Blüthe, Knospe und Blatt nach der Natur (Botan. Garten zu Berlin).]

Die hierneben abgebildete Nymphaea Lotus kommt der bei uns heimischen,

allgemein bekannten, weissen Nymphaea im Aussehen am nächsten, nur dass

sie grösser ist als diese. Die vorn rundlichen, am Sitze pfeilförmig

gespaltenen, grünen Blätter mit ihrem in kleinen Bogen ausgezähnten

Rande, schwimmen auf dem Wasser. Die Knospen und Blüthen erheben sich

auf runden, biegsamen Stengeln (von grüner Farbe mit röthlichem

Schimmer) etwas über die Oberfläche. Die Knospen sind von

langgestreckter, fast elliptischer Gestalt, mit grünen, oben ein wenig

röthlich schimmernden Kelchblättern. Sie zeigen -- ausser der Form --

als charakteristisches Merkmal von oben nach unten gehende

Längsstreifen, die sich sowohl durch etwas andere Färbung als auch durch

ganz schwaches Relief von der sonst glatten Fläche der Knospe abheben.

Die Blüthe, deren äussere Form in nicht zu weit geöffnetem Zustande fast

eine Halbkugel ist, hat vier aussen grüne, oben abgerundete Kelchblätter

mit denselben charakteristischen Längsstreifen; zwischen den

Kelchblättern treten die weissen, ebenso geformten Blüthenblätter

regelmässig geordnet hervor. Auch diese weissen Blätter zeigen bei

näherem Zusehen Längsstreifen. Ob ausser der weissen Art auch

andersgefärbte Varietäten im alten Aegypten vorkamen, scheint wenig

wahrscheinlich. Das Aussehen der Wurzel und der inneren Theile der

Blüthe[4] interessirt für die vorliegende Untersuchung nicht und wird

daher hier so wenig wie bei den folgenden Pflanzen besprochen werden.

[Illustration: Abbildung 2.

Von einem Relief im Grabe des Ptahhotep bei Sakkara;

a. R. Dynastie 5; nach dem Gipsabgusse im Berliner Museum.]

Nachdem wir uns so mit dem Aussehen des Lotus bekannt gemacht haben,

werden wir ihn leicht auf den Denkmälern wiedererkennen. Die ägyptischen

Künstler stellten ihn, wie überhaupt alle Pflanzen, für ihre

Verhältnisse, d. h. soweit die Schwierigkeit der perspektivischen

Darstellung sie nicht hinderte, recht naturalistisch dar,

selbstverständlich, wie das bei ornamentaler Verwendung von

Pflanzenformen nicht anders möglich ist, etwas stilisirt.

[Illustration: Abbildung 3.

Von einem Wandgemälde aus Grab 2 von Benihassan;

m. R. Dynastie 12 (nach Lepsius' Tagebuch).]

Die folgenden Beispiele sind so gewählt, dass in ihnen nicht nur

möglichst verschiedene Kunstgebiete -- Malerei, Plastik und Kleinkunst

--, sondern auch alle Epochen der ägyptischen Kunstgeschichte vertreten

sind. Altes, mittleres und neues Reich, sowie die Spätzeit (a. R.; m.

R.; n. R. u. Sp. Z.)[5] werden nach Möglichkeit herangezogen werden.

Gute Darstellungen der Nymphaea Lotus finden wir z. B. im a. R. in dem

berühmten Grabe des Ptahhotep bei Sakkara (Abb. 2), aus dem m. R. in den

Gräbern zu Bersche[6], in denen zu Benihassan (Abb. 3) und an der

bekannten Gruppe der „Fischträger” aus Tanis (Abb. 5)[7], endlich aus

dem n. R. in den Fayencen aus Gurob und Tell-Amarna (Abb. 6 u. 7).

An diesen Beispielen sehen wir, dass die Aegypter die typische Form der

Nymphaea Lotus ganz richtig aufgefasst haben. Die Blätter haben die

ihnen zukommende Form, nur sind sie stets ganzrandig[8] dargestellt,

ohne die Zähnung. Der Grund hierfür mag die Kleinheit der Zähnung

gewesen sein.

[Illustration: Abbildung 5.

Von der Gruppe der „Fischträger” aus Tanis;

m. R.; nach dem Gipsabgusse im Berliner Museum.]

[Illustration: Abbildung 6.

Fayence-Becher aus Gurob;

n. R. Dynastie 18;

nach Petrie, Illahun, Taf. XVII, 8.]

