Der Strand von Assur.]

Aus vorgeschichtlicher Zeit haben sich keine Befestigungen gefunden,

nur Grundmauern von Häusern, Feuerstätten und Kanälen. An der Ostseite

führte man schon zu Anfang des 2. Jahrtausends Mauern auf, um die

Stromfahrt zu beherrschen und das Ufer gegen die Erosion zu schützen.

Diese Mauern befestigte Adadnirari I. in altassyrischer Zeit. Davon ist

noch vieles erhalten. Auch legte man Landeplätze und Treppen am Ufer

an. An der Nordostecke der Stadt lag der Assurtempel mit der Front nach

Norden, und an der Nordwestecke der Palast Tukulti-Ninibs I. auf seiner

ungeheuren Plattform.

In jungassyrischer Zeit baute Salmanassar III. im Westen und Südwesten

eine äußere und eine innere senkrechte Mauer, auf denen je eine

Fahrstraße hinlief. Blaugelbe und schwarzweiß glasierte Ziegel

schmückten die Zinnen. Nach seiner Regierung, aber vor Sargon, verfiel

die innere Mauer; an ihrer Stelle entstanden Wohnhäuser, und davor

legte man eine niedrigere Mauer an.

In spätassyrischer Zeit führten Sargon und Sanherib noch mancherlei

Verbesserungen aus. Die Achämeniden dagegen ließen die Befestigungen

unverändert, und auch in der parthischen Zeit wurde nichts daran getan.

Aus der Zeit Salmanassars III. grub man sieben Tore aus. Jedes Tor

flankierten zwei Türme; nach innen waren Wachtstuben, Rampen und

Treppen, die zur Mauerzinne hinaufführten. Eines der Tore hieß

Abul gurgurri, das Stadttor der Metallarbeiter; die übrigen sind

bisher namenlos. Die Zapfen der gewaltigen Flügel des Gurgurritores,

zylinderförmige Basaltblöcke, sind noch vorhanden. Verkohlte

Zedernholzbalken lassen auf eine Feuersbrunst schließen. Zwei

sargonitische Kalksteinblöcke an diesem Tor tragen Sanheribs Namen.

Eine Bildsäule Salmanassars III., die im Gurgurritor stand, besitzt

jetzt das Ottomanische Museum in Konstantinopel, eine andere, die den

König auf seinem Throne sitzend darstellt, das Britische Museum. Beide

sind in Lebensgröße.

Der ebenfalls ausgegrabene, offenere Zugang von Norden her, den man

nicht als Tor bezeichnen kann, hieß Muschlal und wird schon Ende

des 3. Jahrtausends auf Ziegelinschriften erwähnt. Adadnirari I. in

altassyrischer Zeit ließ ihn erneuern; auch die jungassyrische Zeit

unter Salmanassar III. kennt ihn. Unter Sanherib heißt es: „Der Palast

Muschlal in der Stadt Assur“, und bei Assarhaddon: „Bît muslalu, das

am Palast der Stadt Assur liegt, ließ ich aufs neue erbauen als Ein-

und Ausgang“.

Straßen an der inneren Mauer stammen aus spätassyrischer Zeit; sie

erinnern an die Straßen Pompejis und der heutigen Städte des Orients.

Professor Andrae beschreibt ausführlich alle Einzelfunde, die

an den Mauern gemacht wurden, Ziegelkanäle, Straßen und Häuser,

Abflußtrommeln, Poternen, Wehrgänge, Turmtreppen, Bastionen,

emaillierte Terrakottareliefs, Kupferbecken, Konsolen, Haken und

Pfeilspitzen aus Bronze, Gräber und Ziegel mit Inschriften, von denen

folgende aus der Zeit Salmanassars III. als Probe angeführt sei:

„Salmanassar, der König des Alls, König des Landes Assur, der Sohn des

Assurnasirpal, des Königs des Landes Assur. Erobernd herrschte ich

vom großen Meer beim Lande Amurru gegen Sonnenuntergang bis zum Meer

beim Lande Kaldu, genannt Marratu (d. h. der Salzstrom). Da brach ich

die Ruinen der früheren Festungsmauer meiner Stadt Assur nieder, die

Tukulti-Ninib, Salmanassars Sohn, ehedem gebaut hatte; ich erreichte

ihren Grund; von ihrem Fundament bis zu ihrer Brustwehr fügte und

vollendete ich sie; prächtiger und gewaltiger als zuvor machte ich sie.

Meine Tafeln und Urkunden brachte ich an. Ein zukünftiger Fürst soll

ihre Ruinen wieder aufrichten und meinem Namen wieder seinen Platz

einräumen, dann wird Assur seine Gebete erhören.“

Salmanassar gedachte also der kommenden Jahrtausende, die seinen Namen

vergessen könnten. Dann sollten die Steine für ihn reden!

Andraes Grabungsmethode in den Ruinen Assurs war eine andere als

die Koldeweys in Babylon. Er zog 5 Meter breite „Suchgräben“ quer

über das ganze Stadtgebiet; sie laufen je 100 Meter voneinander

entfernt parallel von der Westmauer bis nach dem Tigrisufer im

Osten. Stieß solch ein Graben auf Reste von Palästen, Mauern, Toren,

Häusern, Kanälen usw., so grub man seitwärts weiter, bis der ganze

Fund bloßgelegt war. Manchmal zwangen Bodengestaltung oder neuere

mohammedanische Grabstellen zur Aufgabe des 100-Meter-Zwischenraums.

Solch ein unregelmäßiger Graben führte in den Jahren 1909-1911 zur

Entdeckung der merkwürdigen Königspfeiler im Winkel zwischen dem

breiten Nordteil und dem schmalen Südteil der Stadt. (Vgl. „Die

Stelenreihen in Assur“ von Walter Andrae, Leipzig, 1913).

Diese Pfeiler stammen aus der Zeit zwischen dem 14. und 7. Jahrhundert

v. Chr. Sie sind flach, oben abgerundet und tragen eine Inschrift

oder ein Reliefbild der Personen, zu deren Gedächtnis sie errichtet

wurden. Die größten sind aus Basalt und nennen Tukulti-Ninib I.,

Semiramis und Assurnasirpal III.; kleinere sind mit den Namen anderer

Könige und hoher Beamten bezeichnet. Einer aus körnigem, gelbgrauem

Kalkstein zeigt das Bild einer Palastdame Sardanapals. Sie sitzt, nach

rechts gewendet, auf einem Thron, ist mit Armbändern und Ohrringen

geschmückt, trägt Rosetten auf den Schultern und auf ihren üppigen, den

Rücken herabwallenden Locken eine Königskrone; in der Linken hält sie

eine Blume, die Rechte streckt sie nach oben. Das Gesicht entspricht

dem Schönheitsideal des Orients: volle runde Wangen, kräftiges Kinn,

gerade, scharf gezeichnete Nase, schön geschwungene, breite Augenbrauen

und lachende Lippen.

[Illustration:

Phot.: Schölvinck.

Bagdad, Babylon, Ninive · 第 45 / 54 题