Als Wilhelm nach dem Schlosse kam, fand er den edlen Lothario auf dem
Wege der völligen Besserung; der Arzt und der Abbe waren nicht zugegen,
Jarno allein war geblieben. In kurzer Zeit ritt der Genesende schon
wieder aus, bald allein, bald mit seinen Freunden. Sein Gespräch war
ernsthaft und gefällig, seine Unterhaltung belehrend und erquickend;
oft bemerkte man Spuren einer zarten Fühlbarkeit, ob er sie gleich zu
verbergen suchte und, wenn sie sich wider seinen Willen zeigte, beinah
zu mißbilligen schien.
So war er eines Abends still bei Tische, ob er gleich heiter aussah.
"Sie haben heute gewiß ein Abenteuer gehabt", sagte endlich Jarno,
"und zwar ein angenehmes."
"Wie Sie sich auf Ihre Leute verstehen!" versetzte Lothario. "Ja, es
ist mir ein sehr angenehmes Abenteuer begegnet. Zu einer andern Zeit
hätte ich es vielleicht nicht so reizend gefunden als diesmal, da es
mich so empfänglich antraf. Ich ritt gegen Abend jenseit des Wassers
durch die Dörfer, einen Weg, den ich oft genug in frühern Jahren
besucht hatte. Mein körperliches Leiden muß mich mürber gemacht haben,
als ich selbst glaubte: ich fühlte mich weich und bei wieder
auflebenden Kräften wie neugeboren. Alle Gegenstände erschienen mir
in ebendem Lichte, wie ich sie in frühern Jahren gesehen hatte, alle
so lieblich, so anmutig, so reizend, wie sie mir lange nicht
erschienen sind. Ich merkte wohl, daß es Schwachheit war; ich ließ
mir sie aber ganz wohl gefallen, ritt sachte hin, und es wurde mir
ganz begreiflich, wie Menschen eine Krankheit liebgewinnen können,
welche uns zu süßen Empfindungen stimmt. Sie wissen vielleicht, was
mich ehemals so oft diesen Weg führte?"
"Wenn ich mich recht erinnere", versetzte Jarno, "so war es ein
kleiner Liebeshandel, der sich mit der Tochter eines Pachters
entspannen hatte."
"Man dürfte es wohl einen großen nennen", versetzte Lothario; "denn
wir hatten uns beide sehr lieb, recht im Ernste, und auch ziemlich
lange. Zufälligerweise traf heute alles zusammen, mir die ersten
Zeiten unserer Liebe recht lebhaft darzustellen. Die Knaben
schüttelten eben wieder Maikäfer von den Bäumen, und das Laub der
Eschen war eben nicht weiter als an dem Tage, als ich sie zum
erstenmal sah. Nun war es lange, daß ich Margareten nicht gesehen
habe, denn sie ist weit weg verheiratet, nun hörte ich zufällig, sie
sei mit ihren Kindern vor wenigen Wochen gekommen, ihren Vater zu
besuchen."
"So war ja wohl dieser Spazierritt nicht so ganz zufällig?"
"Ich leugne nicht", sagte Lothario, "daß ich sie anzutreffen wünschte.
Als ich nicht weit von dem Wohnhaus war, sah ich ihren Vater vor der
Türe sitzen; ein Kind von ungefähr einem Jahre stand bei ihm. Als ich
mich näherte, sah eine Frauensperson schnell oben zum Fenster heraus,
und als ich gegen die Türe kam, hörte ich jemand die Treppe
herunterspringen. Ich dachte gewiß, sie sei es, und, ich will's nur
gestehen, ich schmeichelte mir, sie habe mich erkannt und sie komme
mir eilig entgegen. Aber wie beschämt war ich, als sie zur Türe
heraussprang, das Kind, dem die Pferde näher kamen, anfaßte und in das
Haus hineintrug. Es war mir eine unangenehme Empfindung, und nur
wurde meine Eitelkeit ein wenig getröstet, als ich, wie sie
hinwegeilte, an ihrem Nacken und an dem freistehenden Ohr eine
merkliche Röte zu sehen glaubte.
