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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1806 erschienenen Buchausgabe
so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung
und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend
korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente Schreibweisen wurden
beibehalten, insbesondere wenn diese in der damaligen Zeit üblich
waren oder im Text mehrfach auftreten.
Kursive Schrift ist mit _Unterstrichen_ gekennzeichnet; gesperrt
gedruckte Passagen sind von +Pluszeichen+ umgeben. Kapitälchen
werden in Großbuchstaben dargestellt.
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[Illustration: _v. Seelmann sc. Offenbach._]
ÜBER DIE
WEIBLICHEN BRÜSTE
VON
_DR. JOHANN GEORG KLEES._
[Illustration]
_Dritte vermehrte Auflage._
_Frankfurt a/m
in der Andreäischen Buchhandlung
1806._
ZUEIGNUNG.
Wie die Jungfrau sie hüte, die keuschen Quellen der Nahrung,
Wie die Mutter der Frucht spare den labenden Brunn,
Auch wie Sorgfalt erhöhe die züchtigen Reize des Busens,
Lehrt mit ärztlichem Ernst liebreich ermahnend mein Buch.
Freundlich weih’ ich’s dem Frauengeschlecht, ich weih’ es der Gattinn,
Und mit der Mutter zugleich der, die einst mütterlich liebt.
Blühet mir dann auf den Wangen nur eines lächelnden Säuglings
Hold entgegen mein Rath, acht’ ich mich trefflich belohnt.
Vorerinnerung.
Die Heilkunde, einer der erhabensten Gegenstände des menschlichen
Wissens, ist auf dem höhern Gipfel ihrer Vollkommenheit nur dazu
geeignet, alle in dem kranken Körper gegründeten Hindernisse des
Lebensgenusses, und den Tod selbst, welchen der Philosoph unter dem
Bilde des Schlafes, unter einer nichtsraubenden Formveränderung sich
denkt, so viel als es jenes unumstößliche Naturgesez erlaubt, weiter zu
entfernen.
Die Gesundheiterhaltungskunde, einer der verdienstlichsten Zweige
der allgemeinen Heilkunde, macht es uns zur Pflicht, den gebildeten
Nichtarzt über die Geschichte verschiedener Krankheiten, über die
Ursachen, wodurch gelegentlich sie entstehen, und über die Mittel, wie
sie sich vor ihnen am sichersten schüzzen könnten, zu belehren. Ein
billiges, vernünftiges, und folglich entscheidendes Urtheil über den
Arzt und seine Bestimmung können wir von der Welt nur dann erwarten,
wenn wir sie ohne Rükhalt mit den Gränzen unserer Wissenschaft, und mit
den Schwierigkeiten, welche bei der Heilung dieser oder jener Krankheit
eintreten, bekannt gemacht haben. Wollen wir die vielen, und mancherlei
schädlichen Vorurtheile in der Medizin, die nichts als Unheil
bringenden Marktschreier und den Einfluß ihrer Gewinnsucht auf den
Kranken bekämpfen, und ausrotten; so kann das nur durch Überzeugung,
durch eine lichtvolle Darstellung triftiger Gründe geschehen.
Unter diesen und ähnlichen Voraussezzungen, und weil ich wohl bemerkte,
daß auch das zweite Geschlecht mit Büchern über wissenschaftliche
Gegenstände sich beschäftigte, gab ich diesem vor einigen Jahren
meine kleine Abhandlung: „über die weiblichen Brüste,“ in die Hände,
mit dem einzigen Wunsche, zu nüzzen, und vielleicht etwas zu der
so folgereichen Erhaltung der Schönheit und Gesundheit des Busens,
was auf keine Weise gleichgültig seyn dürfte, beizutragen. Gegen
alle meine Erwartung häufig wurde das Buch gelesen, in vielen
öffentlichen Blättern empfohlen, und von allen Kunstrichtern, welche
ihm ihre Aufmerksamkeit schenkten, erhielt ich die schmeichelhaftesten
Versicherungen seiner Brauchbarkeit.
Von dieser Zeit an konnte es nur mein Bestreben seyn, jene Urtheile zu
rechtfertigen. Ich habe daher noch viele zu meinem Gegenstande gehörige
Bemerkungen und Erfahrungen gesammelt, und dadurch ist die gegenwärtige
dritte Auflage beträchtlich vermehrt worden. Ganz umgearbeitet und
vollständiger ist die Beschreibung des Baues und der Verrichtungen
der weiblichen Brüste in dem gesunden und kranken Zustande. Bei der
Lehre von der Behandlung derselben in dem Wochenbette, und von dem
Entwöhnen des Kindes, und von der Beschaffenheit der Milch ist vieles
neu hinzugekommen, so wie ich auch jezt erst einige Beobachtungen am
Krankenbette beifügte, und dadurch die Anwendung der allgemeinen Regeln
für bestimmte Fälle deutlicher zu machen hoffte. Eingestreuet habe ich
hier und da mehrere nicht medizinische Stellen und Vergleichungen,
um bei dem Lesen dem Ganzen mehr Unterhaltung zu verschaffen; und
wenn hin und wieder einige Paragraphen nicht allen Leserinnen ganz
verständlich wären, so dürfte das von Kunstverwandten mit der Forderung
von Vollständigkeit entschuldigt werden, so wie ich mir in Absicht auf
die Deutlichkeit des Vortrags manche Wiederholung gestatten mußte.
Vielen der bewährtesten Schriftsteller unserer Zeit, und einigen
meiner Vorgänger in demselben Fache, dankbar bekenne ich es, bin ich
in diesem Buche gefolgt; ich habe ihren nuzzenreichen Lehren dadurch
einen veränderten, vielleicht einen ausgebreitetern Wirkungskreis zu
geben gesucht.
Möchten meine Leser diese erneuerte Bearbeitung eines so wichtigen
Gegenstandes aus der populären Arzneikunde eben so gütig aufnehmen, als
die vorigen!
Frankfurt
im Januar 1806.
Der Verfasser.
Inhalt.
I. Bau und Nuzzen der Brüste.
§. 1. und 2. Einleitung.
3. Lage der Brüste.
4. Zahl der Brüste.
5. Hof.
6. Warze.
7. Hautbedekkung.
8. Drüse.
9. Pulsadern, Blutadern, Nerven und absorbirende Gefäße.
10. Wachsthum der Brüste.
11. Mitleidenschaft derselben.
12. Milchbereitung.
13. Milch.
14. Beschaffenheit derselben.
15. Veränderung der Milch.
16. Anwendung dieser Beobachtungen auf die Heilkunde.
II. Krankhafte Erscheinungen bei dem Bau und den Verrichtungen der
Brüste.
§. 17. und 18. Verschiedenheit in der Form der weiblichen Brüste.
19. und 20. Besondere Abweichungen von dem gewöhnlichen Baue.
21. Fehler der Brustwarze.
22. Milch bei Männern.
23. Fehler in der Milch und deren Bereitung.
III. Sorgfalt für die Brüste, vor und in den Jahren der Mannbarkeit,
und in dem nichtschwangern Zustande.
