Marie Diers

[Illustration]

Dresden 1907.

Max Seyfert, Verlagsbuchhandlung.

Erstes Kapitel.

Aus dem Dorfe Hohen-Leucken, das seinen Namen seinem höher gelegenen

Herrschaftshause zu Ehren, sonst aber nur wie zum Spotte führte, kam der

Doktor das ganze Jahr nicht heraus. Zwischen Moor und sumpfigen Wiesen lag

es arglos eingebettet, und am Abend, wenn die Nebel stiegen, wogte

eine weiße Mauer bis an die Schwellen der niedrigen Häuser. Typhus,

Schwindsucht, epidemische Hals- und Rachenkrankheiten gehörten hier mit

zu dem gewohnten Lebensbilde der Leuckener Bewohner, man begrub hier

seine kleinen Kinder, man siechte selber, man starb, ohne sich viel um die

Ursachen zu bekümmern, oder gar ihnen den Krieg zu erklären. Der Doktor,

der viele Meilen über Land durch Lehmboden, durch Sand, über schwanken

Moorgrund herkutschierte, fluchte zwar jedesmal von neuem über den

Nebelring, der dieses Dorf umzog, aber er war selbst ein Kind dieses

Landes, in dem man zwar flucht, im übrigen aber alle Unbill ruhig beläßt,

wie sie nun einmal ist, und ihr höchstens mit einem kräftigen Bittren zu

Leibe geht.

Der baufällige Krug am Anfang des langgestreckten Dorfes wurde die ganzen

Abende nicht leer, sogar bei Tage bevölkerten ihn zweifelhafte Gestalten.

Das bißchen Bargeld, das sich der Tagelöhner und auch der Kossat

errackerte, wenn er zu Hofe ging, wurde hier wieder vertrunken. Es lag so

in der feuchten Luft und dem schlottrigen Gefühl, das man den ganzen Tag

in den Knochen hatte. Der Pastor konnte das nicht verstehen, er hatte ein

massives Haus und brauchte den ganzen Tag nicht aus seiner warmen Stube

heraus. Darin war der gnädige Herr besser, er begriff sehr gut, daß man

bisweilen »saufen« müßte, um sich aufrecht zu halten.

Übrigens kam es ihm auch gar nicht darauf an, selbst wenn es sich gerade so

machte, mit leuchtendem Beispiel voranzugehen.

Sonst hatte er es gerade nicht nötig, ins Herrenhaus krochen die Nebel

nicht herauf. Dies lag auf einem Hügel, der überdies noch künstlich erhöht

war, und war von den Vorfahren dieser Dörfflins, die sicherlich mehr

Geld gehabt hatten, als die jetzigen, außerordentlich solide und fest

aufgeführt. Ein breiter, chaussierter Fahrweg führte aus dem armseligen

Dorfe in sanfter, bequemer Steigung bis an das Tor, ein prachtvolles

Steinmonument vergangener Jahrhunderte, von dem noch verwitterte Ritter-

und Engelfiguren und noch mehr verwitterte fromme und auch trotzige Sprüche

die späten Enkel grüßten.

Von hier aus ging es in den steingepflasterten Hof und vor die niedrige

Einfahrtsrampe.

Was das stolze alte Tor versprach, wurde von dem Schlosse freilich nur

recht ungenügend gehalten. Es war ein nüchterner und kahler Bau, an dem

nur das Alter interessant war, sonstige Erinnerungen an verklungene

Ritterzeiten, die ohne Zweifel vorhanden gewesen waren, mußten

verschleudert worden oder sonstwie zu Grunde gegangen sein. Es ging

eine trübe und schändliche Sage um, daß der Großvater des jetzigen Herrn

v. Dörfflin aus einem zwar erklärlichen, aber wenig ehrwürdigen Grunde

einen schwungvollen Handel mit diesen alten, geheiligten Dingen getrieben

habe. Aber man redete nicht laut darüber.

Das Schloß war breit angelegt, dauerhaft, aber häßlich und unwohnlich.

Auf den breiten Treppen zog es beständig, und wer über die unendlichen

Bodenräume ging, mußte mitten im Sommer ein Frieren bekommen, wenn er daran

dachte, wie es sein müsse, hier zur Winterszeit in den unzähligen Kammern

zu tun zu haben.

Frau v. Dörfflin, ein verwöhntes und verzärteltes Großstadtpüppchen, hatte

diese Zustände vier bis fünf Jahre treulich durchgemacht und dann gründlich

darüber quittiert, indem sie die Augen zumachte und sich in ihr letztes

Bett tragen ließ. Sie war eine gute Seele und fand ihr Heil und ihre

Pflichterfüllung in unentwegten Krankenbesuchen im nebligen Dorf, auf denen

sie sich wie ein rührend unpraktisches liebes Kind benahm. Aber ihr zarter

Körper mußte den Luxus, den ihre Seele trieb, bezahlen. In all dem

Nebel, dem Zugwind und der Anstrengung ging sie ein wie ein Pflänzchen in

verkehrter Pflege und löschte aus, wie von jeher ihre Lichter ausgelöscht

waren, mit denen sie über die zugige Treppe in das obere Stockwerk hatte

gehen wollen.