Ich hielt still und sprach mit dem Vater und schielte indessen an den
Fenstern herum, ob sie sich nicht hier oder da blicken ließe; allein
ich bemerkte keine Spur von ihr. Fragen wollt ich auch nicht, und so
ritt ich vorbei. Mein Verdruß wurde durch Verwunderung einigermaßen
gemildert: denn ob ich gleich kaum das Gesicht gesehen hatte, so
schien sie mir fast gar nicht verändert, und zehn Jahre sind doch eine
Zeit! ja sie schien mir jünger, ebenso schlank, ebenso leicht auf den
Füßen, der Hals womöglich noch zierlicher als vorher, ihre Wange
ebenso leicht der liebenswürdigen Röte empfänglich, dabei Mutter von
sechs Kindern, vielleicht noch von mehrern. Es paßte diese
Erscheinung so gut in die übrige Zauberwelt, die mich umgab, daß ich
um so mehr mit einem verjüngten Gefühl weiterritt und an dem nächsten
Walde erst umkehrte, als die Sonne im Untergehen war. Sosehr mich
auch der fallende Tau an die Vorschrift des Arztes erinnerte und es
wohl rätlicher gewesen wäre, gerade nach Hause zu kehren, so nahm ich
doch wieder meinen Weg nach der Seite des Pachthofs zurück. Ich
bemerkte, daß ein weibliches Geschöpf in dem Garten auf und nieder
ging, der mit einer leichten Hecke umzogen ist. Ich ritt auf dem
Fußpfade nach der Hecke zu, und ich fand mich eben nicht weit von der
Person, nach der ich verlangte.
Ob mir gleich die Abendsonne in den Augen lag, sah ich doch, daß sie
sich am Zaune beschäftigte, der sie nur leicht bedeckte. Ich glaubte
meine alte Geliebte zu erkennen. Da ich an sie kam, hielt ich still,
nicht ohne Regung des Herzens. Einige hohe Zweige wilder Rosen, die
eine leise Luft hin und her wehte, machten mir ihre Gestalt undeutlich.
Ich redete sie an und fragte, wie sie lebe. Sie antwortete mir mit
halber Stimme: "Ganz wohl". Indes bemerkte ich, daß ein Kind hinter
dem Zaune beschäftigt war, Blumen auszureißen, und nahm die
Gelegenheit, sie zu fragen, wo denn ihre übrigen Kinder seien. "Es
ist nicht mein Kind", sagte sie, "das wäre früh!" und in diesem
Augenblick schickte sich's, daß ich durch die Zweige ihr Gesicht genau
sehen konnte, und ich wußte nicht, was ich zu der Erscheinung sagen
sollte. Es war meine Geliebte und war es nicht. Fast jünger, fast
schöner, als ich sie vor zehen Jahren gekannt hatte. "Sind Sie denn
nicht die Tochter des Pachters?" fragte ich halb verwirrt. "Nein",
sagte sie, "ich bin ihre Muhme."
"Aber Sie gleichen einander so außerordentlich", versetzte ich.
"Das sagt jedermann, der sie vor zehen Jahren gekannt hat."
Ich fuhr fort, sie verschiedenes zu fragen; mein Irrtum war mir
angenehm, ob ich ihn gleich schon entdeckt hatte. Ich konnte mich von
dem lebendigen Bilde voriger Glückseligkeit, das vor mir stand, nicht
losreißen. Das Kind hatte sich indessen von ihr entfernt und war,
Blumen zu suchen, nach dem Teiche gegangen. Sie nahm Abschied und
eilte dem Kinde nach.
Indessen hatte ich doch erfahren, daß meine alte Geliebte noch
wirklich in dem Hause ihres Vaters sei, und indem ich ritt,
beschäftigte ich mich mit Mutmaßungen, ob sie selbst oder die Muhme
das Kind vor den Pferden gesichert habe. Ich wiederholte mir die
ganze Geschichte mehrmals im Sinne, und ich wüßte nicht leicht, daß
irgend etwas angenehmer auf mich gewirkt hätte. Aber ich fühle wohl,
ich bin noch krank, und wir wollen den Doktor bitten, daß er uns von
dem überreste dieser Stimmung erlöse."