[Illustration: Abbildung 7.

Fayence-Kachel aus Tell-Amarna;

n. R. Dynastie 18; Zeit Amenophis' IV. ½ nat. Grösse. Original in

London, University College.]

Die Knospen sind in Form und Einzelheiten richtig, die Blume äusserst

charakteristisch, sogar die Längsstreifen sind fast immer wiedergegeben.

Fassen wir die Merkmale der Nymphaea Lotus zusammen, welche der

ägyptische Künstler als bezeichnend für diese Pflanze erkannt hat und

bei keiner besseren Darstellung fehlen lässt, so sind es die folgenden:

[Illustration: Abbildung 8.

Friesornament aus dem Grabe des Hapi;

m. R. Original im Berliner Museum No. 1118/9. (Ausführliches

Verzeichniss S. 64/5.)]

Bei der Knospe elliptische Form und Längsstreifen, bei der Blume fast

halbkreisförmige Umrisslinie, oben abgerundete, bis zum oberen Rande der

Blume reichende Kelchblätter mit Längsstreifen und ebensolche,

regelmässig dazwischen angeordnete Blüthenblätter. Der Typus ist also

mit anderen Pflanzen garnicht zu verwechseln[9], und wir werden nunmehr

ohne Schwierigkeiten die Säulen herauserkennen, die auf Nymphaea Lotus

zurückgehen. Es sind hier Säulen mit Knospen- und Blüthenkapitellen zu

unterscheiden; um jedoch eine gewisse Gleichmässigkeit in der

Bezeichnung mit den später zu besprechenden, ähnlich in zwei Gattungen

getheilten Papyrussäulen einzuführen, wollen wir die beiden Arten

„Säulen mit geschlossenem” und mit „offenem Kapitell” nennen.

Die „_Säulen mit geschlossenem Kapitell_”, das den Knospen von

Nymphaea Lotus nachgebildet ist, kommen bereits im alten Reiche vor.

Ein besonders lehrreiches Exemplar entdeckte DE MORGAN im Grabe des

Ptah-schepses bei Abusir (Abbildung 9). Es ist eine aus sechs

Hauptstengeln gebildete Bündelsäule. Die Stengel kommen gerade aus

der, einen kleinen Erdhügel darstellenden Basis und werden durch fünf

Halsbänder unter dem Kapitell zusammengehalten. Das Kapitell ist aus

wenig geöffneten Knospen gebildet, die man nach der etwas zu spitzen

Form der Blätter vielleicht für Nymphaea caerulea ansehen könnte, die

jedoch wegen der Längsstreifen sicher für Nymphaea Lotus zu halten

sind. Zwischen die Hauptstengel sind, wie um diese in ihrer richtigen

Lage zu halten, unter das Halsband noch sechs kleine, kurze

Zwischenstengel gesteckt, die oben in geöffnete Nymphaea Lotus-Blumen

endigen. Auf dem Kapitell ruht der ganz einfache, cubische Abakus ohne

jede Ornamentirung. Die ganze Säule ist bis auf die Farben äusserst

naturalistisch gehalten.[10]

[Illustration: Abbildung 9.

Nymphaea Lotus-Säule mit geschlossenem Kapitell;

a. R. Grab des Ptah-schepses, Abusir. Dynastie 5; nach de Morgan, Rev.

arch. 1894, S. 28/29.]

Ein weiteres Beispiel aus dem alten Reiche giebt eine Abbildung im Grabe

des Ra'-schepses zu Sakkara[11], die gleichfalls aus der Zeit der 5.

Dynastie stammt. Es ist auch hier eine Bündelsäule gemeint, wenn auch am

Schaft die verschiedenen Stengel nicht besonders bezeichnet sind; die in

kurzen Abständen angegebenen Umschnürungen des Schaftes sprechen

deutlich für eine Bündelsäule.