Herr v. Dörfflin war ein ziemlich roher und ungebildeter Junker, der von

Pferden, Hunden, Jagd- und Landwirtschaft, auch vom Weinkeller zwar so

viel wußte, als er brauchte, aber von Frauen, Kindern und den feineren

Lebensfragen recht wenig. Er war trotzdem ein Mensch, den man lieb haben

konnte, gutmütig, ehrlich und ritterlich aus Gewohnheit. An Herzenskummer

starb seine Frau nicht, wenn auch vielleicht ein brillanterer Geist als der

ihres guten Ludwig sie in eine andere Bahn des Lebens, Wirkens und Heiles

geführt hätte als diese selbsterwählte, bei dem sie aus dem Husten und

Frösteln gar nicht herauskam und auf der sie zum Schluß doch kaum mehr

hinterließ als den halb mitleidigen Ruhm:

»Joa, se is gaud, uns' gnä Fru. Äwer äten kann ein' doch nich, wat se

koakt.«

Tot war sie, dahin, erloschen. Und um die Sache noch gründlicher zu machen,

zog sie sich ihren ältesten Jungen, ein schönes zartes Kind von fast vier

Jahren, noch in demselben Winter nach. Ludwig v. Dörfflin saß in seinem

kalten, ungemütlichen, einsamen Herrenhaus auf Hohen-Leucken, mochte nicht

mehr jagen, noch zechen, noch meilenweit zu Bekannten fahren und konnte nur

in die Hinterstube gehen und seinem kleinsten Mädchen, dem Fritzchen, dem

unruhigsten und wildesten aller Säuglinge, verzagt in den Wagen und in

das ewig schreiend aufgerissene Mäulchen gucken. Oder er konnte seine

Zweijährige, die artige blonde kleine Gisela, an das Händchen fassen, sich

krampfhaft besinnen, was man mit solchem Wurm spricht, der Bonne ein paar

dumme Regeln geben, die entweder falsch oder selbstverständlich waren, und

sich dann mit dem fatalen Gefühl seines Nichts wieder davon heben.

Mit der Zeit wuchs Gras über das stille Grab der stillen törichten kleinen

Frau, und Herr v. Dörfflin ließ das Gras auch wachsen. Er »ließ« überhaupt

meist alles, und nur seine Reitknechte wußten es (weil sie es fühlten), daß

er unter Umständen auch sehr aktiv und selbsttätig sein könne.

Wie es zog auf den Treppen und dem langen kahlen, in seinen Ecken finsteren

Boden! Es war jetzt auch immer schmutzig hier oben. Wer sollte reinmachen,

wenn keine Hausfrau da war, es zu befehlen? Das Zimmermädchen schob es auf

den Jakob, der die Stiefel putzte, der Jakob auf die Kartoffelschäl-Weiber,

und die wiederum fanden, daß das Zimmermädchen auch für den Boden nicht

zu feine Hände habe. So ging der Tanz immer fröhlich reihum, schlief auch

dazwischen monatelang ein, bis zum großen Frühjahrsreinemachen oder zu

Weihnachten auch wieder die Bodenfrage aktuell wurde. Die Wirtschafterin,

die hier eigentlich das Machtwort hätte sprechen müssen, hatte ein zartes

Verhältnis mit dem Inspektor, ein allzu zartes, das wie sie fürchtete,

mit ihrem Abgang reißen könnte. Deshalb wollte sie sich lieber mit den

Dienstboten nicht verfeinden, denn die vorige hatte gehen müssen, als eine

allgemeine Petition deswegen an Herrn v. Dörfflin erging.

So war der Boden staubig und wurde immer staubiger, und in den Kammern

häuften sich zerrissene und schadhafte Wäsche und Kleidungsstücke auf, die

man nur »aus der Hand« legte, um sie »nächstens« auszubessern.

Die feine kleine Gisela mit dem schmalen hochmütigen Gesicht nahm ihr

Kleidchen eng zusammen, wenn sie über den Boden ging, und ging dort auch

nur, wenn es durchaus nötig war. Fritzchen aber war hier zu Hause, und da

kümmerte sie weder der Staub, noch die Lumpen, noch all das zerbrochene

Hausgerät in den Ecken.

Fritzchen schloß Freundschaft hier oben mit den Balken, den Brettern, den

Sonnenstäubchen, selbst mit zerbrochenen Stühlen und alten Bettlaken. Wenn

man das kleine wilde Ding suchte, so brauchte man nur nach oben zu laufen.

