22. Fall.

~Schusswunde der Leber.~

Eben so wenig Schwierigkeit bot die Beurtheilung einer andern

Schusswunde dar, eines Falles, der mehr in psychologischer Beziehung

als in chirurgisch-forensischer selten und bemerkenswerth war. Der

Maurergeselle ~Klebe~ lebte mit einer Zuhalterin, und hatte Verdacht

gegen seinen ältesten (21jährigen) Sohn aus früherer Ehe geschöpft,

dass er ihm seine Geliebte zu seinem eigenen Besten abwendig machen

wollte. Er beschloss, sich an ihm zu rächen, und beging am ~eignen

Sohne einen Mord aus Eifersucht~!! Der Augenblick der That bot eine

Scene dar, wie sie die ausschweifendste Phantasie kaum erfinden mag.

Der Sohn schlief mit dem jüngern Bruder, einem kleinen Knaben, in

Einem Bette, und hielt denselben zufällig im Schlafe umschlungen. Da

nähert sich in der Nacht der Vater seinen schlafenden Kindern, eine

kleine Lampe in einer, ein geladenes Pistol in der andern Hand, biegt

sich über den Knaben, um diesen nicht zu verletzen, hinüber, setzt das

Pistol dem ältern Sohne in der Lebergegend an, drückt los und tödtet

ihn auf der Stelle! -- Bei der Section fand sich die Leber so zermalmt,

dass nur noch der _lob. Spigel._ erhalten war. Die ganze übrige

Substanz mit der Gallenblase war in einen blutigen Brei verwandelt.

Zwei Pfund dunkelflüssiges Blut lagen frei in der Bauchhöhle. Die

Kugel war von der Leber aus noch in die Milz gedrungen, hatte diese an

ihrem innern Rande durchbohrt, und war dann in den achten Rückenwirbel

gegangen, in welchem sie steckend gefunden wurde. -- Der unnatürliche

Verbrecher, der später im Gefängniss eine grosse Zerknirschung und

religiöse Fassung zeigte (oder erheuchelte?), wurde hingerichtet.

Gerichtliche Leichen-Oeffnungen. Erstes Hundert. · 第 28 / 118 题