N. R. Original im Berl. Museum No. 9430.]

Aus den aufgeführten Beispielen können wir ohne Weiteres das entnehmen,

was dem ägyptischen Maler als charakteristisch für Nymphaea caerulea

aufgefallen ist: Das Blatt erhält fast immer seine richtige,

naturalistische Form; Fälle, in denen es einmal etwas anders gezeichnet

erscheint (Abb. 23), sind selten. Die Blüthe ist stets spitzig, grün mit

gelblichem Fruchtknoten; die Härchen auf den Kelchblättern sind in

zahlreichen Fällen durch Strichelchen wiedergegeben. Die beiderseitigen

äusseren Umrisslinien der Blüthe sind wie in der Natur stets etwas steif

und gerade; selten zeigt sich nur eine leise Biegung nach aussen. Die

stets spitzen Kelch- und Blüthenblätter berühren natürlich in allen

Fällen den oberen Contour.

Wir haben hiermit die Beschreibung der Darstellungen von Nymphaea

caerulea erschöpft und kommen nunmehr zu der eigentlichen Aufgabe dieses

Abschnitts, die von Nymphaea caerulea abgeleiteten Säulentypen zu

bestimmen.

[Illustration: Abbildung 24.

Offenes Nymphaea caerulea-Kapitell von einem gemalten Baldachin, in Grab

13 zu Qurna; n. R. Dyn. 18; Zeit Amenophis' II; nach L. D. III, 63a.]

[Illustration: Abbildung 25.

Kapitell und Sockel von einem gemalten Baldachin in Grab 8 zu Qurna; n.

R.; Dynastie 18. Zeit Amenophis' III.; nach L. D. III, 77e.]

Es muss sogleich vorausgeschickt werden, dass ausgeführte Säulen mit

Nymphaea caerulea-Kapitell überhaupt nicht erhalten sind; ein einziges

Säulenfragment zeigt unter dem eigentlichen Kapitell eine Verzierung von

plastisch nachgebildeten Blüthen und Knospen von Nymphaea caerulea[25],

und zwei neuerdings im Arsnuphistempel zu Philae gefundene

Säulentrommeln aus Ptolemäischer Zeit[26] zeigen Zwischenstengel mit

Blüthen und Knospen von Nymphaea caerulea. Verschiedene Abbildungen

lassen jedoch darauf schliessen, dass Säulen mit dem fraglichen Kapitell

vorkamen. Und zwar nur Säulen mit offenem Kapitell; mit geschlossenem

haben sich bisher noch keine nachweisen lassen. Die Knospe findet

höchstens auf den Zwischenstengeln Verwendung.

Die _ältesten Säulen mit offenen Nymphaea caerulea-Kapitellen_ kommen

erst im neuen Reiche vor; es sind zwar in LEPSIUS' Denkmälern einige

Kapitelle abgebildet, die man wegen ihrer spitzen Blätter für Nymphaea

caerulea halten könnte, jedoch liegt der Verdacht nahe, der auch durch

den Vergleich mit den noch vorhandenen Abklatschen bestätigt wird, dass

die Publication in diesen Fällen ungenau ist und sich im Originale

Nymphaea Lotus-Kapitelle dargestellt finden.

Unter Amenophis II. erscheinen die ersten Beispiele in Gräbern zu Qurna,

merkwürdigerweise mit einer sonst nicht vorkommenden Zuthat. Zwischen

Kapitell und Abakus ist nämlich eine Platte mit vier Löwen- (s. Abb. 24)

oder an einer anderen Stelle mit Sperberköpfen eingefügt.[27] Unsere

Abbildung stellt wohl wieder eine Bündelsäule mit offenem Kapitell und

mit Knospen tragenden Zwischenstengeln vor. Letztere sind, wie wir das

bereits bei anderen Darstellungen kennen, _neben_ die Halsbänder anstatt

_durch_ dieselben gesteckt abgebildet. Zu bemerken ist, dass die

Halsbänder bei diesen Säulen vielfach über einen weiteren Raum vertheilt

sind, als bei anderen Arten üblich. Der Schaft ist meist ganz gerade,

oft ohne jede Basis, jedoch kommen auch Schäfte mit Schwellung vor (Abb.

25), die irrthümlich von Papyrussäulen entnommen sein dürften. Bei dem

zuletzt citirten Beispiel tritt uns zum ersten Male eine

Eigenthümlichkeit entgegen, die an Säulen aller Gattungen unter der 18.

Dynastie, besonders aber unter Amenophis IV. vorkommt: die von den

Halsbändern abflatternden, verschiedenfarbigen Bandenden. Nach den

Abbildungen, welche uns solche festlich geschmückten Säulen zeigen,

lässt sich jedoch die Frage nicht entscheiden, ob diese Bandenden jemals

in der eigentlichen Architektur eine Rolle gespielt haben und ob sie

etwa in flachem Relief auf den Säulenschäften unter den Halsbändern

dargestellt wurden. Nur bei den später zu besprechenden Palmensäulen

findet sich Aehnliches, worauf noch unten (S. 48 u. 49) zurückzukommen

sein wird.

[Illustration: Abbildung 26.

Kapitell und Sockel mit Farbenangabe, von einem gemalten Baldachin

aus Qurnet-Murrai; Grab des Huj; n. R.; Dynastie 18; Zeit des

Twet-anch-amon; nach L. D. III, 118.]

[Illustration: Abbildung 27.

Hals einer Bündelsäule mit Zwischenstengeln von Nymphaea caerulea.

Die Ägyptische Pflanzensäule · 第 11 / 27 题