Dann fand man sie in irgend einer tollen Maskerade und sich bewegend,

murmelnd oder auch ganz laut diskutierend, als sei sie in einer großen

Gesellschaft.

Der Bonne war es schon recht. Unten konnte man mit diesem Quirlchen doch

nichts anfangen. Da war sie ungebärdig, höchst unbequem zu haben, oder sie

langweilte sich und plärrte. Hier oben konnte man sie stundenlang allein

lassen, es geschah ihr ja auch nichts, nur mußte man ihr ein graues

Kittelchen anziehen, wenn man den Schmutz nicht sehen wollte, den sie sich

hier oben holte.

Bis dahin war alles sehr schön. Gisela zwar zog ein Mäulchen, wenn

Fritzchen mit glühenden Backen, die kurzgeschorenen braunen Härchen mit

Spinnweben umflort, ins Spielzimmer zurückkam. Sie hatte unterdes Perlen

aufgezogen, ihr Püppchen geputzt oder bei dem Fräulein in der Fibel

gelernt. Aber das störte Fritzchen nicht, das kannte sie nicht anders. Sie

kannte es auch nicht anders, als daß der Papa sich nicht im geringsten

um seine Kinder kümmerte. Oft sahen sie ihn tagelang nicht, denn auch

bei seinen Mahlzeiten durften sie noch nicht sein. Sie hatte ihre eigene

Ritter-, Feen- und Koboldwelt zwischen den dunklen Balken auf dem Boden.

* * *

Unterdessen, ganz für sich und unabhängig von den kleinen Kinderherzen und

Gesichterchen, machte der Papa seine Dummheiten. Er ging, sich zu verloben.

Er hatte aber auch einen Freund, noch aus seiner schönen, lustigen

Leutnantszeit her, den Freiherrn Fritz v. Zülchow. Der hatte sein Besitztum

auf Rummelshof, das ungefähr drei Meilen entfernt lag. Schon als Knaben

und dann als Jünglinge waren die beiden trotz großer Verschiedenheiten die

besten Kameraden gewesen. Später war das anders geworden. Die Frau, die

Herr v. Zülchow sich nahm, war ein stolzes, feines Geschöpf, das eine

Abneigung gegen den kleinen derben Ludwig v. Dörfflin hatte. Dadurch wurde

der Verkehr zu einer etwas peinlichen Sache und drohte, ganz auseinander zu

fallen. Nur hin und wieder auf Jagden, Gesellschaften oder bei den seltenen

Besuchen sah man sich. Aber man war sich von Herzen gut wie nur je zuvor.

Jetzt als Herr v. Dörfflin ein unverhülltes Interesse an einem etwas

zweifelhaften hereingeschneiten Frauenzimmer zu nehmen begann, wachte alle

alte Kameradschaft mit erneuter Stärke in Fritz v. Zülchow auf. »Sieh Dich

vor, Lutz!« drängte er. »Es ist nichts damit. Ein weißes Gesicht und ein

schwarzes Herz. Du wirst es bereuen.«

»Ach was, dummes Zeug«, sagte Ludwig v. Dörfflin.

Einmal war der Freiherr v. Zülchow wieder in Hohen-Leucken. Es war zur

Sommerszeit. Als er mit dem Freunde durch den verwilderten Garten ging, sah

er die Kinder hinten durch die Büsche laufen, er rief sie an. Gisela kam

gleich, Fritzchen versteckte sich. Der Freiherr war ein kräftiger, froher

und sehr wacher Mensch, der nicht, wie sein guter Lutz, auch im Gehen und

Stehen halb schlief. Er setzte dem scheuen, wilden Dingelchen nach, faßte

es, und während er es festhielt und sich mit ihm auf eine Bank setzte,

erzählte er ihm von seinen Hunden, Pferden und seinen zwei großen Jungen,

Gregor und Hans Henning, die reiten, schießen und schwimmen könnten wie die

Teufel. Dabei sah er Fritzchen unverwandt ins Gesicht und sah, wie sich der

scheue, trotzige Ausdruck des schmutzigen kleinen Gesichtes löste und ein

süßes, weiches und verlassenes kleines Kindergesicht zum Vorschein kam.

»Bring sie mal mit, die Jungens --«, sagte der kleine Mund.

»Ja, wenn ich wiederkomme«, sagte der Freiherr, und er nahm es von jeher

ernst mit dem, was er versprach.

Unterdes war der Vater des kleinen Mädels herangekommen. Der Fremde setzte

das Kind ab und behielt es an der Hand, als er sehr ernst, aber gedämpft

sagte:

»Ludwig, kannst Du Dir Fräulein Wurach hier als Stiefmutter vorstellen?«

In Herrn v. Dörfflins rundes rotes Junkergesicht kam ein ehrlich ratloser

Ausdruck.