Die besten Beispiele für die geschlossene Lotossäule liefert uns das

mittlere Reich. Die Säulen dieser Art aus Benihassan sind allgemein

bekannt. Hier ist eine derselben nach einer LEPSIUS'schen Aufnahme[12]

in der Abb. 10 dargestellt. Die flache, kreisförmige Basis soll wohl

wieder den Erdhügel vorstellen, aus dem dieses Mal vier

zusammengebundene runde, nach oben sich verjüngende Lotusstengel

herauswachsen, ohne die bei den Papyrussäulen üblichen Basisblätter,

welche ja dem Lotus auch nicht zukommen, und ohne die auch nur beim

Papyrus vorkommende Schwellung. Die farbigen Streifen dieser Stengel

würde man leicht für die zusammenhaltenden Bänder halten können; mit

Rücksicht auf die Farbentheilung der kleinen Zwischenstengel aber, bei

denen zusammenhaltende Bänder nicht erforderlich wären, wird man sie

jedoch nur für eine willkürliche Farbengebung zu halten haben, da auch

ausserdem die Darstellung der sicher für Bänder anzusehenden Ringe dicht

unter dem Kapitell dafür spricht, die fragliche Farbentheilung nicht auf

Bänder zurückzuführen. Die vier Stengel sind also erst oben dicht unter

den Knospen durch fünf Halsbänder zusammengefasst, nachdem zwischen die

Hauptstengel noch vier „Zwischenstengel” gelegt sind, die manchmal, wie

auch in dem Beispiel aus dem alten Reiche, kleine Knospen oder Blumen

tragen. Das Kapitell selbst zeigt vier richtig geformte Knospen von

Nymphaea Lotus mit der klaren Wiedergabe der charakteristischen

Längsstreifen. Es sind nicht etwa oben abgestumpfte Knospen, die hier

zur Darstellung gekommen sind, sondern ganze, wie aus der Bemalung am

oberen Ende deutlich zu ersehen ist. Auf den Knospen ruht der das Gebälk

aufnehmende sehr flache Abakus, der einzige Theil der Säule, welcher

keinen rein ornamentalen Ursprung hat, sondern seine Form construktiven

Rücksichten verdankt.

[Illustration: Abbildung 10.

Nymphaea Lotus-Säule mit geschlossenem Kapitell;

m. R. Benihassan. Grab 17, nach einer Aufnahme in Lepsius' Tagebuch

(vgl. L. D. I, 60).]

[Illustration: Abbildung 11.

Von einem Wandgemälde aus dem Grabe des Kej zu Bersche; m. R. Nach L. D.

II, 134 b.]

[Illustration: Abbildung 12.

Nach einem Wandgemälde in Grab 17 zu Benihassan; m. R. Nach Lepsius'

Tagebuch.]

Neben den eben beschriebenen scheinen in Benihassan in Grab 18 auch noch

andere Säulen derselben Gattung mit drei Zwischenstengeln -- einem

längeren und zwei kürzeren -- zwischen je zwei Hauptstengeln

vorzukommen; wenigstens glaube ich es so auf einer PETRIE'schen

Photographie[13] zu erkennen.

In Abbildungen finden sich diese Säulen naturgemäss auch, so z. B. in

Bersche im Grabe des Kej (Abb. 11). Diese Zeichnung ist für die

verschrobene Art der altägyptischen Darstellung nicht uninteressant. Die

Theilung des Schaftes in mehrere Stengel ist nicht angegeben, die

Zwischenstengel sind neben die Halsbänder gesetzt, die Knospen der

Zwischenstengel haben falsche Richtung, und beim Kapitell könnte man im

Zweifel sein, ob eine etwas geöffnete Knospe gemeint ist, oder ob es die

vier Knospen des Bündelkapitells in Vorderansicht sein sollen. Man

sieht, dass es manchmal nicht leicht gemacht wird, aus der

altägyptischen Abbildung das wirkliche Aussehen der Säule zu ermitteln.

Als gutes Beispiel einer abgebildeten Säule dieser Art und Zeit mag hier

noch eine aus Benihassan, wo solche öfter vorkommen, eine Stelle finden

(Abb. 12). Sie hat dicht über dem Halsband ein merkwürdiges Ornament,

das auf ausgeführten Säulen bisher noch nicht nachweisbar ist. Dass

Lotus-Säulen mit geschlossenen Kapitellen übrigens auch ornamental

Verwendung fanden, zeigt ein von PETRIE in Kahun[14] gefundener

Kandelaber, bei dem eine, allerdings nicht ganz regelmässig geformte

Lotussäule mit geschlossenem Kapitell den Untersatz für die Schale

bildet.