§. 24. und 25. Schönheit der weiblichen Brüste.
26. und 27. Diätetik im Allgemeinen.
28. Ueble Haltung. Leidenschaften.
29. Onanie.
30. Beförderung der Reinlichkeit. Waschwasser.
31. Sommerflekken.
32. Schminkeverunreinigung.
33. Bedekkung des Busens.
34. Entblößen desselben.
35. Besondere Gewohnheiten dabei.
36. Einfluß der Schnürbrüste auf den Busen.
37. Nachtheile derselben im Allgemeinen.
38. Vorzüge der modernen Kleidertracht.
39. Möglicher Mißbrauch derselben.
IV. Sorge für die Brüste während der Schwangerschaft.
§. 40. Erscheinungen an den Brüsten zu dieser Zeit.
41. Vorbereitungen der Warzen zu dem Stillen.
42. Warzenhüte.
43. Ringe von Federharz.
44. Abhärtung der Warzen.
45. Krankhafter Zufluß der Milch nach den Brüsten.
46. Wundwerden der Brüste.
47. Ausschlag an denselben.
V. Die Brüste nach der Entbindung.
§. 48. Eintritt der Milch in dieselben.
49. Milchfieber, Anlegen des Kindes.
50. Verhalten in dem Wochenbette.
51. Insbesondere bei dem Stillen.
52. Aufgesogene Warzen.
53. Heilmittel dagegen.
54. Milchausziehen.
55. Entwöhnen.
VI. Entzündung und Eiterung der Brüste.
§. 56. Ursachen dazu und Verhütung derselben.
57. Heilmittel der Entzündung in geringerm Grade.
58. Höherer Entzündungsgrad.
59. Eiterung.
60. Breiumschläge.
61. Freiwillige Oeffnung des Abszesses.
62. Künstliche Oeffnung desselben.
63. Verband.
64. Ueberbliebene Verhärtungen.
65. Einige Rüksichten bei der Behandlung der Entzündung.
VII. Selbststillen.
§. 66. und 67. Empfehlung desselben.
68. Vortheile des Selbststillens.
69. Seltene Beispiele von Säugenden.
70. und 71. Fälle, wo das Säugen nicht geschehen kann und darf.
72. Vertreiben der Milch.
VIII. Säugammen.
§. 73. Bestimmung und Wahl derselben.
74. Ihre Verhaltungsregeln.
75. Beispiele besonderer Ernährungsweisen der Kinder.
IX. Ernährung des Kindes mit Thiermilch.
§. 76. Vorzüge derselben in einzelnen Fällen.
77. Saugflaschen.
78. Schikliche Nahrungsmittel für Kinder.
79. Einige Regeln für die erste physische Erziehung.
X. Brustkrebs.
§. 80. Beschreibung der Krankheit.
81. Ursachen derselben.
82. Besondere Zufälle.
83. Nichtkrebsartige Geschwülste der Brüste.
84. Heilmittel.
85. Operazion.
86. Palliativmittel.
87. Vorurtheile und Charlatanerien in der Kur des Brustkrebses.
88. Schlußbemerkung.
XI. Beobachtungen.
§. 89. Mangel an Milch.
90. 91. und 92. Vereiterung der Brüste.
93. Eiterung der Brust während der Schwangerschaft.
94. Milchknoten.
95. Eiterung der Brust.
96. Wunde Brustwarzen.
97. Scirrhus.
Dr. Johann Georg Klees
über die
weiblichen Brüste.
I.
Bau und Nuzzen der Brüste.
Sous un cou blanc, qui fait honte à l’albâtre,
Sont deux tetons séparés, faits au tour,
Allans, venans, arrondis par l’amour,
Leur boutonnet a la couleur des roses.
VOLTAIRE.
§. 1.
Einleitung.
Vermehrung und Fortpflanzung des Menschen, dieser höchste Zwek der
Natur, hängt von der Vereinigung beider Geschlechter ab, von dem
Manne und dem Weibe. Unter ihnen ist das leztere, als der edlere und
vorzüglichere Theil, dazu bestimmt, daß aus seinen Eierstökken ein
neuer Mensch zu seiner Wirklichkeit hervorgerufen werden, in der
Gebärmutter bis zu der vierzigsten Woche wachsen, und nach dieser Zeit
durch die Geburt unter die Zahl der übrigen Weltbürger gesezt werden
soll.
Was in dem Innern eines Geschöpfes vorgehe, wann es sich der
mächtigsten aller Regungen überlassen hat, und nun von einem zweiten
befruchtet einem dritten das Leben giebt, -- diese Frage hat allgemein
und zu allen Zeiten die heiße Neugierde des Menschen gereizt, und
in den Versuchen, dieses große Problem zu lösen, ist kein Zugang
unbetreten geblieben, wenn man nur irgend wähnen konnte, daß er
zu einem Aufschluß hierüber führen werde. Und doch dürfen wir uns
keineswegs rühmen, jene Geheimnisse entschleiert zu haben. Einstweilen
kommen die meisten Naturforscher darinnen überein, daß in dem vorher
rohen ungebildeten Zeugungsstoff der organisirten Körper, nachdem er
zu seiner Reife und an den Ort seiner Bestimmung gelangt ist, ein
besonderer, dann lebenslang thätiger Trieb rege wird, ihre bestimmte
Gestalt anfangs anzunehmen, dann immer zu erhalten, und wenn sie ja
etwa verstümmelt worden, wo möglich wieder herzustellen. BLUMENBACH,
der diese Theorie lehrte, nennt jene Lebenskraft den Bildungstrieb,
und es läßt sich eben so wenig sein Daseyn, als seine Wirksamkeit in
der belebten Schöpfung verkennen.
§. 2.
Mannichfaltig und in dem höchsten Grade zwekmäßig sind alle
jene Theile, welche das weibliche Geschlecht von dem männlichen
unterscheiden, und welche mehr oder weniger auf das Zeugungsgeschäfte
Bezug haben. Eines der wichtigsten Glieder in der Reihe von Körpern,
welche dem Frauenzimmer ausschließungsweise zugehören, besezzen die
Brüste (mammae), jene beiden drüsigten Körper, in welchen die Milch,
die erste Nahrung des neugebohrnen Kindes, zubereitet wird.
§. 3.
Lage der Brüste.
An dem mittlern und erhabensten Theil der vordern Fläche der Brust,
gleich über dem großen Brustmuskel einer jeden Seite, findet man bei
dem schönen Geschlechte, nach Erreichung der mannbaren Jahre bis in
das Alter, zwei halbrunde Erhabenheiten, auf jeder Seite eine, welche
etwas hart anzufühlen und beweglich sind. Ihr äußerster Umfang erstrekt
sich der Länge nach von der Gegend des untern Randes der zweiten bis
ohngefähr zur fünften wahren Rippe, der Queere nach aber nehmen sie
den ganzen Raum zwischen dem Armgelenk und dem Brustbein ein. Bei
Kindern beiderlei Geschlechts findet man selbst nicht den geringsten
Unterschied in den Brüsten; bei erwachsenen Mannspersonen bleiben sie
klein und flach, und bei dem erwachsenen Mädchen nehmen sie die Form
eines größern oder kleinern Abschnitts einer Kugel an; mehrentheils
sind sie halbrund. Im unverdorbenen, jungfräulichen Zustande äußern sie
das Gefühl von Völle, Elastizität und Festigkeit.
