~Schusswunde der Leber.~
Eben so wenig Schwierigkeit bot die Beurtheilung einer andern
Schusswunde dar, eines Falles, der mehr in psychologischer Beziehung
als in chirurgisch-forensischer selten und bemerkenswerth war. Der
Maurergeselle ~Klebe~ lebte mit einer Zuhalterin, und hatte Verdacht
gegen seinen ältesten (21jährigen) Sohn aus früherer Ehe geschöpft,
dass er ihm seine Geliebte zu seinem eigenen Besten abwendig machen
wollte. Er beschloss, sich an ihm zu rächen, und beging am ~eignen
Sohne einen Mord aus Eifersucht~!! Der Augenblick der That bot eine
Scene dar, wie sie die ausschweifendste Phantasie kaum erfinden mag.
Der Sohn schlief mit dem jüngern Bruder, einem kleinen Knaben, in
Einem Bette, und hielt denselben zufällig im Schlafe umschlungen. Da
nähert sich in der Nacht der Vater seinen schlafenden Kindern, eine
kleine Lampe in einer, ein geladenes Pistol in der andern Hand, biegt
sich über den Knaben, um diesen nicht zu verletzen, hinüber, setzt das
Pistol dem ältern Sohne in der Lebergegend an, drückt los und tödtet
ihn auf der Stelle! -- Bei der Section fand sich die Leber so zermalmt,
dass nur noch der _lob. Spigel._ erhalten war. Die ganze übrige
Substanz mit der Gallenblase war in einen blutigen Brei verwandelt.
Zwei Pfund dunkelflüssiges Blut lagen frei in der Bauchhöhle. Die
Kugel war von der Leber aus noch in die Milz gedrungen, hatte diese an
ihrem innern Rande durchbohrt, und war dann in den achten Rückenwirbel
gegangen, in welchem sie steckend gefunden wurde. -- Der unnatürliche
Verbrecher, der später im Gefängniss eine grosse Zerknirschung und
religiöse Fassung zeigte (oder erheuchelte?), wurde hingerichtet.