Nathan und der Klosterbruder.
Nathan. (Ich bliebe Rechas Vater
Doch gar zu gern!--Zwar kann ich's denn nicht bleiben,
Auch wenn ich aufhör, es zu heißen?--Ihr,
Ihr selbst werd ich's doch immer auch noch heißen,
Wenn sie erkennt, wie gern ich's wäre.)--Geh!--
Was ist zu Euern Diensten, frommer Bruder?
Klosterbruder.
Nicht eben viel.--Ich freue mich, Herr Nathan,
Euch annoch wohl zu sehn.
Nathan. So kennt Ihr mich?
Klosterbruder.
Je nu; wer kennt Euch nicht? Ihr habt so manchem
Ja Euern Namen in die Hand gedrückt.
Er steht in meiner auch, seit vielen Jahren.
Nathan (nach seinem Beutel langend).
Kommt, Bruder, kommt; ich frisch ihn auf.
Klosterbruder. Habt Dank!
Ich würd' es Ärmern stehlen; nehme nichts.--
Wenn Ihr mir nur erlauben wollt, ein wenig
Euch meinen Namen aufzufrischen. Denn
Ich kann mich rühmen, auch in Eure Hand
Etwas gelegt zu haben, was nicht zu
Verachten war.
Nathan. Verzeiht!--Ich schäme mich--
Sagt, was?--und nehmt zur Buße siebenfach
Den Wert desselben von mir an.
Klosterbruder. Hört doch
Vor allen Dingen, wie ich selber nur
Erst heut an dies mein Euch vertrautes Pfand
Erinnert worden.
Nathan. Mir vertrautes Pfand?
Klosterbruder.
Vor kurzem saß ich noch als Eremit
Auf Quarantana, unweit Jericho.
Da kam arabisch Raubgesindel, brach
Mein Gotteshäuschen ab und meine Zelle
Und schleppte mich mit fort. Zum Glück entkam
Ich noch und floh hierher zum Patriarchen,
Um mir ein ander Plätzchen auszubitten,
Allwo ich meinem Gott in Einsamkeit
Bis an mein selig Ende dienen könne.
Nathan.
Ich steh auf Kohlen, guter Bruder. Macht
Es kurz. Das Pfand! das mir vertraute Pfand!
Klosterbruder.
Sogleich, Herr Nathan.--Nun, der Patriarch
Versprach mir eine Siedelei auf Tabor,
Sobald als eine leer; und hieß inzwischen
Im Kloster mich als Laienbruder bleiben.
Da bin ich itzt, Herr Nathan; und verlange
Des Tags wohl hundertmal auf Tabor. Denn
Der Patriarch braucht mich zu allerlei,
Wovor ich großen Ekel habe. Zum
Exempel:
Nathan. Macht, ich bitt Euch!
Klosterbruder. Nun, es kömmt!--
Da hat ihm jemand heut ins Ohr gesetzt:
Es lebe hier herum ein Jude, der
Ein Christenkind als seine Tochter sich
Erzöge.