[Illustration: Abbildung 68.
Papyrus-Bündelsäule mit offenem Doldenkapitell aus Philae. Sp. Zt.
Ptolemäisch; nach eigener Aufnahme.]
Selbstverständlich tritt auch bei unseren offenen Papyrussäulen in der
Spätzeit die allen Säulengattungen eigene Herunterschiebung des
Halsbandes ein, wie beispielsweise eine noch unfertige Säule (Abb. 67)
aus Giseh zeigt.
Ebenso selbstverständlich ist es, dass unsere offene Papyrusdolde in der
Ptolemäer- und Kaiserzeit häufig wieder auftritt und zwar hier zum
ersten Male sicher als Bündelsäule (Abb. 68 u. 69). Daneben treten
allerdings auch noch Einzelsäulen mit offenem Doldenkapitell auf. Unter
letzteren ist besonders ein Beispiel erwähnenswerth, das von dem sonst
in der Ptolemäischen Epoche üblichen Typus der Säulen abweicht: eine
Säule aus Kôm-Ombo[79], die die Herunterschiebung des Halsbandes nicht
hat. Bemerkenswerth ist ausserdem hier und auch bei anderen Beispielen
der Spätzeit die merkwürdig verständige Behandlung der einzelnen
Doldenstrahlen.
[Illustration: Abbildung 69.
Bündelsäule mit offenen Papyrusdolden aus Edfu. Sp. Zt. Ptolemäisch;
nach Berl. Museum, Ph. 138.]
Wir sind nunmehr mit unserer Besprechung der Papyrussäulen zu Ende und
wollen daher, da diese Säulen früher vielfach mit den bereits oben
genügend charakterisirten Nymphaeensäulen zusammengeworfen wurden,
nochmals kurz die Merkmale aufzählen, durch welche sich diese von jenen
unterscheiden:
Die Basis fehlt bei den Papyrussäulen nur ganz ausnahmsweise, bei
den Nymphaeensäulen öfter.
Der Schaft der Papyrussäule hat Schwellung und Fussblätter, welche
beide der Nymphaeensäule ursprünglich fehlen.
Die Zwischenstengel, welche nur bei der geschlossenen Doldensäule
vorkommen, haben wie die Hauptstengel Papyrusformen, bei den
Nymphaeensäulen dagegen Formen von Nymphaea-Knospen und Blüthen.
Die äusseren Umrisslinien der geschlossenen wie offenen
Papyruskapitelle sind wesentlich unterschieden von denen der
geschlossenen und offenen Nymphaeensäulen.
Die Kopfblätter reichen beim Papyruskapitell nie[80] bis zum oberen
Rande, beim Nymphaeakapitell stets.