§. 4.
Zahl der Brüste.
Alle lebendig gebährende Thiere, mit warmem Blute und mit Wirbelbeinen
versehen, haben Brüste. Ihre Anzahl ist verschieden; nur der Mensch
und wenige Thiere haben zwei, die meisten deren vier, zehen bis zwölf.
Bei einigen Thieren liegen sie an der Brust, bei andern an dem Bauch
und in der Inguinalgegend oder an beiden zugleich. Bei Männern finden
wir eben so viel als bei Weibern; sie sind weniger erhaben, breiter
und niedergedrükt, mit kleinern Drüsen versehen. Dem Weibe bestimmte
die Natur die Brüste an den Thorax: daher sind seine Schlüsselbeine
weniger gebogen, und seine obersten Rippen erhabener und breiter.
Gemächlichkeit und Schönheit sind bei der Lage der weiblichen Brüste
vereinigt. Die Nothwendigkeit erforderte deren zwei, weil nicht nur
Zwillinge zuweilen gesäugt werden mußten, sondern damit auch bei
Krankheiten und Verderbnissen der Brüste wenigstens +eine+ noch gesund
und brauchbar bliebe. Wenn das Kind beständig auf einer Seite nur
gesäugt werden sollte, so waren bei den biegsamen Kopfknochen desselben
mancherlei Ungestaltheiten zu befürchten. Ich selbst erinnere mich
eines Beispiels, wo zufällig ein Knabe von seiner zärtlichen Mutter nur
aus +einer+ Brust zu trinken bekam. Er trug einen schiefen Hinterkopf
davon.
§. 5.
Der Hof.
Als halbkugelrunde Körper haben die Brüste zwei verschiedene Flächen,
deren die vorwärts gekehrte rund erhaben, und in der Mitte mit einer
Warze, welche ein Hof oder Ringel umgiebt, versehen ist; dahingegen
die hintere flach und selbst etwas ausgehöhlt ist, und auf dem großen
Brustmuskel anliegt, mit welchem sie auch vermittelst des Zellgewebes
verwachsen ist. Der Hof, Kreis oder Ringel (areola) ist in der
Jugend bei der Jungfer rosenroth, mit zunehmenden Jahren wird er
gelbbräunlich von Farbe. Wenn wir indessen hierinnen nicht selten eine
Verschiedenheit bemerken, so beruht dieselbe auf der verschiedenen
Farbe der Haare und der Konstituzion des Frauenzimmers. Die Substanz
des Hofes ist weich, zellulös und mit einer sehr dünnen Haut umgeben.
In der ganzen Fläche derselben sind eine große Menge kleiner Drüsen
von dem einfachsten Bau zerstreut anzutreffen, welche eine Fettigkeit
hergeben, die zur Verhütung und Linderung derer vom starken und langen
Säugen der Kinder an der Warze leicht entstehenden Schmerzen sehr
dienlich ist.
§. 6.
Die Warze.
Mitten in diesem bräunlichen Ringel befindet sich die Brustwarze
(papilla). Man theilt sie in das Grundstük und die Spizze. Mit jenem
erhebt sie sich etwas breit, diese ist etwas aufwärts gerichtet. Beide
Warzen liegen nicht völlig in der Mitte beider Brüste, sondern etwas
mehr nach außen zu, so daß die der rechten rechts, und die der linken
links zu stehen kommt. Die Haut, welche die ganze erhabene Fläche der
Brüste überzieht, und auch den flächern Warzenkreis bedekt, zieht
sich in dessen Mitte um die vollrunde Erhabenheit der Warze zusammen,
runzelt gleichsam in ein dichteres Gewebe ein, und bekommt eine andre
Farbe. Man trifft auch in der Warze solche einfachen Fettdrüsen an,
welche mit denen des Hofs einerlei Nuzzen haben. Die innere Höhle
der Warzen ist mit vielem elastischen Zellgewebe angefüllt, welches
die Milchkanäle umgiebt. Die darinnen befindlichen Nerven und
Blutgefäße sind sämmtlich von ansehnlicher Größe. Aus allem diesem
zusammengenommen läßt sich die bekannte Erscheinung des Steifwerdens
der Warzen bei einer wollüstigen Empfindung oder bei einem von außen
angebrachten Reiz, z. B. dem Reiben mit dem Finger, sehr leicht
erklären, indem sich alsdann das Blut hier anhäuft und aufhält. Bei
Jungfern und Nichtschwangern sind die Warzen gewöhnlich klein und
gedrükt; bei Säugenden und Schwangern hingegen größer, höher und
weicher. In ihnen öffnen sich die Milchgänge, welche nach deren Spizzen
hinlaufen.
§. 7.
Die Hautbedekkung.
Die allgemeine Hautbedekkung der Brüste richtet sich in der Farbe nach
der der Haare. Bei Blonden ist sie weiß, fein und zart, so daß das
darunter liegende Adergewebe bläulich durchschimmert; bei Brünetten
bemerkt man alles dieses weniger. Die Haut ist elastisch und einer
großen Ausdehnung fähig, obwohl sie sich nachher nicht leicht wieder
in demselben Grade zusammenzieht. Unter der äußern Haut der Brüste
trifft man eine Lage von Fett an, welche die zweite Bedekkung der
Milchdrüsen ausmacht. Der drüsigte Theil der Brust nämlich liegt
eigentlich zwischen zwei Fettlagen. Die äußere Lage stellt sich in
vielen kleinen Klumpen dar, begleitet die Milchleiter, und sezt sich
zwischen die Milchdrüsen. Sie macht die Größe und Erhabenheit der Brust
aus. Vermittelst ihrer erheben und verschönern sich die Brüste in den
ersten Jahren der Mannbarkeit, und der Mangel dieses sich verzehrenden
Fettes ist es, welcher bei alten Weibspersonen die Brüste hängend und
schlaff macht. Die zweite Fettlage, womit die Brustdrüsen auf der den
Rippen zugekehrten Seite bedekt sind, macht nur ein zähes Gewebe aus,
vermöge dessen die Brüste auf dem großen Brustmuskel angewachsen sind,
und in welchem die Wassergefäße laufen. Der Hof und die Warzen sind
größtentheils von diesem Fette entblöst.
§. 8.
Die Drüse.
Was demnach die eigentliche Substanz der Brüste ausmacht, sind die
sogenannten Milchdrüsen. Jene verschiedentlich gebauten Organe unsers
Körpers, welche zu Absonderungen gewisser Feuchtigkeiten, wie z. B.
des Speichels, dienen, nennen wir Drüsen. Sie bestehen aus einem
innigen Gewebe einer zahlreichen Menge von Gefäßen, welche durch dichte
Fasern miteinander verbunden sind, zum Theil ineinander übergehen, und
mannichfaltige Richtungen und Krümmungen annehmen. Sie endigen sich
sodann in einen oder mehrere Ausführungsgänge.
