19. December.

Wieder auf unserem alten Schiffe zu sein, ohne Zwang, ohne Etiquette,

ohne den in den Tropen unerträglichen Frack, wieder die gemüthlichen

Morgenplaudereien mit dem guten Mersa und das stundenlange Nichtsthun

auf Deck ist ein Genuss nach den gehetzten Tagen unseres Aufenthaltes

in Bombay, der correcten Stadt, wo sich jeder Engländer nachmittags von

seinem Diener den Cylinder oder braunen steifen Hut nachtragen lässt, um

ihn Schlag 5 Uhr statt des Solar Topee aufzusetzen, wenn die Sonne auch

noch so heiss brennt, -- nach 5 Uhr darf von Jedem qui se respecte kein

»Pithhat« getragen werden! Die zahlreichen Passagiere des »Poseidon«

sind sehr zusammengeschrumpft, es bleiben nur die Gesandtschaft, Freund

Pertile, ein Reichsdeutscher ohne Vorderzähne, der, von Buschiri-ben-Salim

und seinen Arabern aus den Pflanzungen der deutschen ostafrikanischen

Gesellschaft bei Pandani vertrieben, versuchen will, in Sumatra oder Borneo

Kaffee zu bauen; ferner ein Franzose aus Kaschmir, der von Hirschjagden

im tiefen Schnee erzählt und dadurch unseren Neid erregt, und ein junger

Engländer, der in Ceylon Theepflanzungen besitzt. Wir tragen mit Wonne

unsere neuen Khakikleider, d. h. drapleinene Hosen und bis zum Halse

zugeknöpfte Jacken, dann noch Strümpfe und weisse Leinenschuhe -- sonst

gar nichts! Temperatur 32° C. im Schatten, wie wird das wohl im Sommer

sein? Coudenhove dürfte, wie man mir sagt, in Mysore wenig Glück mit

Tigern haben: es ist für die Bestien jetzt viel zu kalt!

Abends erzählt mir Pertile als Neuigkeit seinen Streit mit Brand!

Meine Reise nach Siam 1888-1889. Aufzeichnungen des k. und k. Legationsrathes Dr. J. Camille Samson · 第 28 / 54 题