Es pflegt in vertraulichen Bekenntnissen anmutiger Liebesbegebenheiten
wie mit Gespenstergeschichten zu gehen: ist nur erst eine erzählt, so
fließen die übrigen von selbst zu.
Unsere kleine Gesellschaft fand in der Rückerinnerung vergangener
Zeiten manchen Stoff dieser Art. Lothario hatte am meisten zu
erzählen. Jarnos Geschichten trugen alle einen eigenen Charakter, und
was Wilhelm zu gestehen hatte, wissen wir schon. Indessen war ihm
bange, daß man ihn an die Geschichte mit der Gräfin erinnern möchte;
allein niemand dachte derselben auch nur auf die entfernteste Weise.
"Es ist wahr", sagte Lothario, "angenehmer kann keine Empfindung in
der Welt sein, als wenn das Herz nach einer gleichgültigen Pause sich
der Liebe zu einem neuen Gegenstande wieder öffnet, und doch wollt ich
diesem Glück für mein Leben entsagt haben, wenn mich das Schicksal mit
Theresen hätte verbinden wollen. Man ist nicht immer Jüngling, und
man sollte nicht immer Kind sein. Dem Manne, der die Welt kennt, der
weiß, was er darin zu tun, was er von ihr zu hoffen hat, was kann ihm
erwünschter sein, als eine Gattin zu finden, die überall mit ihm wirkt
und die ihm alles vorzubereiten weiß, deren Tätigkeit dasjenige
aufnimmt, was die seinige liegenlassen muß, deren Geschäftigkeit sich
nach allen Seiten verbreitet, wenn die seinige nur einen geraden Weg
fortgehen darf. Welchen Himmel hatte ich mir mit Theresen geträumt!
nicht den Himmel eines schwärmerischen Glücks, sondern eines sichern
Lebens auf der Erde: Ordnung im Glück, Mut im Unglück, Sorge für das
Geringste, und eine Seele, fähig, das Größte zu fassen und wieder
fahrenzulassen. Oh! ich sah in ihr gar wohl die Anlagen, deren
Entwickelung wir bewundern, wenn wir in der Geschichte Frauen sehen,
die uns weit vorzüglicher als alle Männer erscheinen: diese Klarheit
über die Umstände, diese Gewandtheit in allen Fällen, diese Sicherheit
im einzelnen, wodurch das Ganze sich immer so gut befindet, ohne daß
sie jemals daran zu denken scheinen. Sie können wohl", fuhr er fort,
indem er sich lächelnd gegen Wilhelmen wendete, "mir verzeihen, wenn
Therese mich Aurelien entführte: mit jener konnte ich ein heitres
Leben hoffen, da bei dieser auch nicht an eine glückliche Stunde zu
denken war."
"Ich leugne nicht", versetzte Wilhelm, "daß ich mit großer Bitterkeit
im Herzen gegen Sie hierhergekommen hin und daß ich mir vorgenommen
hatte, Ihr Betragen gegen Aurelien sehr streng zu tadeln."
"Auch verdient es Tadel", sagte Lothario; "ich hätte meine
Freundschaft zu ihr nicht mit dem Gefühl der Liebe verwechseln sollen,
ich hätte nicht an die Stelle der Achtung, die sie verdiente, eine
Neigung eindrängen sollen, die sie weder erregen noch erhalten konnte.
Ach! sie war nicht liebenswürdig, wenn sie liebte, und das ist das
größte Unglück, das einem Weibe begegnen kann."