»Ja nu -- ja nu --«, brummte er.

»Ich nicht«, sagte Herr v. Zülchow ziemlich hart.

»Ja nu -- was weißt Du denn von ihr? Sie ist -- ach, was geht's Dich an.

Lassen wir das. Sowas verträgt keine Einmischungen. Du verstehst mich,

Fritz, nimm's nicht übel.«

Als der Freiherr fort war, trank Ludwig Dörfflin die halbe Nacht durch in

Gesellschaft seines Försters, und mehr als ihm gut war. Er liebte seinen

Freund über alles, und nichts war ihm fataler, als den zu erzürnen.

Aber das sieht doch ein Kind ein, daß man sich in Liebessachen nichts

vorreden lassen kann. Was war das für eine Anstellerei, das Fritzchen aus

dem Gebüsch zu ziehen! Als ob die Anneliese Wurach ein Drache wäre. Pfui,

pfui, solchen Engel zu beleidigen.

Es war drei Uhr in der Nacht, er schlug auf den Tisch, daß die Gläser

tanzten.

»Märzmüller«, sagte er lärmend zu seinem Getreuen. »Sind Sie lieber ein

Packesel für andere Leute, oder nehmen Sie lieber selber den Gaul zwischen

die Schenkel?«

»Ich nehme lieber selber den Gaul zwischen die Schenkel«, sagte der grüne

Zechgenosse.

»He, so mach ich's auch! Was meinen Sie, ob ich wohl noch so 'ne Hecke

nehmen kann? So 'ne ganz hohe, wissen Sie?«

Er war noch nicht so betrunken, daß er den Untergebenen in seine Pläne

wirklich und deutlich eingeführt hätte. -- --

Ja, diese Pläne! Sie konnten den Leuten, die ihn oder sein Haus lieb

hatten, schon Sorgen machen. Anneliese Wurach, eine hübsche, sehr gewandte

Person, war seit einigen Wochen bei einem einfachen Gutspächter der Gegend

zu Besuch. Keinem Haus der höheren Kreise fiel es ein, sie heranzuziehen.

Aber Ludwig Dörfflin war in Liebessachen nicht so ganz zurechnungsfähig.

Daß er solche liebe kleine Frau gehabt hatte, war ein freundlicher Zufall,

ein bißchen hatte er auch an ihr das Robuste, die Fähigkeit, sich in

Szene zu setzen, vermißt. Auf dem Gutspächterhofe kam man ihm mit Handkuß

entgegen, und das war er in seinen Kreisen nicht gewöhnt. An Fräulein

Wurach lag es nicht, daß er die Werbung verzögerte, sondern nur an der

(unter diesen Umständen) lächerlichen Zaghaftigkeit und Hochachtung vor

seiner Erwählten.

Es war jetzt November geworden. Man mußte schon wissen, was der November

bedeutete auf dem Wege durch die Ebene zwischen Hohen-Leucken und dem

Rummelshofe, auf dem die Zülchows saßen. Die Winde hatten sich hier

festgesetzt in den Buschgräben und hinter den kleinen Maulwurfshügeln von

Anhöhen, an denen bergauf, bergab die Pflüger hinter dem Gespann gingen.

Die Pferde, die den offenen Rummelshöfer Herrenwagen zogen, legten sich

schief, um von dem gewalttätigen Blasius nicht aus dem Gleise gedrängt zu

werden. »Haltet die Mützen fest, Jungens!« Hui, da flog dem Hans Henning

seine schon über den Graben. »Spring nach, dummer Bengel, halt aber auch

Deine Nase fest!«

Schwer, dick, massig hingen die Wolken am düsteren Himmel, der Wind kam

ihnen kaum bei. »Wenn sich das ausschüttet, ist es Schnee«, sagte der

Freiherr. »Wie lange sind wir gefahren, Jochen?«

»Zwei und eine halbe Stunde, Herr Baron.«

»So. Macht auf Hin- und Rückfahrt fünf Stunden. Jungens, daß Ihr zu meinem

Patchen, dem kleinen Mädels-Fritz, gut seid! Sonst wäre es nicht fünf

Minuten Fahrt wert gewesen. Dir besonders, Gregor, sag ich's. Tu Du heute

nicht so ungeheuer zwölfjährig und untertertianerhaft, mein Sohn.«

Der Gregor, ein langer, feiner, blonder Junge, wollte wohl antworten, aber

der Wind riß ihm die Worte vom Munde ab und hätte beinahe auch noch die

Nase mitgenommen. Es war eine stolze Nase -- um die von Hans Henning wäre

es nicht so schade gewesen.

»Vater, das ist ein Wind!« prustete er nun bloß.

Ja, der Wind, der war schon etwas für deutsche Jungens, die sich von ihm

fünf Meilen lang im offenen Wagen um die Ohren pfeifen lassen.