Die bisher aufgeführten Beispiele stammen sämmtlich aus dem alten und

mittleren Reich; merkwürdigerweise fehlt aus dem neuen Reich diese

Säulenart gänzlich -- wenigstens ist uns nichts davon erhalten. Erst in

der Ptolemäerzeit sind wieder Beispiele und zwar in Philae und in el-Kab

nachweisbar. Diese lehren uns jedoch für das Verständniss der älteren

Exemplare nichts Neues; es mag daher an der Säule aus Philae (Abb. 13)

nur auf eine uns hier zum ersten Male entgegentretende Eigenthümlichkeit

der späten Säulen hingewiesen werden. Dieselben haben nämlich sehr

häufig die Halsbänder nicht direct unter dem Kapitell, sondern ein

ganzes Stück tiefer und zeigen zwischen Halsband und Kopf noch die

richtigen Formen der Stengel, aus denen sich die Säule zusammensetzt.

Unter dem Halsband sind diese späten Säulen meist glatt, d. h. ohne

struktives Ornament, die für die Säulenformen unwesentlichen Bilder und

Inschriften nicht zu rechnen. Merkwürdig ist bei den zuletzt citirten

Säulen der Spätzeit noch, dass die dreifachen Zwischenstengel auf, nicht

zwischen den Hauptstengeln sitzen.

[Illustration: Abbildung 13.

Nymphaea Lotus-Säule mit geschlossenem Kapitell zu Philae am Tempel der

Isis-Wosret. Sp. Z.; Ptolemäisch. Nach L. D. I, 107.]

[Illustration: Abbildung 14.

Säulen mit offenen Nymphaea Lotus-Kapitellen aus Isbayda;

a. R.; nach Petrie, Season, Taf. 25.]

[Illustration: Abbildung 15.

Reconstruktion d. Querschnitts.

Flachrelief aus Giseh, Grab 16 des Imeri;

Dynastie 5; nach dem Abklatsch (34) des Berl. Museums und nach Lepsius'

Tagebuch.]

Die „_Säulen mit offenem Lotus-Kapitell_” sind ebenso wie die mit

geschlossenem bereits im alten Reich nachzuweisen. Die ältesten (Abb.

14) dürften die von PETRIE in Isbayda aufgefundenen sein[15]; an diesen

verräth aber nur der äussere Contour ihren Zusammenhang mit Nymphaea

Lotus -- sie mögen unvollendet sein. Durch verhältnissmässig zahlreiche,

noch dem alten Reiche entstammende Abbildungen, die uns in verschiedenen

Gräbern dieser Zeit erhalten blieben, ist es jedoch möglich, sich ein

richtiges Bild von den ältesten offenen Lotus-Säulen zu machen. Ein sehr

gutes Beispiel findet sich in Giseh, Grab 16 des Imeri, veröffentlicht

in L. D. II, 52. Der Publication nach würde man allerdings kaum eine

Blüthe von Nymphaea Lotus in diesem spitzblättrigen Kapitell erkennen,

befragt man aber den Abklatsch, nach dem unsere Abbildung gezeichnet

ist, so ist die uns bekannte Lotus-Form deutlich wiedergegeben (Abb.

15). Aus der wieder einen Erdhügel darstellenden Basis erwachsen vier

runde schlanke Stengel in der durch den rekonstruirten Querschnitt

angegebenen Anordnung.[16] Auf den Stengeln sitzt die geöffnete Blüthe

mit richtigem Halbkreiscontour und den oben abgerundeten Blättern, die

bis zur oberen Begrenzung des Kapitells gehen; unter der Blume sitzt ein

merkwürdiger Ansatz, den man jedoch nicht etwa für den Fruchtboden

ansehen darf; derselbe stellt vielmehr die „Halsbänder” dar. Die

Zwischenstengel fehlen bei diesem Beispiel. Sie scheinen jedoch bei

einem anderen, gleichfalls aus Giseh, Grab 89 des Sechem-ke-re' (Dyn. 5,

L. D. II, 41b) stammenden vorhanden zu sein.[17] Aus dem Vorkommen der

Zwischenstengel, der Halsbänder und der Schafttheilung sehen wir

deutlich, dass es sich fast immer um Bündelsäulen handelt; es ist also

wohl anzunehmen, dass die immer nur einfach gezeichnete Blume als

Kapitell dem unbeholfenen Maler gewissermaassen nur die Signatur bildete

für die sich ineinander verschneidenden vier Lotus-Blumen, die er nicht

darstellen konnte.

[Illustration: Abbildung 16.

Reliefirte Pfeilerverzierung aus einem Grabe in Sawijet el Meitin;

a. R. Dynastie 6; nach L. D. I, 57.]