"Es sei drum", erwiderte Wilhelm, "wir können nicht immer das
Tadelnswerte vermeiden, nicht vermeiden, daß unsere Gesinnungen und
Handlungen auf eine sonderbare Weise von ihrer natürlichen und guten
Richtung abgelenkt werden; aber gewisse Pflichten sollten wir niemals
aus den Augen setzen. Die Asche der Freundin ruhe sanft; wir wollen,
ohne uns zu schelten und sie zu tadeln, mitleidig Blumen auf ihr Grab
streuen. Aber bei dem Grabe, in welchem die unglückliche Mutter ruht,
lassen Sie mich fragen, warum Sie sich des Kindes nicht annehmen?
eines Sohnes, dessen sich jedermann erfreuen würde und den Sie ganz
und gar zu vernachlässigen scheinen. Wie können Sie bei Ihren reinen
und zarten Gefühlen das Herz eines Vaters gänzlich verleugnen? Sie
haben diese ganze Zeit noch mit keiner Silbe an das köstliche Geschöpf
gedacht, von dessen Anmut so viel zu erzählen wäre."
"Von wem reden Sie?" versetzte Lothario, "ich verstehe Sie nicht."
"Von wem anders als von Ihrem Sohne, dem Sohne Aureliens, dem schönen
Kinde, dem zu seinem Glücke nichts fehlt, als daß ein zärtlicher Vater
sich seiner annimmt?"
"Sie irren sehr, mein Freund", rief Lothario; "Aurelie hatte keinen
Sohn, am wenigsten von mir, ich weiß von keinem Kinde, sonst würde ich
mich dessen mit Freuden annehmen; aber auch im gegenwärtigen Falle
will ich gern das kleine Geschöpf als eine Verlassenschaft von ihr
ansehen und für seine Erziehung sorgen. Hat sie sich denn irgend
etwas merken lassen, daß der Knabe ihr, daß er mir zugehöre?"
"Nicht daß ich mich erinnere, ein ausdrückliches Wort von ihr gehört
zu haben, es war aber einmal so angenommen, und ich habe nicht einen
Augenblick daran gezweifelt."
"Ich kann", fiel Jarno ein, "einigen Aufschluß hierüber geben. Ein
altes Weib, das Sie oft müssen gesehen haben, brachte das Kind zu
Aurelien, sie nahm es mit Leidenschaft auf und hoffte ihre Leiden
durch seine Gegenwart zu lindern: auch hat es ihr manchen vergnügten
Augenblick gemacht."
Wilhelm war durch diese Entdeckung sehr unruhig geworden, er gedachte
der guten Mignon neben dem schönen Felix auf das lebhafteste, er
zeigte seinen Wunsch, die beiden Kinder aus der Lage, in der sie sich
befanden, herauszuziehen.
"Wir wollen damit bald fertig sein", versetzte Lothario. "Das
wunderliche Mädchen übergeben wir Theresen, sie kann unmöglich in
bessere Hände geraten, und was den Knaben betrifft, den, dächt ich,
nähmen Sie selbst zu sich: denn was sogar die Frauen an uns ungebildet
zurücklassen, das bilden die Kinder aus, wenn wir uns mit ihnen
abgeben."
"überhaupt dächte ich", versetzte Jarno, "Sie entsagten kurz und gut
dem Theater, zu dem Sie doch einmal kein Talent haben."
Wilhelm war betroffen; er mußte sich zusammennehmen, denn Jarnos harte
Worte hatten seine Eigenliebe nicht wenig verletzt. "Wenn Sie mich
davon überzeugen", versetzte er mit gezwungenem Lächeln, "so werden
Sie mir einen Dienst erweisen, ob es gleich nur ein trauriger Dienst
ist, wenn man uns aus einem Lieblingstraume aufschüttelt."
"Ohne viel weiter darüber zu reden", versetzte Jarno, "möchte ich Sie
nur antreiben, erst die Kinder zu holen; das übrige wird sich schon
geben."
"Ich bin bereit dazu", versetzte Wilhelm, "ich bin unruhig und
neugierig, ob ich nicht von dem Schicksal des Knaben etwas Näheres
entdecken kann; ich verlange das Mädchen wiederzusehen, das sich mit
so vieler Eigenheit an mich angeschlossen hat."
Man ward einig, daß er bald abreisen sollte.