Die Brustdrüse selbst ist verschieden bei den Mädchen und bei der
Milchabsonderung, und hier den Speicheldrüsen ähnlich. Ihre vordere
Fläche ist ungleich, konvex, die untere hingegen flacher, konkav.
Ihr Umfang ist elliptisch. Sie enthält verschiedene Gruben und
Einbiegungen, und ist in mehrere, durch Zellgewebe zusammenhängende,
Stükke, in kleine Lappen abgetheilt. Ihr äußerer und oberer Rand ist
dünner als der hintere und untere.
Die Milchgänge nehmen in unzähliger Menge ihren Ursprung aus dieser
Drüse, laufen allmählig in größere Zweige zusammen bis in die Warzen,
ohne deßwegen Anastomosen oder Verbindungen unter sich einzugehen,
wohl aber werden sie in ihrem Verlaufe einmal weiter und bilden kleine
Säkke. Ohne die Anzahl der leztern genau bestimmen zu können, nahm man
im Durchschnitt deren funfzehn bis siebenzehn an. Alle jene Milchgefäße
laufen also von dem Mittelpunkt der Brüste nach deren Umkreis
übereinander weg, so daß der größte Theil der von einem Milchleiter
abstammenden Gefäße beieinander bleibt. Alle diese Milchgefäße stellen
gleichsam lauter kleine, auf verschiedene Art zusammengehäufte
Därmchen vor. Gewöhnlich sind sie zusammengefallen und geschlossen, bis
sie durch den innern Andrang von Milch, und durch den Reiz, den das
säugende Kind macht, sich öffnen und den abgeschiedenen Nahrungssaft
hergeben.
Man hat bei Leichnamen in jeden ausführenden Milchgang nahe bei der
Spizze der Brustwarze kleine Röhren eingebracht, durch welche man
eine jegliche mit einer Materie von besonderer Farbe, mit roth, gelb
oder braun gefärbtem Wachse aussprizte, und gefunden, daß sich diese
Farben nirgends untereinander vermischt haben. Daraus folgt, daß die
weibliche Brust aus so vielen Drüsen zusammengesezt sey, als abführende
Milchgänge in die Brustwarze sich öffnen. Alle diese Drüsen sind durch
ein kurzes, zähes, zaserichtes Gewebe ineinander verwachsen. Deßwegen
kann auch ein Kind an einer Brust noch saugen, in welcher schon der
eine oder andere Milchkanal verstopft ist. Die noch offenen Kanäle sind
hinlänglich, die Begierde des Kindes zu sättigen.
§. 9.
Arterien, Venen, Nerven und absorbirende Gefäße der Brüste.
Zu ihrer Ernährung besizzen außerdem die Brüste noch eigenthümliche
Puls- und Blutadern. Durch jene wird das Blut in dieselben
hineingeleitet, durch diese zurükgeführt. Ursprünglich aus dem Herzen
durchströmt das Blut in einem gewissen Zeitraum unsern ganzen Körper,
kommt in jeden lebenden, ernährten Theil, und von da wieder in das Herz
zurük. Endlich haben die Brüste noch eine Menge Nerven, die Werkzeuge
der Empfindung in dem menschlichen Körper. Besonders reichlich sind
damit die Warzen versehen, und hierinnen liegt der Grund, warum manche
Mütter bei dem Säugen der Kinder einen hohen Grad von angenehmer, oft
wollüstiger Empfindung haben. Von Pulsadern, welche zu der Brust gehen,
entdekt die Anatomie hauptsächlich vier Stämme, die +subclavia+ und
deren Fortsezzung, die +axillaris+, +mammaria+ und die +intercostales+.
Die Blutadern, deren Verästelungen man in den von Milch aufgetriebenen
Brüsten schon sieht, begleiten überall die Schlagadern, und laufen
endlich in die +vena mammaria interna+, in die +vena thoracica
externa+ und in die +intercostales+ zusammen. Die Nerven der Brüste
entstehen von dem +Interkostal+- oder Rükkennerven, und dann von den
+Cervikalnerven+. Man theilt sie in die Nerven der Drüse, und die der
Haut. Die lymphatischen Gefäße der Brüste haben zwei Plexus, den äußern
und den innern. Sie nehmen sowohl aus den Milchkanälen selbst, als aus
dem Zellgewebe ihren Ursprung. Daher bei Entwöhnenden die schnelle
Vertreibung der Milch. Sie dienen dazu, diese Feuchtigkeit einzusaugen
und dem Blute wieder beizumischen, und zwar nicht allein durch den
+ductus thoracicus+, sondern auch durch die benachbarten Blutadern. Sie
vertheilen sich unter die Drüsen der Achselgrube und in die großen Arm-
und Halsblutadern. Wenn Säugende ihre Kinder absezzen, so fühlt man oft
die Achseldrüsen, zu denen die hier beschriebenen absorbirenden Gefäße
hinlaufen, geschwollen und schmerzhaft.
§. 10.
Wachsthum der Brüste.
Zu der Zeit der Mannbarkeit ist das weibliche Geschlecht gewissen
Veränderungen in dem Körper unterworfen. Die Brüste fangen an zu
wachsen. Die monatliche Reinigung stellt sich ein. Dieses ist ein
alle vier Wochen entstehender natürlicher Blutfluß aus den weiblichen
Geburtstheilen, welcher einige Tage dauert, und von selbst wieder
aufhört. Ohne ihn kann die Gesundheit des Weibes nicht bestehen. Auf
diese Naturerscheinungen hat das Klima großen Einfluß. In wärmern
Gegenden ereignen sie sich ungleich früher als in kältern und
gemäßigten. Bei uns fällt dieser Zeitpunkt in das vierzehnte Jahr,
doch leidet es seine vielfältigen Ausnahmen. Das männliche Geschlecht
kommt im Allgemeinen später zur Reife. Überhaupt liefern die Organe der
weiblichen Brüste zu verschiedenen Zeiten verschiedene Phänomene. Bei
neugebohrnen Kindern sind sie ein wenig geschwollen und weich, und bei
dem Druk ergießt sich ein wenig Lymphe. Zur Zeit der Mannbarkeit bei
dem Erscheinen des Monatlichen erwachen sie gewissermaßen aus ihrem
Schlafe: sie fangen an zu leben; es entsteht mehr Blutzufluß, sie
werden fetter, härter, wachsen in ihrer ganzen Substanz und formiren
die Halbrunde. Von nun an sezerniren sie noch nicht, die Warze ist
niedergedrükt, rosenroth. Zur Zeit der Schwangerschaft schwellen
sie noch mehr und schmerzen. Nach der Geburt wird die Milch erst
abgesondert; die bisher zusammengefallenen Milchgefäße erheben sich von
dem Saugen an der Warze. Sie sehen nicht mehr knorpelweiß, blauweiß und
glatt aus, sondern sie werden körnigt und uneben. Bei der Entwöhnung
kommen sie wieder zur Ruhe bis zu einer neuen Schwangerschaft. Bei dem
Aufhören des Monatlichen werden die Brüste ihrer Reizbarkeit beraubt,
sie werden magerer, runzlicht, sie verwelken. Die Brüste durchgehen
demnach ihr eignes Leben.