»Da ist Hohen-Leucken.«

Das Herrenhaus sah vom Hügel herunter, grau unter dem schweren,

wetterdrohenden Himmel. Die Jungen sahen es aufmerksam und mit der

ungeheuer sachlichen Abschätzung an, auf die man sich in diesem Alter so

viel zugute tut. Aber die Hauptsache an dem alten häßlichen einsamen Hause

sahen sie doch nicht: ein braunes, sehnsüchtiges Struwwelköpfchen, das

schon seit geschlagenen zwei Stunden durch die eine der Dachluken auf den

Weg spähte, der übers Moor ging.

»Gisa, Gisa, sie kommen, sie kommen!«

Des Hauses jüngstes Kind poltert die Treppe hinunter, daß man es bis ins

entfernteste Zimmer hört, stolpert, fällt, poltert weiter, schreit: »Sie

kommen, sie kommen!«

Gisa war blutrot vor Ärger. »Dumme Jöre, man schreit nicht so! Was ist denn

dabei? Geh lieber und kämme Dich!«

Sie liebte solch kindisches Getue nicht. Sie genierte sich wegen des dummen

Fritzchen, die feine kleine Gisela im hellblauen Kleidchen.

Als es nun wirklich so weit war und Herr v. Zülchow mit seinen großen

Jungen in der Halle stand, steckte Fritzchen die Finger in den Mund und

hätte sich am liebsten verkrochen. Ach ja, sie war auch zu nichts zu

gebrauchen.

Gregor war auch ganz anders, wie sie sich gedacht hatte, viel größer und

stolzer. Er sah über ihre Köpfe fort und redete zum Papa, als wäre er ein

ganz Großer. Er wäre auch am liebsten nicht mit an den Kinderkaffeetisch

gegangen, aber das war nun mal so eingerichtet. Fritzchen steckte aus

lauter Verlegenheit ein so großes Stück Kuchen in ihre volle Tasse, daß

alles überplantschte. Gisa ärgerte sich wieder, aber Hans Henning lachte

darüber.

»Grad' wie ich's immer mach', Fritz. Kriegst Du dann auch immer Stripse auf

die Finger?«

»Nein.«

»Aber ich. Von Herrn Ritter. Weißt, wer das ist? Unser Hauslehrer. Weißt Du

auch, warum er immer so mager ist?«

»Nein.«

»Weil wir ihn immer ärgern. So sagt er. Wie findest Du das?«

»Ach!« Sie sah auf, ganz staunende Bewunderung. Dann leiser, mit ihren

winzigen Fingerchen verstohlen auf Gregor deutend: »Der auch?«

»Na! Und ob der nicht! Ich sage Dir, Fritz! Na, ich werd' Dir noch viel

erzählen.«

Er sah zu dem Bruder hinüber, daß der sich auch über das liebe kleine Ding

freue. Aber der saß da und sah sehr kühl aus, ungeheuer zwölfjährig.

Gisela machte die Wirtin. Sie hatte wunderfeine, geschickte Fingerchen

dabei. Sie war lange nicht so hübsch wie das Feuerfünkchen drüben, aber sie

sah viel aristokratischer, mädchenhafter und wohlerzogener aus. Als Gregor

trotz seiner Untertertianerwürde sechs Stücke Blechkuchen hinter sich

hatte, bequemte er sich, das kleine Fräulein anzureden, und fand ihre

Antworten und Bemerkungen über Haus, Garten und Viehstand hier, nach denen

er sich erkundigte, »gar nicht so dumm.«

Fritzchen war ein Querkopf. Sie hätte sich an der Freundschaft mit Hans

Henning genügen lassen sollen. Der Junge war reizend zu ihr, lief mit

ihr herum, selbst auf den Boden zu den alten Laken und den Spinneweben,

bequemte sich ihren verschrobenen kleinen Ideen an, schwatzte ihr

amüsierliches Zeug vor und versprach ihr tausend Wunder, wenn sie einmal

nach Rummelshof käme. Sie mochte ihn auch gern leiden, diesen lustigen,

rundköpfigen Jungen mit der aufgestülpten Nase, den Schelmaugen und der

Mischung von schlingelhafter Frechheit und treuherziger Zartheit. Aber

sowie sie konnte, schlüpfte sie immer wieder in die Richtung, in der

sie Gregor vermutete, und obwohl er sie kaum ansah und ihre täppischen

Bestrebungen, sich bemerklich zu machen, fast niemals wahrnahm, so lief sie

doch immer wieder hinter ihm drein und war froh, ihn nur zu sehen.

Jetzt wußte sie mit einem Male, wie die Ritter und stolzen Könige ihrer

Spielträume aussahen, und sie faßte eine stille und tiefe Verachtung für

die bunten Bilder aus ihren Büchern, die ihr bisher maßgebend gewesen

waren.

