Diese von den bisher besprochenen Nymphaeen gänzlich verschiedene Art
macht, wie die Abbildung 28 zeigt, überhaupt nicht den Eindruck einer
Nymphaee. Die weit aus dem Wasser hervorstehenden, napfförmigen Blätter
bilden ganze Gebüsche, aus denen die rosenartigen Blumen hervorsehen. Am
merkwürdigsten ist der Fruchtstand, den Herodot[29] sehr ansprechend mit
einem Wespennest vergleicht und den Neuere nicht übel mit der Brause
einer Giesskanne verglichen haben.
Altägyptische Darstellungen von Nymphaea Nelumbo finden sich nicht, wohl
aber haben sich einige auf Kunstwerken der Spätzeit nachweisen lassen.
Im Ptolemäischen Tempel zu Esneh[30], auf dem Mosaik von Palestrina und
auf der berühmten vatikanischen Nilstatue finden sich Exemplare von
Nymphaea Nelumbo abgebildet; an der zuletzt erwähnten Stelle übrigens
nur Früchte mit falschen Blättern. Dieses späte Auftreten von Nymphaea
Nelumbo in den Darstellungen ist nicht weiter wunderbar, da die
Pflanze, wie neuere Arbeiten[31] gezeigt haben in Aegypten ursprünglich
nicht heimisch war, und auch heutigen Tages dort nicht mehr wild
vorkommt. Herodot ist der erste, der um 450 v. Chr. über sie berichtet,
und Prosper Alpinus, der um 1580 n. Chr. die ägyptische Flora
beschreibt, erwähnt sie schon nicht mehr. Die Ansicht SCHWEINFURTH's
scheint daher sehr annehmbar, dass Nymphaea Nelumbo durch die Perser aus
Asien nach Aegypten eingeführt worden ist, sich aber auf die Dauer dort
nicht halten konnte.
Das Fehlen von Nymphaea Nelumbo in der älteren Zeit, in der die
Säulenformen sich bildeten, verbietet es also, irgend eine ägyptische
Kapitellform auf die Blüthe oder, wie es auch geschehen ist, auf das
Blatt dieser Nymphaea zurückzuführen.
* * * * *
Zum Schlusse der Besprechung wollen wir noch einmal kurz die Merkmale
der Nymphaeen-Säulen zusammenstellen, durch welche sie sich von der
ihnen gegenüberstehenden Kategorie der Papyrussäulen unterscheiden:
Die _Basis_ fehlt manchesmal, was bei Papyrussäulen nie der Fall zu
sein scheint. Der _Schaft_ hat keine Schwellung und keine
„Fussblätter”, wie wir sie bei den Papyrussäulen kennen lernen
werden. Die _Zwischenstengel_ sind wie die _Hauptstengel_ mit
Nymphaeenknospen oder Blumen gekrönt, deren Umrisslinien von denen
der Papyrussäulen äusserst verschieden sind. Die „_Kopfblätter_”,
d. h. die Kelchblätter des Kapitells gehen bis zum oberen Rande, während
sie bei den Papyrussäulen wesentlich kürzer sind.