§. 11.
Mitleidenschaft.
Zwischen der Gebärmutter und den Brüsten herrscht eine beständige
Mitleidenschaft. Ohne die Wege, welche zwischen beiden Organen Statt
haben, anatomisch genau angeben zu können, so zeigt doch die Natur
jedem Beobachter zu allen Zeiten jenen Consensus unverkennbar. Man
betrachte den Wachsthum der Brüste bei jungen Mädchen, wenn ihre
Mannbarkeit eintritt. Man berühre diese Zeugen ihrer Fähigkeit, und
frage sie dann, oder beobachte sie doch wenigstens, ob nicht der Siz
des Begehrens mitfühlt. Man bemerke die Veränderung desselben um die
Reinigungsperiode, bei dem Anfang und Fortgang der Schwangerschaft. Man
beobachte, wie das Saugen eines Kindes die Nachwehen und den Abgang
der Kindbettreinigung vermehrt, oder wie ein trokkener Schröpfkopf auf
der Brust einen Mutterblutsturz anhält. Man erinnere sich, daß die
Brüste welk werden, wenn das Kind in der Gebärmutter abstirbt; wie
die Milch der Weiber und der Thiere sich abändert, wenn wieder eine
Schwangerschaft eintritt; wie die Menstrua der Weiber so spät nach dem
Wochenbette erscheinen, wenn die Brüste häufig und lang ausgesogen
wurden; wie die Brüste aussehen, wenn die Weiber ihre Reinigung
verlieren; und wie gern endlich zu eben dieser Zeit die Gebrechen der
Gebärmutter sich den Brüsten mittheilen: -- und man wird nach allem
diesem um Beweise für eine Mitleidenschaft zwischen beiden Organen
nicht verlegen seyn.
§. 12.
Milchbereitung.
In diesen eben beschriebenen Organen wird also die Milch bei dem Weibe,
kurze Zeit nach der Entbindung zubereitet oder abgesondert. Die
Hilfsmittel, wodurch dieses geschieht, sind die eigens ihnen von der
Natur zu diesem Geschäfte verliehenen Kräfte. Die mancherlei Winkel
der Gefäße, die Verschiedenheit ihrer Durchmesser, der Dichtheit ihrer
Membrane, der Reizbarkeit, ein Anziehungsvermögen ähnlicher Theile,
dienen alle zu diesem Endzwek. Die Quelle, aus welcher die Milch
entspringt, ist das Blut, in ihm ist der Stoff dazu enthalten. Ganz
neuerlich hat man in der Physiologie die Meinung aufgestellt, daß der
Speisesaft vor seiner gänzlichen Verähnlichung mit dem Blute in die
Brüste abgesezt und ausgeschieden werde.
§. 13.
Die Milch.
Diese Milch ist die erste Nahrung des Menschen; durch nichts würde
diese Absicht auch besser erfüllet werden. Sie besteht aus einem
käsichten, ölichten und wässerichten Theile, nämlich dem Käse, dem Rahm
und der Molke. Sie hat einen süßen Geschmak und bildet eine blaulichte,
bewegliche Dekke, wenn sie einige Zeit gestanden hat. Durch die
Beimischung von Säuren gerinnt sie nicht wie die Kuh- oder eine andre
Milch, wenigstens bei weitem nicht so schnell und so vollkommen. Die
gute fette Muttermilch bekommt immer einen hellgelben Rahm und dieses
ist daher wirklich ein wahres Zeichen einer guten Milch. Unter allen
Milcharten ist die vorzüglichste in jeder Hinsicht die Frauenmilch. Sie
enthält am wenigsten des käsichten Bestandtheils. Ihr am nächsten kömmt
die Eselinnenmilch.
§. 14.
Beschaffenheit derselben.
Kupferne Geschirre befördern das Gerinnen der Kuhmilch. Mit einem
Vergrößerungsglase untersucht, nimmt man in derselben eine Menge
ungleich geformter Kügelchen wahr, deren größere Beweglichkeit
vorzüglich davon abhängt, ob die Milch frischer ist, oder schon lange
gemolken wurde. Die Molken enthalten ein unter dem Namen Milchzukker
bekanntes Salz. Das destillirte Milchwasser verhält sich nicht gerade
wie einfaches destillirtes Wasser; sein Geruch und Geschmak, und die
Leichtigkeit, mit der es sich verändert, zeigen hinlänglich, daß
dasselbe mehrere andere Körper aufgelößt enthalte. Das Residuum der
Milch nach abgezogenem Milchwasser giebt, auf freiem Feuer behandelt,
eine klare und sehr durchsichtige Feuchtigkeit, und bei fortgesezter
Destillazion erhält man etwas Öl, kohlensauern Ammoniak, und am Ende
brennbares Gas. Der Rest ist eine schwammigt ausgedehnte Kohlenmasse,
welche sich sehr schwer einäschern läßt. Die Asche davon färbt den
Veilchensyrup grün, und mit der Schwefelsäure vermischt, entstehen
salzsaure Dämpfe. Der Rahm sondert sich am besten und vollkommensten
ab in weiten und offenen Gefäßen, bei vollkommener Ruhe, und in
einer mäßig warmen Temperatur. Der Rahm existirt schon in der Milch,
so bald sie aus dem Euter des Thiers ausfließt. Eben so ist die
Butter, ganz wie sie ist, in dem Rahm gebildet, und nach allen ihren
Eigenschaften, welche man kennt, enthalten. Die Butter bedarf weder
zu ihrer Konkreszibilität, noch zu ihrer mehr oder weniger gelben
Farbe eines neuen Zutritts des Oxygens. Das Stoßen ist daher auch
das alleinige Mittel zur Bereitung derselben. Die Jahreszeiten, die
Natur der Nahrungsmittel und der physische Stand des Thiers haben
auf die Eigenschaft und die Farbe der Butter den größten Einfluß.
Die Häutchen, welche sich immer bei der abgerahmten Milch bilden,
wenn man sie erwärmt, verdanken ihre Entstehung zunächst dem Zutritt
der atmosphärischen Luft. Sie verhalten sich chemisch gerade wie der
käsichte Theil der Milch. Die erste bald nach der Geburt aus den
Brüsten abfließende Milch oder das sogenannte Kolostrum ist in Rüksicht
der Butter, des Rahms und des käsichten Theils von der ordinären Milch
wesentlich unterschieden. Auf ein Pfund Kolostrum kann man füglich
anderthalb Unzen Butter rechnen, und gerade von dieser großen Menge an
fettiger Substanz hängt seine Eigenschaft ab zu laxiren und bei den
Neugebohrnen das Kindspech fortzuschaffen.
§. 15.
Veränderung der Milch.