Den andern Tag hatte er sich dazu vorbereitet, das Pferd war gesattelt,
nur wollte er noch von Lothario Abschied nehmen. Als die Eßzeit
herbeikam, setzte man sich wie gewöhnlich zu Tische, ohne auf den
Hausherrn zu warten; er kam erst spät und setzte sich zu ihnen.
"Ich wollte wetten", sagte Jarno, "Sie haben heute Ihr zärtliches Herz
wieder auf die Probe gestellt, Sie haben der Begierde nicht
widerstehen können, Ihre ehemalige Geliebte wiederzusehen."
"Erraten!" versetzte Lothario.
"Lassen Sie uns hören", sagte Jarno, "wie ist es abgelaufen? Ich bin
äußerst neugierig."
"Ich leugne nicht", versetzte Lothario, "daß mir das Abenteuer mehr
als billig auf dem Herzen lag; ich faßte daher den Entschluß, nochmals
hinzureiten und die Person wirklich zu sehen, deren verjüngtes Bild
mir eine so angenehme Illusion gemacht hatte. Ich stieg schon in
einiger Entfernung vom Hause ab und ließ die Pferde beiseite führen,
um die Kinder nicht zu stören, die vor dem Tore spielten. Ich ging in
das Haus, und von ungefähr kam sie mir entgegen, denn sie war es
selbst, und ich erkannte sie ungeachtet der großen Veränderung wieder.
Sie war stärker geworden und schien größer zu sein; ihre Anmut
blickte durch ein gesetztes Wesen hindurch, und ihre Munterkeit war in
ein stilles Nachdenken übergegangen. Ihr Kopf, den sie sonst so
leicht und frei trug, hing ein wenig gesenkt, und leise Falten waren
über ihre Stirne gezogen.
Sie schlug die Augen nieder, als sie mich sah, aber keine Röte
verkündigte eine innere Bewegung des Herzens. Ich reichte ihr die
Hand, sie gab mir die ihrige; ich fragte nach ihrem Manne, er war
abwesend; nach ihren Kindern, sie trat an die Türe und rief sie herbei,
alle kamen und versammelten sich um sie. Es ist nichts reizender,
als eine Mutter zu sehen mit einem Kinde auf dem Arme, und nichts
ehrwürdiger als eine Mutter unter vielen Kindern. Ich fragte nach den
Namen der Kleinen, um doch nur etwas zu sagen; sie bat mich,
hineinzutreten und auf ihren Vater zu warten. Ich nahm es an; sie
führte mich in die Stube, wo ich beinahe noch alles auf dem alten
Platze fand, und--sonderbar! die schöne Muhme, ihr Ebenbild, saß auf
ebendem Schemel hinter dem Spinnrocken, wo ich meine Geliebte in
ebender Gestalt so oft gefunden hatte. Ein kleines Mädchen, das
seiner Mutter vollkommen glich, war uns nachgefolgt, und so stand ich
in der sonderbarsten Gegenwart, zwischen der Vergangenheit und Zukunft,
wie in einem Orangenwalde, wo in einem kleinen Bezirk Blüten und
Früchte stufenweis nebeneinander leben. Die Muhme ging hinaus, einige
Erfrischung zu holen, ich gab dem ehemals so geliebten Geschöpfe die
Hand und sagte zu ihr: "Ich habe eine rechte Freude, Sie wiederzusehen.
"--"Sie sind sehr gut, mir das zu sagen", versetzte sie; "aber auch
ich kann Ihnen versichern, daß ich eine unaussprechliche Freude habe.
Wie oft habe ich mir gewünscht, Sie nur noch einmal in meinem Leben
wiederzusehen; ich habe es in Augenblicken gewünscht, die ich für
meine letzten hielt." Sie sagte das mit einer gesetzten Stimme, ohne
Rührung, mit jener Natürlichkeit, die mich ehemals so sehr an ihr
entzückte. Die Muhme kam wieder, ihr Vater dazu--und ich überlasse
euch zu denken, mit welchem Herzen ich blieb und mit welchem ich mich
entfernte."