* * *

Herr v. Zülchow schob seine Kaffeetasse fort, ihm war nicht sehr zum

Trinken und zum Rauchen. Als er die Kinder durch die Halle und nach draußen

laufen hörte, verschärfte sich die unliebe Empfindung in ihm so stark, daß

sein Gesicht sich rötete.

»Ich bin hauptsächlich heute aus einem bestimmten Grunde gekommen, Ludwig«,

sagte er.

Die Einleitung war ungeschickt genug. Herr v. Dörfflin warf seine Zigarre

fort. »Wenn es Dir um meine inneren Angelegenheiten zu tun ist, so spare

den Versuch!« brauste er auf. »Ich lasse mich nicht bevormunden.«

»Ach Gott!« sagte Herr v. Zülchow tief ärgerlich. »Innere Angelegenheiten!

Lassen wir doch diese Redensarten. Du hast ja keine Ahnung, wer die Dame

ist, die Du Dir zur Frau und den Kindern zur Mutter geben willst.«

»Hast Du etwa die Ahnung?« höhnte der große Junge mit seinem

treuherzigsten, dümmsten und impertinentesten Gesicht. Er blickte so

impertinent, weil es ihm vor Unbehagen in allen Adern prickelte. Einen

Disput hatte er noch nie bestehen können.

»Ahnung, Ludwig? Die ganze Gegend schwatzt davon und lacht über Dich. Als

Fräulein Wurach im Sommer nach Lanzow kam, war sie mit einem Schreiber

verlobt. Dem hat sie jetzt abgeschrieben, weil es hübscher für sie ist,

Deine Gemahlin zu werden. Na ja, darauf kannst Du allerhand entgegnen, ich

weiß schon. Aber was meinst Du zu dem allerliebsten Geschichtchen, das die

Pastorin Barthold von ihr erzählt? Im vorigen Sommer war sie dort, da die

Tochter ihre Schulfreundin war, dort ist sie Hals über Kopf fortgekommen,

weil sie ihren ganzen Koffer voll gestohlener Zwiebäcke hatte! Nun, wenn

sie Deine Frau ist, gibt sich das vielleicht.«

Im Lampenschein sah Fritz Zülchow jetzt das Gesicht, es sah so

jammerwürdig verblüfft und hilflos aus. »Gib mir Beweise für diese albernen

Klatschereien«, bullerte Ludwig Dörfflin heraus.

Beweise? Ach lieber Gott, die waren nicht so schwer zu erlangen. Aber er

hatte so ein verdammtes Mitleid mit dem runden roten lieben Gesicht, das

in die freiesten und lustigsten Stunden seines Lebens hineingehörte wie die

Lichter an dem Christbaum.

Er schwieg; ihm selber, nun er das schwere Amt hinter sich hatte, da die

Komik verflogen war, stieg Schmerz und Traurigkeit bis in die Kehle. Es

soll ja schon manchmal vorgekommen sein, daß in solcher Stunde aus einer

alten Liebe ein tödlicher Haß geworden ist.

Ludwig Dörfflin sah auch eigentlich nicht darnach aus, als ob er solche

Lehre still in die Tasche stecken und in Tapferkeit und ehrlicher

Selbstüberwindung darüber fortkommen würde. Von solch einem Ding wie

Selbstüberwindung hatte dieser kleine trink- und hiebfeste Gutsherr sein

Lebtag noch nichts gehört, wenigstens war ihm das nur etwas für seinen

Reitknecht.

»Soll ich lieber jetzt die Jungen rufen und fahren?« fragte Herr

v. Zülchow.

»Ach was. Wozu? Bleibt nur ruhig!«

Das sprach die Wirtspflicht aus ihm, die gute Manier, die den armen Kauz

auch zu schlimmster Stunde nicht verließ. Nicht einmal der Gedanke kam ihm,

sich mit dem Beleidiger seiner Dame zu schlagen. Er hatte ja recht. Jedes

Pünktchen glaubte er. Er sah Fräulein Anneliese in der allerschlechtesten

Beleuchtung, die nur möglich war. -- Aber, was nun weiter?

Herr v. Zülchow wandte sich von dem kläglichen Bilde ab und ging hinaus,

durch eine Seitentür in den novemberkahlen Garten. Man hatte das letzte

Laub noch nicht weggeharkt, es rauschte unter seinen Füßen. Der lustige

Wind von da unten, der mit Hans Hennings Mütze über den Graben gesprungen

war, brach auch hier oben ein, über die Backsteinmauer mit ihren dürren

Efeuranken fort, durch die Stämme der alten Bäume. Er blies auch die letzte

schwere Stunde dem einsamen Wanderer vom heißen Kopfe fort.

Nun weiß er wenigstens Bescheid, dachte der. Mag sein, daß es zwischen uns

aus ist, aber eine schreckliche und jämmerliche Zukunft habe ich diesem

Hause und den kleinen Kindern, dem kleinen Fritzel, erspart.