Die Bestandtheile der Milch von verschiedenen Thieren richten sich
nach dem Futter, welches das Thier genießt. Die Milch einer Kuh,
die ein wässerichtes Gras frißt, hat wenig Käse. Vom Genusse des
Bitterklees (+trifolium pratense+), des wilden Knoblauchs (+allium
latifolium palustre+), der Münze, (+mentha sylvestr.+), des wilden
Senfs (+thlaspi+), und des Liebstökkels (+ligusticum+) bekommt die
Milch einen bittern Geschmak. Die Butter in Neuyork schmekt nach
Zwiebeln, weil man den Knoblauch von den Feldern nicht ausrottet,
welches die Fütterung verdirbt. Eine Art Saudistel (+sonchus+) soll den
Geschmak der Rennthiermilch verderben. Auch sollen die schirmtragenden
Pflanzen den Geschmak der Milch verändern. Die Milch der Kühe, welche
+Wolfsmilch+ gefressen haben, erregt Brechen und Durchfälle. Auch
nach der +Gratiola+ soll sie eine purgirende Eigenschaft bekommen.
Die Milch der Kühe, welche mit +Färberröthe+ gefüttert wurden, bekam
eine rothe Farbe; eben diese Wirkung soll der Genuß der +Opuntia+
haben. Der Safran soll sie gelb, der Indigo sie blau färben. Nach
bloßen Pflanzenspeisen ist die Milch der Amme sehr zur Säure geneigt,
nach bloßen Fleischspeisen wird sie gar nicht sauer. Kranke wollen
es sogar am Geschmak der Eselinnenmilch haben merken können, ob das
Thier gehörig gestriegelt war oder nicht. Die Milch der Eselin, die
auf einem offenen Plaz weidete, erregte dem Kranken immer Passion,
wenn sie von dem Knaben genekt war. Wenn Säuglinge das Wechselfieber
haben, so giebt man der Amme die Fieberrinde, um das Fieber des Kindes
zu heilen. Beischlaf, Geilheit und die monatliche Periode verderben
die Milch der Ammen. Purgirmittel, die die Amme nimmt, laxiren das
Kind mit, oft das Kind allein. Diätfehler der Mutter wirken auf das
Kind, es bekommt leicht Windkoliken, wenn sie Kohl, Hülsenfrüchte und
andere blähende Speisen gegessen hat. Ein Rausch der Amme in starken
geistigen Getränken soll dem Kinde Konvulsionen zugezogen haben.
Heftige Leidenschaften der Amme, Zorn, Ärger, Indignation, können ihre
Milch so verändern, daß sie wie ein Gift wirkt, Erbrechen, Durchfall,
Konvulsionen, Epilepsie und den Tod erregt.
§. 16.
Anwendung dieser Beobachtungen in der Heilkunde.
Auf diesen Erfahrungen, daß die Nahrungsmittel des Thiers die Natur der
Milch verändern, beruht der Vorschlag der Ärzte, ihr absichtlich eine
arzneiliche Kraft mitzutheilen. Besonders hat man zu diesem Behuf die
Ziegen vorgeschlagen, die am leichtesten ein Futter von verschiedener
Art fressen. GALEN rühmte vorzüglich die gesunde Milch zu +Stabiae+,
einer Stadt in Kampanien, weil die Wiesen daselbst viele gute Kräuter
trugen, RÖSNER empfiehlt gegen die Wassersucht die Milch der Kühe,
die mit Mauerkraut (+parietaria+) gefüttert sind. Bei der englischen
Krankheit der Kinder soll man ihnen die Milch von Thieren geben, die
+Färberröthe+ unter dem Futter bekommen; bei der Hämorrhoidalkrankheit
soll man die Milch von Thieren trinken lassen, die mit der Steinnessel
(+urtica minor+), bei der Verstopfung von Thieren, die mit Salat und
Portulak gefüttert sind.
II.
Krankhafte Erscheinungen bei dem Bau und den Verrichtungen der Brüste.
§. 17.
Verschiedenheit in der Form der weiblichen Brüste.
Die Lage der Brüste, ihre geringere oder stärkere Entfernung von
einander richten sich theils nach der Größe derselben selbst, theils
nach der Beschaffenheit des Brustgewölbes, theils auch nach dem Drukke
der Kleidungsstükke, mit welchen man im frühern Alter die Brüste
bedekte. Kleine Brüste stehen oft weit voneinander ab, besonders bei
hageren, schlanken Personen; da hingegen kurze, untersezte Weiber oft
starke, auffallend mehr zusammenstehende große Brüste haben. Blonde
und gelbhaarige Mädchen haben feine, zarte und schöne weiße Brüste;
Brünetten und schwarzhaarige aber weniger weiße. Bei jenen zeigen sich
daher auch die blauen Adern stärker und häufiger, als bei diesen.
Eine gelbliche oder bei Brünetten braunere Farbe bekommen die Brüste
oft nach vielem Stillen, im Ganzen oder nur an einigen Stellen. Bei
Weibern, welche sich viel der Sonne aussezzen, findet man oft ihre
obere Hälfte davon braun gefärbt. Wenn ein reizbares Frauenzimmer von
Schaam durchdrungen wird, so bekommen ihre Brüste so gut als ihre
Wangen die Schaamröthe. Es giebt viele Männer, besonders braune,
schwarzhaarige, welche Haare auf der Brust haben. An dem weiblichen
Busen finden sie sich selten, nur einzeln aber stark, und auch nur bei
Brünetten. Wenn eine Frauensperson eine sehr große Brust hat, so ist
daraus noch nicht zu folgern, daß sie auch sehr viel Milch absondern
kann; denn manchmal ist es blos die Menge des Fettes, was den großen
Umfang macht. Es kann eine ganz kleine Brust doch genugsam Milch zur
Stillung eines Kindes hergeben. Mittelmäßig große Brüste sind in dieser
Rüksicht die vorzüglichsten. Bei gleichförmig ausgedehnten Brüsten sind
die Warzen gerade nach vorne, bei andern mehr voneinander entfernten
aber nach dem Arm oder der Seite hin gerichtet. Plattgedrükte Brüste
sind immer eine Folge von engen Kleidern, Schnürbrüsten u. dgl. Nach
oft wiederholtem Stillen wird der Busen welk, runzelicht und hängend.
Eben so nach langdauernden, abmagernden Krankheiten und im hohen Alter.
§. 18.
