II.

Mittwoch Morgen.

_Theuerster Freund!_

Wenn ich nicht allen Glauben an poetische Gerechtigkeit, Nemesis und

Vorsehung aufgeben soll, so erfüllen Sie die Bitte, die ich Ihnen

halb verzweifelt und erschöpft an’s Herz lege: lassen Sie Herrn von

Bülow die zweite Hälfte der Abschrift Ihrer Novelle zur Strafe dafür

collationiren, daß er Ihnen einen solchen heillosen Abschreiber

empfohlen! Wäre ich der -- -- -- oder sonst ein Tyrann, ich ließe ihn

stäupen. Hier in diesem constitutionellen gebildeten Lande sollte

man ihn in die Kleinkinderschule schicken, oder in’s Hospital thun.

Mitunter sind seine Confusionen höchst ergötzlich; er schreibt ganz

getrost: Mineralog statt Monolog, Kaffe statt Kuß, die Dummen statt die

Damen, Fußweg statt Kunst, Signalisten-Corps statt Diplomatisches, u. s.

w. Aber dergleichen Redeblumen können doch zuletzt für die unzähligen

Verwünschungen und Seufzer nicht trösten, die seine incurable

Stupidität uns erpreßt.

Ich hätte während ich Ihnen diese Zeilen schreibe, noch eine halbe

Seite mehr nachsehen können; aber ohne Scherz und Uebertreibung, ich

habe in diesen Tagen besonders viel zu thun, und kann, wenn die

Correktur eilt, sie nicht wohl übernehmen. Sie selbst sollen sich auf

keine Weise damit befassen. Aber finden Sie nicht vielleicht Jemand

Anders? Ihre Handschrift lieset sich vortrefflich -- (!!) -- und macht

gar keine Schwierigkeit. -- (??) --

Dann habe ich Ihnen noch einen Wunsch vorzutragen. Es hieß gestern,

Frau von Savigny werde Donnerstag abreisen. Wenn das, wie ich noch

nicht recht glaube, wirklich der Fall ist, müßte ich wohl heute Abend

zu ihr gehn, und würde dann inständigst bitten, mir für den ~Every Man

in his humour~ irgend einen andern Abend bestimmen zu wollen. Bleibt

sie aber, so komme ich auf jeden Fall. Mein Diener soll Ihnen darüber

mündlichen Bescheid ertheilen.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 98 / 326 题