Sittah. Schach!--und Schach!--und Schach!--

Saladin.

Und matt!

Sittah. Nicht ganz; du ziehst den Springer noch

Dazwischen; oder was du machen willst.

Gleichviel!

Saladin. Ganz recht!--Du hast gewonnen: und

Al-Hafi zahlt.--Man lass' ihn rufen! gleich!

Du hattest, Sittah, nicht so unrecht; ich

War nicht so ganz beim Spiele; war zerstreut.

Und dann: wer gibt uns denn die glatten Steine

Beständig? die an nichts erinnern, nichts

Bezeichnen. Hab ich mit dem Iman denn

Gespielt?--Doch was? Verlust will Vorwand. Nicht

Die umgeformten Steine, Sittah, sind's,

Die mich verlieren machten: deine Kunst,

Dein ruhiger und schneller Blick...

Sittah. Auch so

Willst du den Stachel des Verlusts nur stumpfen.

Genug, du warst zerstreut; und mehr als ich.

Saladin.

Als du? Was hätte dich zerstreuet?

Sittah. Deine

Zerstreuung freilich nicht!--O Saladin,

Wenn werden wir so fleißig wieder spielen.

Saladin.

So spielen wir um so viel gieriger!--

Ah! weil es wieder losgeht, meinst du?--Mag's!--

Nur zu!--Ich habe nicht zuerst gezogen;

Ich hätte gern den Stillestand aufs neue

Verlängert; hätte meiner Sittah gern,

Gern einen guten Mann zugleich verschafft.

Und das muß Richards Bruder sein: er ist

Ja Richards Bruder.

Sittah. Wenn du deinen Richard

Nur loben kannst!

Saladin. Wenn unserm Bruder Melek

Dann Richards Schwester wär' zu Teile worden:

Ha! welch ein Haus zusammen! Ha, der ersten,

Der besten Häuser in der Welt das beste!

Du hörst, ich bin mich selbst zu loben, auch

Nicht faul. Ich dünk mich meiner Freunde wert.

Das hätte Menschen geben sollen! das!

Sittah.

Hab ich des schönen Traums nicht gleich gelacht?

Du kennst die Christen nicht, willst sie nicht kennen.

Ihr Stolz ist: Christen sein; nicht Menschen. Denn

Selbst das, was, noch von ihrem Stifter her,

Mit Menschlichkeit den Aberglauben würzt,

Das lieben sie, nicht weil es menschlich ist:

Weil's Christus lehrt; weil's Christus hat getan.--

Wohl ihnen, daß er so ein guter Mensch

Noch war! Wohl ihnen, daß sie seine Tugend

Auf Treu und Glaube nehmen können!--Doch

Was Tugend?--Seine Tugend nicht; sein Name

Soll überall verbreitet werden; soll

Die Namen aller guten Menschen schänden,

Verschlingen. Um den Namen, um den Namen

Ist ihnen nur zu tun.

Saladin. Du meinst: warum

Sie sonst verlangen würden, daß auch ihr,

Auch du und Melek, Christen hießet, eh'

Als Ehgemahl ihr Christen lieben wolltet?

Sittah.

Jawohl! Als wär' von Christen nur, als Christen,

Die Liebe zu gewärtigen, womit

Der Schöpfer Mann und Männin ausgestattet!

Saladin.

Die Christen glauben mehr Armseligkeiten,

Als daß sie die nicht auch noch glauben könnten!

Und gleichwohl irrst du dich.--Die Tempelherren,

Die Christen nicht, sind schuld: sind nicht, als Christen,

Als Tempelherren schuld. Durch die allein

Wird aus der Sache nichts. Sie wollen Acca,

Das Richards Schwester unserm Bruder Melek

Zum Brautschatz bringen müßte, schlechterdings

Nicht fahren lassen. Daß des Ritters Vorteil

Gefahr nicht laufe, spielen sie den Mönch,

Den albern Mönch. Und ob vielleicht im Fluge

Ein guter Streich gelänge: haben sie

Des Waffenstillestandes Ablauf kaum

Erwarten können.--Lustig! Nur so weiter!

Ihr Herren, nur so weiter!--Mir schon recht!--

Wär' alles sonst nur, wie es müßte.

Sittah. Nun?

Was irrte dich denn sonst? Was könnte sonst

Dich aus der Fassung bringen?

Saladin. Was von je

Mich immer aus der Fassung hat gebracht.--

Ich war auf Libanon, bei unserm Vater.

Er unterliegt den Sorgen noch...

Sittah. O weh!

Saladin.

Er kann nicht durch; es klemmt sich allerorten;

Es fehlt bald da, bald dort--

Sittah. Was klemmt? was fehlt?

Saladin.

Was sonst, als was ich kaum zu nennen würd'ge?

Was, wenn ich's habe, mir so überflüssig,

Und hab ich's nicht, so unentbehrlich scheint.--

Wo bleibt Al-Hafi denn? Ist niemand nach

Ihm aus?--Das leidige, verwünschte Geld!--

Gut, Hafi, daß du kömmst.

Nathan der Weise: Ein Dramatisches Gedicht, in fünf Aufzügen · 第 15 / 60 题