Gestörte Organisazion der Brust, wie z. B. nach Eitergeschwüren,
welche in der Schwangerschaft oder dem Wochenbette geöffnet werden
mußten, oder von selbst aufbrachen, geschehen kann, hat eine ungleiche
Milchbereitung zur Folge. In der einen Brust wird eine gute, süße,
in der andern aber eine bittere, säuerliche oder wässerichte Milch
abgesondert. Durch alle folgenden Wochenbette erhält sich alsdann gern
die Milch so ungleich, so daß die Säuglinge sie nicht gerne nehmen
wollen. Die Farbe der Warzen und ihres Hofs ist in verschiedenen
Subjekten sehr verschieden. Bei Blondinen finden sich gewöhnlich
diese Theile rosenroth, bei Brünetten dunkler, braunroth. Diese Farbe
bleibt entweder die ganze Schwangerschaft hindurch oder sie wird noch
mehr erhöhet, selten aber blässer, als sie außer der Schwangerschaft
war. Zuweilen ist der Hof groß, zuweilen klein, und so daß er
ganz zu mangeln scheint; einmal sind kleine Runzeln, ein andermal
hervorstehende Wärzchen darauf zu bemerken. Mancher Hof hat einen ganz
bestimmt gezeichneten Umfang, ein anderer verliert sich der Farbe nach
ganz unvermerkt in die übrige Haut. Nicht immer steht die Größe der
Warzen im Verhältniß mit der Größe der Brüste. Eine große Brust kann
eine kleine Warze, und umgekehrt eine kleine Brust eine große Warze
haben. Zufälligerweise sind die Warzen bald kürzer, bald länger, bald
breiter u. s. w.
§. 19.
Besondere Abweichungen von dem gewöhnlichen Bau.
Die rechtmäßige Residenz des weiblichen Busens ist der erhabenste
Theil der vordern Brustfläche, auf dem großen Brustmuskel zwischen
der dritten und sechsten wahren Rippe. Beide Brüste sind durch das
Brustbein getrennt. Allein zuweilen liegen sie zu hoch oder zu niedrig,
sich so nahe, als wenn sie zusammengeschmolzen wären, oder so entfernt
von einander, als wenn sie sich flöhen.
Eine Frau hat zwei Brüste, dieses ist die gewöhnliche Zahl. Doch
BARTHOLIN erzählt die Geschichte einer Frau, die drei, und CABROLICUS
die Geschichte einer andern, die gar vier Brüste gehabt haben
soll. HALLER und PLOUCQUET führen ähnliche Fälle an. Auch will man
Beobachtungen von Amazonen haben, die nur eine oder gar keine Brust
hatten. Sie litten entweder an einem ursprünglichen Mangel derselben,
oder hatten sie durch Abszesse, Geschwüre, den Krebs und durch die
Amputazion des Messers verlohren.
In Ansehung der Größe der Brüste haben wir uns ein gewisses mittleres
Maaß als Normalmaaß abgesondert, welches wir als das schönste und
gesundeste annehmen, und merkliche Abweichungen von demselben für
fehlerhaft halten. Bei einigen afrikanischen Völkern, bei den Bewohnern
des Südmeers, in Egypten, in Portugal findet man ungewöhnlich große
Brüste, die bis unter den Bauch herabhängen, über die Schultern
geworfen, und unter den Armen durchgestekt werden können, um das Kind
auf dem Rükken zu säugen. Auf dem Kap soll man Geld- und Tobaksbeutel
aus den Brüsten der Hottentottinnen bereitet, feil haben. Ach unter
uns hat man dann und wann solche ungeheuer große Brüste beobachtet,
welche übrigens dabei gesund oder krank waren. BORELL, WELSER, SALMUTH
und LESKE erzählen Fälle von Brüsten, die zehn, zwölf, ja gar vier
und sechzig Pfund gewogen haben. MANDELSLOH führt ein Beispiel von
einem zweijährigen Mädchen an, dessen Brüste so groß wie bei einer
säugenden Frau waren, und die schon in ihrem dritten Jahr ihre
Reinigung bekam. Ein solches monströs großes Euter ist weder schön
noch gesund; es beleidigt das Auge, hindert die freie Bewegung der
Arme, die Respirazion durch seine Schwere, und pflegt durchgehends
eher arm als reich an Milch zu seyn. Fälle des Gegentheils, Brüste die
so klein sind, daß sie ihr Geschäft nicht verrichten können, finden
wir noch häufiger. Manche Weiber, die Mannjungfern und besonders die
langen, dürren, und hektischen Schatten haben eine platte Brust, wie
die Mannspersonen; die Haut ist auf die Rippen aufgeleimt, und die
Brustwarze gleichsam in die Knochen eingeschroben. Sind die Eierstökke
bei Thieren vor der Mannbarkeit weggeschnitten, so sollen gar keine
Brüste entstehen, auch sollen sie sich wieder verzehren, wenn diese
Amputazion nach der Mannbarkeit vorgenommen wird.
§. 20.
Die Form einer Halbkugel ist wohl der gewisse Umriß, den eine schöne
Weiberbrust haben soll. Um desto kränkender ist es für das weibliche
Geschlecht, daß es sich die Natur so oft erlaubt, von dieser Normalform
Ausnahmen zu machen. Gewöhnlich pflegt schon das erste Wochenbette
diese Form mehr oder weniger zu verlezzen. Man findet sie kegelförmig,
zugespizt wie eine Birne, plattgedrükt wie einen Fladen, walzenförmig
wie einen Handschuh, oder hängend und sakförmig wie Nester der
Beutelmeise. Solche Difformitäten sind, außer dem Verstoß gegen die
Regeln der Schönheit, auch dem Geschäfte der Brüste mehr oder weniger
nachtheilig.
Es giebt einen gewissen Grad von Derbheit und Härte der Brüste, den
wir ihre natürliche Härte nennen, und welcher theils von der Kohärenz
der festen Theile, theils von dem Gegendruk der Säfte und des Fettes
entsteht. Allein oft finden wir sie zu schlaff, welk, hängend, oder
zu hart und starr. Die Derbheit der Brüste ist gleichsam der Barometer
der weiblichen Gesundheit. Hat das junge Mädchen getanzt, getrunken,
Nächte durchgeschwärmt, so sind am Morgen ihre Brüste welk und ohne
Ton. Troz aller Künste haben die leichten Jungfern welke Brüste vom
Übermaaß des Beischlafs und der Schwächungen, denen sie bei ihrer
Lebensart ausgesezt sind. Jede übermäßige Anstrengung des Körpers und
der Seele, nagender Kummer, schwärmerische Traurigkeit, unglückliche
Liebe, hizzige und chronische Krankheiten rauben den Brüsten ihre
Spannkraft. Eben diese Wirkung hat das Alter, das öftere Stillen und
häufige Manipulazionen der Brüste. Ein plözliches Welkwerden des
Busens in der Schwangerschaft ist oft ein Vorbote einer bevorstehenden
Frühgeburt. Im Gegentheil kann bei dem Eintritt der Reinigung, bei dem
Mangel derselben und bei der Mutterwuth, die Derbheit der Brüste ihr
natürliches Maaß überschreiten. Zu viel Reizbarkeit und Kontraktilität
der festen Theile und ein zu starker Andrang der Säfte sind die
Ursachen dieses Zustandes.
§. 21.
Fehler der Brustwarze.