Auch die anderen Beispiele aus dieser Zeit, die Säule aus dem Grabe des

Chunes (Nr. 2) in Sawijet el Meitin[18] und dem Grabe Nr. 14 des Hepi

ebenda[19], beide Dyn. 6, zeigen dieselben Eigenthümlichkeiten wie die

bisher genannten. Hierher gehören auch die Darstellungen aus dem Grabe 1

und 2[20] daselbst, welche Lotusbündelsäulen mit sehr gut dargestellten

offenen Kapitellen in Flachrelief als vortrefflich gewählte

Pfeilerverzierungen zeigen (Abb. 16). Hier scheinen die Zwischenstengel

auch offene herabhängende Blüthen zu tragen; bei den anderen Beispielen

waren es wohl eher Knospen.

Man sieht, das offene Lotus-Kapitell ist im alten Reiche häufig; ich

möchte es daher nur für einen Zufall halten, dass aus dem mittleren

Reiche uns nur ein Beispiel bekannt ist, und zwar ist dies eine gemalte

Säule in Grab 5 des Ke-nacht zu Bersche (NEWBERRY, el Bersche, II, 15).

Auch im neuen Reiche sind diese Säulen spärlich. Ich kenne die offenen

Lotus-Kapitelle für diese Zeit nur von einigen abgebildeten

Bouquetsäulen, z. B. aus Tell-Amarna, Grab 6, aus der Zeit Amenophis'

IV. (Ende der 18. Dyn.)[21] und aus dem Grabe des Sen-nudem zu Theben

(Dyn. 20).[22] Bei beiden kommt das offene Lotuskapitell mit den später

zu erwähnenden Papyrus- und Lilienkapitellen zusammen vor. Das

letztcitirte Beispiel giebt die Pflanze sogar farbig wieder.

Thörichterweise hat hier aber der Maler dem Schafte der Säule die den

Papyrusbündelsäulen zukommende Form und Theilung gegeben.

[Illustration: Abbildung 17.

Offenes Nymphaea Lotus-Kapitell aus Edfu, Ptolemäisch. Nach Prisse,

Histoire de l'art égyptien.]

Für den Mangel an wirklich guten, ausgeführten Beispielen aus dieser

älteren Zeit entschädigen uns aber vorzüglich durchgeführte, sehr reiche

Kapitelle der uns augenblicklich beschäftigenden Gattung aus der

Spätzeit. Eines davon aus Edfu ptolemäischen Ursprungs (Abb. 17) mag

hier als Beispiel dienen. Es zeigt natürlich wieder die schon oben

besprochene Eigenthümlichkeit seiner Zeit, indem es noch von den

Stengeln der Blumen zwischen Halsband und Kapitell ein Stück sehen

lässt. Dies Kapitell erklärt uns, was mit den älteren Abbildungen

gemeint war. Vier grosse offene Lotusblumen sitzen dicht nebeneinander,

dazwischen je drei Blumen -- eine grössere und zwei kleinere -- auf

Zwischenstengeln, wie wir sie auch schon oben einmal bei den

geschlossenen Lotuskapitellen beobachten konnten. (S. S. 8, Anm. 1.)

Damit wäre es eigentlich genug, und die alten Muster wären erreicht. Dem

ptolemäischen Künstler genügte dies jedoch wohl noch nicht, und so

setzte er noch zwischen je zwei der schon vorhandenen 16 Blumen noch

eine ganz kleine -- also im ganzen fernere 16. Auch führt er die

Zwischenstengel tiefer herunter als die älteren Meister, da ja die

Halsbänder, hinter denen sie stecken, tiefer sitzen als in älterer Zeit.

Der niedrige Abakus dieser Säule hat keinerlei Ornament und sitzt wie

auch bei den übrigen Säulen ganz unorganisch auf dem Kapitell. Er hat

eben nur eine constructive Function und ist meist so klein, dass er bei

den weit ausladenden offenen Kapitellen von unten kaum zu sehen ist.

Somit hätten wir die Entwickelung der geschlossenen und offenen

Lotussäule durch die ganze ägyptische Baugeschichte verfolgt und wenden

uns nun zu der Pflanze, welcher die zweite Art der ägyptischen

Nymphaeensäulen nachgebildet ist.

b. Nymphaea caerulea L.

[Illustration: Abbildung 18.

Nymphaea caerulea L.

Die Ägyptische Pflanzensäule · 第 9 / 27 题