_Copenhagen_, 8. April 1842.
Der Buchhändler _Longmann_ aus London, geht zum ersten Mahl nach
Deutschland, und da es sein sehnlichster Wunsch ist, Ihre persönliche
Bekanntschaft zu machen, so erlaube ich mir Ihnen diesen sehr wackeren
Mann vorzustellen; indem ich dabei auch die Gelegenheit ergreife mich
selbst vor Ihr Gedächtniß wieder einzuführen.
Als ich im vorigen Sommer aus dem Orient zurückkam, suchte ich Sie
vergebens in Dresden. Als eine Frucht meiner Reise erscheint jetzt im
Dänischen -- und bald nachher im Deutschen -- eine neue Arbeit von mir:
„_Der Bazar eines Dichters,“_ in sechs Bogengängen: „Deutschland,
Italien, Griechenland, der Orient, die Donau und nach Norden!“ Den
Bazar „Deutschland“ habe _Ihnen_ und dem Mendelsohn-Bartholdy
gewidmet, den Orient, Oehlenschläger und dem österreich. Internuntius
Stürmer in Constantinopel.
Die deutsche Ausgabe wird Ihnen in diesem Sommer geschicht werden. Ich
kann -- wie Sie sehen, -- gar nicht Deutsch schreiben!
N. S.
Grüsen Sie Frau von Serre
und Dahl (?).
~An
den Dichter Deutschlands
Ludwig Tieck!~
Ihr sehr ergebener
_H. C. Andersen._
Armansperg, Joseph Ludwig, Graf.
Ehemaliger Präsident der Regentschaft in Griechenland. Lebte später
auf seiner Herrschaft Egg bei Deggendorf, an der bayr. öster.
Grenze. Die jetzige Inhaberin dieses Besitzes ist seine, des edlen
Vaters würdige Tochter, die hochgeachtete, von allen weiblichen
Tugenden geschmückte Fürstin Cantacuzeno.
_München_, den 25. Oktober 1826.
Wohlgeborner
Verehrtester _Herr Hofrath!_
Euer Wohlgeboren sind bereits durch den Vorstand des Obersten Kirchen-
und Schulrathes auf vertraulichem Wege in Kenntniß gesetzt worden,
daß Se. Majestät der König mein allergnädigster Herr in dem hohen
Bestreben, den Glanz der unter Allerhöchst Ihren Auspizien dahier
neu aufblühenden Hochschule zu erhöhen, Ihren großen Talenten und
anerkannten Verdiensten eine vorzügliche Aufmerksamkeit widmen, und
den Wunsch, Sie für Ihre Ludwig Maximilians Universität zu gewinnen,
auszudrücken geruht haben.
Allerhöchstdieselben sind ein zu großer Verehrer Ihrer Verdienste, und
wünschen zu lebhaft, der deutschen Litteratur, deren Zierde Sie sind,
Ihre fernere freie Wirksamkeit zu erhalten, als daß es in Allerhöchst
Ihren Absichten liegen könnte, Euer Wohlgeboren bei diesem Rufe dem
Zwange eines bestimmten Lehrfaches zu unterwerfen.
Euer Wohlgeboren werden daher den ausgedrückten allerhöchsten Absichten
gemäß, bei uns nicht nur durchaus freie Lehrvorträge halten, sondern
auch jene ergiebige Geschäftsruhe finden, ohne welche die glücklichen
Empfängniße genialer Geister nicht zur Reife und Vollkommenheit
gebracht werden können.
Wenn ich hiebei Euer Wohlgeboren Vorlesungen über schöne Litteratur
überhaupt, über Geschichte der Poesie, insbesondere über Shakespeare,
Dante, Calderon als Aufgabe Ihres hierortigen Wirkens andeute, so
geschieht dieses nur beyspielweise, und ohne Beschränkung auf irgend
einen Stoff im weiten Gebiete der Kunst und Poesie, in dem Sie, wie in
Ihrem Eigenthum, zu walten pflegen.
Die Bedingungen, unter welchen Euer Wohlgeboren in die Dienste Sr.
Majestät treten werden, sind ein Gehalt von 2500-2800 f., nebst einigen
Getraidbezügen, welche in Geld reluirt werden, eine angemessene
Aversal-Summe für Herbeibringung Ihrer zahlreichen Büchersammlung und
alle Vortheile, welche die konstitutionelle Dienstespragmatik den
bayerischen Staatsdienern gewährt.
Se. Majestät haben bedauert, daß besondere Verhältniße und Erwägungen
nicht erlauben, den Werth Ihres Anerbietens durch die Zugabe einer
Freiwohnung zu erhöhen.
Indessen glaube ich, daß manche Begünstigungen und Vortheile, welche
der Aufenthalt in südlichen Hauptstädten, in Absicht auf Wohlfeilheit
und bequemeren Lebensgenuß darbietet, die Entbehrung dieses Vortheiles
weniger fühlbar machen werden.
Da ich annehmen darf, daß die Vorträge Euerer Wohlgeboren zu den
besuchtesten auf der Hochschule gehören, da Se. Majestät ernstlich
bemüht sind, die in vieler Hinsicht verderbliche Honorarienfreiheit
in engere Gränzen zurückzuweisen, so eröffnet sich auch hierin, wenn
auch nicht gleich im Anfange, doch gewiß in besserer Zukunft eine nicht
unergiebige Quelle erhöhten Einkommens.
Auch darf ich Ihnen dem kunsterfahrenen Manne nicht erst umständlich
aufzählen, welche reiche Zuflüsse Ihre Studien aus jenen Quellen
sich versprechen dürfen, die sich in trefflichen Kunst und
Gemäldesammlungen, in einer überreichen Bibliothek, in dem Verkehr mit
ausgezeichneten Gelehrten und Künstlern und selbst in der größeren Nähe
des italienischen Himmels dem Kunstsinne öffnen.
Wenn alle diese Erwägungen Euer Wolgeboren bestimmen können, dem Rufe
Sr. Majestät des Königs, den ich hiemit in amtlicher Eröffnung zu
Ihrer Kenntniß bringe, mit entsprechender Erwiederung zu begegnen, so
muß ich den Wunsch ausdrücken, Dieselben wollen mir Ihren Entschluß
baldgefälligst mittheilen, und übrigens die Versicherung meiner eben
so ausgezeichneten als aufrichtigen Hochachtung als einen Tribut der
Verehrung ansehen, welche ich Ihren großen Verdiensten um Litteratur
und Kunst gewiedmet habe.