Als er zurückkam, stand Ludwig Dörfflin mitten in der Stube und sah so

erhitzt und abgespannt aus, als habe er eben zu wohltätiger Körperübung

über alle Stühle gesetzt.

»Morgen fahre ich nach Lanzow und sage ihr alles!« rief er dem Freund zu.

Der dachte: man muß auf jeden Fall verhindern, daß er jetzt gleich mit ihr

spricht. Er ist zu unselbstständig in dieser Angelegenheit, und sie würde

ihn wieder bestricken. Ein großer Geist ist er ja nicht, aber so dumm doch

auch nicht, daß er in Wahrheit diesem Frauenzimmer mehr glauben sollte als

mir! Und auf dieses große schöne und berechtigte Vertrauen setzte er sich

so fest und solide nieder wie jetzt auf das breite braune Ledersofa, auf

dem er mit seinem Freunde schon mancher edlen Flasche den Hals gebrochen

hatte.

Es war am Ende dann nicht so schwierig, ihn zu bewegen, diese Angelegenheit

erst einmal schriftlich anzufassen. Mit Herrn v. Zülchows Hilfe entstand

ein Brief, der deutlich genug war, selbst von Fräulein Wurach verstanden

zu werden, und der doch Lutzens gequältem Herzen die Hoffnung ließ, eine

tröstliche und alle Verleumdungen zerschmetternde Antwort zu erhalten.

* * *

Aber die Zeit verging, eine Antwort traf nicht ein, und in der Gegend

erzählte man, daß Fräulein Wurach abgereist sei.

Herr v. Dörfflin war darnach eine lange Zeit blaß und schlottrig, und als

er sich wieder erholte, verfiel er aufs Trinken.

Das Schlimmste dabei war, daß er sich genierte, mit den alten Freunden

zusammen zu sein und lieber in die weit entfernte größere Stadt fuhr, wo er

in einen Trink- und Spielklub niederen Ranges geriet.

Sein Freund, Herr v. Zülchow, machte sich anfangs keine Gedanken hierüber.

Diese wüste Periode war vielleicht ein ganz begreiflicher Abschluß. Aber es

blieb dabei. Die schlechten Gesellen, die ihn ausbeutelten, wußten, was sie

an ihm hatten, wie Fräulein Wurach es gewußt hatte, und sie fesselten ihn

durch Schmeicheleien, auch wie sie.

Der Rummelshöfer versuchte schriftlich und mündlich sein Möglichstes.

Aber der von Hohen-Leucken war nicht mehr für ihn zu sprechen, er wurde

beleidigend in seinen Ausfällen. Er hatte schon Schule gemacht in seiner

neuen Umgebung und hatte Ausdrücke an sich, denen man nur aus dem Wege

gehen oder sie blutig rächen mußte.

Die große Stadt lag von Hohen-Leucken drei gute Stunden Wagenfahrt

entfernt. Die Leuckener Kutschpferde mußten sich schon an diesen Weg

gewöhnen. Oft, wenn Herr v. Dörfflin ungnädig und durch irgend etwas an

seinen Kumpanen geärgert war, konnten sie sogar ohne Rast wieder umkehren

und die drei Meilen wieder zurückjagen. Zu Hause aber mußten die Bonne und

die Mädchen nur bemüht sein, die Kinder aus der Nähe ihres Vaters fern zu

halten.

Zweites Kapitel.

Wenn in diesem Witwerhaus schon früher ein Besuch eine Seltenheit gewesen

war, so blieb er jetzt ganz aus. Das sehnsüchtige Struwwelköpfchen brauchte

nicht mehr stundenlang aus der Dachluke zu spähen, es kam doch kein Wagen

übers Moor, der so lustige und reizvolle Fracht trug wie der Rummelshöfer

am Novembertage.

»Warum kommen die Jungens gar nicht wieder?« fragte Fritzchen Tag für Tag

die Schwester. Die zuckte die Achseln. »Ich weiß nicht.« Aber sie hatte

dabei einen scharfen, unkindlichen Zug um den Mund, der von aufgeschnapptem

Mägdeklatsch herrührte.

Fritzchen sehnte sich nur, aber Gisa litt an der Vereinsamung ihres Hauses

als unter einer Schande.

»Warum kommen die Jungens gar nicht wieder?« fragte Fritzchen ihre Bonne,

fragte sie ihr Mädchen, das sie zu Bett brachte.

»Sie werden schon wiederkommen«, war die eine Auskunft. Sie ging von der

Bonne aus, die es sich gern bequem machte.

»Herr v. Zülchow ist bös mit Papa«, war die andere Auskunft.

