunden. Grüß ihn tausendfach und

herzlich!

Diesen Sommer bringen wir auf einem Landgut zwey Meilen von der

Hauptstadt zu; aber nächstes Jahr hoffen wir, geliebt es Gott! wieder

eine Reise südwärts machen zu können, und werden dann gewiß Dresden

besuchen. -- Was hast Du jetzt vor? -- Was geschieht in der Deutschen

Litteratur? -- Wie steht es mit Eurem Theater? -- Wie befinden sich

unsere Freunde? -- Dies sind Fragen, die wir so gern beantwortet

hätten, die aber in die leere Luft verhallen.

Der Doctor Hagberg wird nähere Nachrichten von uns ertheilen können.

Leb’ indessen wohl, theuerster Freund! Empfange die herzlichen Grüße

meiner Frau an Dich, und unsere gemeinschaftliche an Deine ganze

liebenswürdige Umgebung, und an alle unsere Freunde in Dresden -- das

liebe Dresden! -- Noch einmahl, lebe wohl! und vergiß nicht gänzlich

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 111 / 326 题