Auch die Brustwarze ist, wie wir zum Theil schon oben (§. 18.) gesehen
haben, mancherlei Fehlern der Form unterworfen. Sie soll ganz gefehlt
haben und ein andermal doppelt da gewesen seyn. Bei unverheiratheten
Personen findet man oft statt der Papille eine Grube. Bei dem Stillen
kehrt sich durch das Saugen die nach innen gesenkte Haut heraus und die
Warze ist da. Zuweilen ist sie so lang und dik, daß das Kind sie kaum
mit dem Mund umfassen kann. In einigen Warzen fehlen die Öffnungen der
Milchgänge, welches ein ursprünglicher Fehler seyn kann, oder meistens
von einem Druk der Schnürleiber herrührt. Endlich bekommt sie zuweilen
besonders vom Krebs und der französischen Seuche Risse, Geschwüre und
schwammichte Auswüchse.
§. 22.
Milch bei Männern.
Die Brüste neugebohrner Kinder beiderlei Geschlechts sind mit einer
serösen Feuchtigkeit angefüllt, welche durch den Druk aus den
Brustwarzen entfernt werden kann. Einige Ärzte leiteten daraus,
wiewohl fälschlich, den Ursprung des Kindswassers her.
Äußerst selten sind die Fälle, wo auch bei dem Manne eine milchartige
Feuchtigkeit aus der Brust kam. Herr von HUMBOLDT sah, wenn man
öffentlichen Nachrichten (+Hamburger+ Zeitung 1800 St. 89.) trauen
darf, in dem spanischen Amerika, und zwar in der Hauptstadt Kanada
einen Mann, der so viele und gute Milch hatte, daß er schon seit fünf
Monaten ein Kind stillte, weil seine Frau daran verhindert wurde.
§. 23.
Fehler in der Milch und in deren Bereitung.
Oft fehlt die Milch, wo sie da seyn sollte, die Brüste bleiben nach
der Geburt welk; es erzeugt sich gar keine Milch oder es sondert
sich ein unbedeutendes Etwas ab, das mehr Lymphe als Milch ist. Ein
andermal sondert sich zu viel Milch ab, die Brüste schwellen stark an,
schmerzen, das Kind kann vor Geschwulst nicht saugen, und die Mutter
wird durch den übermäßigen Zufluß von Säften entkräftet. HALLER erzählt
von einer Frau, die außer der Milch, welche das Kind sog, noch täglich
drei Maaß derselben verlohr; und von einer andern, die sechs Pfund
Ziegenmilch trank, und davon einen solchen Zufluß der Milch bekam, daß
ihre Brust fast geplazt wäre, und was erst durch das Saugen vieler
Kinder bezwungen werden konnte. Zuweilen finden wir Milch bei Personen,
die keine haben sollten, bei Kindern, Jungfern, Männern und alten
Weibern (§. 22. u. §. 69.). Oft wird die Milch durch ungewöhnliche
Wege, durch eine Wunde des Fußes, durch die Geburtstheile ausgeleert.
SCHURIG erzählt von einer Frau, welche während der Schwangerschaft das
Bein zerbrochen hatte, die Knochen waren zersplittert, es entstand ein
großes Geschwür, das bis auf ein kleines Loch am Fußgelenk zuheilte,
aus welchem vor der Geburt zu der Zeit des Vollmonds Blut, nach der
Geburt die Kindbettreinigung und dann mehrere Wochen lang eine große
Quantität Milch abfloß. Eben derselbe erzählt ein anderes Beispiel von
einem neunzehnjährigen Mädchen, dessen Brüste unmäßig anschwollen und
Milch gaben. Als sie diese aus den Brüsten vertrieb, stellte sich bei
ihr eine Reinigung durch die Gebärmutter ein, die wie wahre Milch
aussah und roch. Es giebt fast keinen Theil des Körpers, aus welchem
man nicht dann und wann hat Milch ausfließen sehen: aus dem Munde, den
Augen, dem Nabel, dem Rükken, der Biegung des Schenkels, aus den Füßen
u. s. w.
Bald ist die Milch zu dik, zu dünne; bald hat sie zu viel, bald
zu wenig Käse oder Rahm. Man hat Beispiele von grüner, schwarzer,
ölichter, versengter, mit Würmern verunreinigter Milch aufgezeichnet.
MORGAGNI erzählt den Fall einer Frau, die eine grüne Milch in
den Brüsten hatte; einen andern von einer Frau, bei der man eine
dunkelgrüne und schwarze Feuchtigkeit aus der Brustdrüse ausdrükken
konnte, und endlich noch einen Fall einer Person, die, so oft sie
es wollte, eine dikke pechschwarze Feuchtigkeit aus ihren Brüsten
ausmelken konnte, welche die Leinwand grasgrün färbte. Aus den Warzen
szirrhöser Brüste fließt oft eine Menge mißfarbiger, gelber, stinkender
Feuchtigkeit aus.
III.
Sorgfalt für die Brüste, vor und in den Jahren der Mannbarkeit, und in
dem nichtschwangern Zustande.
§. 24.
Schönheit der Brüste.
Der Busen des Mädchens, gleichend jener schönen Rosenknospe, die sich
zu sehnen scheint, mit den zärtesten Spizzen ihrer Tausendblätterichen
ein liebliches lächelndes Grübchen zu machen; er der angebetete, so
oft besungene, er ist und bleibt unter allen Zierden des schönen
Geschlechts die reichste, die ausgezeichneteste. Nur hier, und immer
hier auf ihm ruht das lüsterne Auge des Jünglings mit Wohlgefallen.
So schön Gesicht, -- gedrungen zugespizt
So junge Brust, worauf wie in der Schwüle
Des Sommers, reif der Unschuld Knospe sizt,
In jeder Miene redende Gefühle
Ein Aug’, in welchem sanfte Gottheit blizt.
Wie Sonnenbild bei einem Sommerregen,
Strahlt diese Brust in klarem Quell hervor,
Jezt wallet sie von sanften Wellenschlägen
Gehoben aus der Perlenfluth empor.
+Eleusinische Geheimnisse+.
Diese, ähnliche und andre schmeichelhafte Ekstasen konnten den
Frauenzimmern nicht unbekannt bleiben, und es ist demnach kein Wunder,
daß sich ihrer viele, überall und öfters, gerne dem angenehmen
Geschäfte unterzogen, jene Vorzüge geltend zu machen, und die Reize
des Busens durch alles, was ihnen nach dem jedesmal herrschenden
Geschmakke die Kunst darbot, zu erhöhen. Schon in der Geschichte
älterer Zeiten bei den Griechen und Römern findet man hiervon Beweise.
Auf der Statue der medizeischen Venus sind die Brüste besonders schön
dargestellt. Auf einer antiken, in der großherzoglichen Sammlung zu
Florenz befindlichen, Gemme ist die Venus mit einem Band abgebildet,
welches unterhalb der Brüste ihren schlanken Körper umschlingt. Diese
Busenbinde war ehemals ein sehr wichtiges Stük des weiblichen Anzugs.
Mit ihr wurde der schönste Theil des weiblichen Körpers mit aller
der Grazie, die wir noch in den schönsten Denkmälern des Alterthums
bewundern, unterbunden und zusammengehalten. Die Griechen nannten sie
+Taenidion+, die Römer +Strophium+. Der bekannte Dichter OVID gab (in
seiner Kunst zu lieben) den römischen Damen eigne Regeln über den
Gebrauch dieser Busenbinde.
§. 25.