»Warum ist er bös?«

»Na -- Papa ist doch manchmal grob und schimpft.«

»Ich will ihm sagen, daß er mit Herrn v. Zülchow wieder gut sein soll.«

»Das tu Du nur«, sagte das Mädchen und lachte.

Fritzchen hatte eine unruhige Nacht voll wilder Träume, ein paarmal wachte

sie auf, in Schweiß gebadet. Sie hatte mit Ungeheuern gekämpft, aber das

Ungeheuer hatte plötzlich Papas Gesicht gehabt.

Früh stand sie auf und zog sich an, schnell, schnell und im Dunkeln.

Draußen schneite es, und der Wind klapperte mit den Läden.

Die Bonne lag noch im Bett und schlief. Plötzlich fuhr sie auf. »Fritzchen

-- was willst Du?«

»Nichts.« Damit raffte sie das Kleidchen, das sie noch nicht angezogen

hatte, zusammen und huschte hinaus, es im Korridor anzuziehen.

Wie seltsam das Haus aussah zu dieser Zeit. Alle Türen standen auf, der

Wind fuhr klappernd durch die Gänge. Die Mägde liefen mit Besen und Eimern

herum, in den Öfen bullerte das Feuer, aber überall war es noch bitterkalt.

»Fritzchen! Was willst Du denn?« rief Jakob, der eben die geputzten Stiefel

des Herrn in dessen Schlafstube bringen wollte.

»Wacht Papa schon?«

»Jawohl. Aber er liegt noch im Bett und trinkt Kaffee.«

»Jakob, nimm mich mit 'rein!«

»Du bist jawoll -- was würde er da für Augen machen!«

»Laß ihn doch. Aber geh Du nur, ich komme schon mit.«

»Na, mir kann's ja egal sein.«

Dicht an die Beine des stämmigen Burschen geschmiegt, wie ein Mäuschen, das

sich unversehens mit einschleicht, drang der kleine Abenteurer ungekämmt,

mit hinten offenstehendem Kleidchen in das Zimmer ein. Der Papa saß

aufrecht im Bett, neben sich das Kaffeegerät und las die Zeitung. Er sah

gar nicht auf, bis ein winziges Geschöpf an seinem Bettrande auftauchte.

»Na nu!«

Er ließ die Zeitung fallen. Sein Gesicht erschien in dem Rahmen der weißen

Kissen noch röter als zuvor. »Was fällt Dir ein? Was willst Du hier? Ist

jemand krank?«

»Papa -- warum kommen die Jungens gar nicht wieder?«

»Welche Jungens?«

»Gregor und Hans Henning.«

»Teufel!« Er nahm die Zeitung wieder auf. »Was geht's mich an? Geh' raus!

-- Was geht's mich an, sage ich!« Er ließ das Blatt wieder sinken und

schrie das blasse kleine Gesicht wütend an.

Das blieb wie es war, wich und wankte nicht. »Du sollst gut sein mit Herrn

v. Zülchow. Die Jungens sollen wiederkommen. Du sollst's machen!«

»Was ist denn das für eine Verrücktheit! Jakob, schaff das Mädel fort! Was

sind denn das für neue Moden!«

Jakob grinste innerlich und auch ein bißchen äußerlich. Als er die kleine

Hand anfaßte, geschah es sehr behutsam, er zupfte auch nur, ein wenig

mahnend, in der Gegend nach der Tür zu.

»Du sollst's machen!« rief Fritzchen laut. Ihre Augen loderten, das ganze

eben noch blasse kleine Gesicht war von Glut überzogen.

»Du sollst gut sein! Die Jungens sollen wiederkommen!«

Da hatte Jakob sie glücklich bis an die Tür. »Papa! Du sollst's

machen!« Sie hob sich noch einmal auf die Zehen -- dann verschwand das

feuersprühende kleine Bild.

»Nee, sowas -- nee, sowas --« murmelte Herr v. Dörfflin. Er saß noch ein

Weilchen, wie er saß, aber er las keine Zeile mehr, und auch sein Kaffee

blieb stehen.

»Jakob, zum Donner, so gib mir doch endlich die Stiefel! Was wollte denn

das Balg? Wie kam's hier herein?«

»Ich weiß nicht, gnädiger Herr.«

»Ist sie denn ganz -- --«

Unter beständigem Brummen und mancher unwirschen Frage an Jakob, die der

stets mit Unwissenheit ablehnte, zog Herr v. Dörfflin sich an. Es war noch

viel zu früh für seine Gewohnheit. In seiner Stube scheuchte er die Mädchen

heraus, schloß die Fenster, in die der Schnee wehte, und im Schein der

Küchenlampe, die das Mädchen hatte stehen lassen, schrieb er auf ein

Notizblatt:

»Lieber Fritz, so komme doch endlich wieder und stelle Dich nicht an

wie eine alte Jungfer.

Fritzchen: Die Geschichte einer Einsamen · 第 3 / 15 题