12. December.

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#Bombay.# -- Der »Poseidon« hat vor dem Apollo Bunder Anker geworfen, von

Passagieren und Officieren wird herzlicher Abschied genommen, auch von dem

eben erscheinenden Oberst Mackenzie (Bruder des Leiters der East African

Co.); -- ein dicker Parsee, dem ich ein Trinkgeld geben will, der aber,

wie ich höre, der Besitzer von 4 Lacs (400.000 Rupien) sein soll,

bringt unser Gepäck in Ordnung, und endlich um 7 Uhr dampfen Biegeleben,

Sapieha, Coudenhove und ich in der Barkasse der Lloyd-Agentie ans Land

und sind bald darauf in dem riesigen, aber im Umbau begriffenen Watson's

Esplanade Hôtel einquartiert. Nun beginnt ein harter Tag. Sapieha und ich

stürzen uns sofort in die verschiedensten Läden; es ist keine Zeit zu

verlieren, da wir in drei Tagen mit der »Thisbe« weiter fahren sollen;

also zuerst zu Asquith & Lord um Solar Topees, grosse Sonnenhüte mit

blauen golddurchwirkten Puggarees, um seidene Hemden und Cravatten, zu

Treacher & Co. im Rampart Row um Patronen, zu Badham Pile um weisse

Leinenschuhe, zum Hinduschneider Lacka in Medow Street um drapfarbige

Kháki-Anzüge und Pujamees, zum Zahnarzt Walton und zum Haarschneider

u. s. w. Im öst.-ung. Generalconsulat treffen wir den charmanten

Stockinger und dessen Viceconsul Prumler, sowie zwei tagsvorher angekommene

Landsleute, Grafen Géza Széchényi und Grafen Ernst Hoyos, beide von

ihrer amerikanischen Reise aus mir wohlbekannt, -- sie kommen zur Tigerjagd

und sind mit über 70 Empfehlungsbriefen ausgerüstet, darunter vom

deutschen Kaiser, der Königin Victoria u. s. w. Nach dem Tiffin fahre

ich mit Biegeleben nach dem wundervoll gelegenen Malabar Point, um

beim Gouverneur Lord Reay Karten abzugeben, und dann zum monumentalen

Victoria-Terminus, wohl dem schönsten Bahnhofe der Welt, eher einer

gothischen Kathedrale gleich, um die Ankunft des aus Indien scheidenden

Lord Dufferin mitzumachen. Tausende von Zuschauern, alle Farben in

Costümen und Haut, weisse, schwarze, gelbe, braune, röthliche Gesichter,

Parsees mit ihren schwarzen Schornsteinhüten, Guzeratees, Bengalees in

weissen enganliegenden Mousselinkleidern, Punjabees in Blau und Gold,

Afridis in Braun, kurz der Regenbogen in allen Schattirungen, wie

Mantegazza sagt: »eine Orgie von Menschenfleisch«. -- Vicekönig und

Gouverneur rollen in sechsspännigen Wagen vorbei, von prächtigen roth und

goldenen Lanzenreitern umgeben, dahinter Punjabees in Roth, Nachkommen

der Sikhs, und Ghoorkas zu Fuss in braunen Uniformen und riesigen Turbans,

gedrungene kräftige Gestalten von ausgeprägt mongolischem Typus. -- Der

erste Eindruck Indiens ist überwältigend, viel mehr so als Egypten, da

hier die tropische Vegetation beiträgt, die riesigen Banianen, ~Ficus

religiosa~, die Cocospalmen, die Toddypalmen, die Arecapalmen, die

prachtvollen rothen Blumen, grüne Papageien, welche die Rolle der

Spatzen zu übernehmen scheinen, die Flederfüchse, die von den Aesten

herabhängen. -- Abends Diner im Royal Yachtclub mit Biegeleben, Hoyos und

Széchényi und dann mit ersterem zum Theater, wo eine Amateurtruppe zu

wohlthätigem Zwecke die »School for Scandal« aufführt. Vicekönig und

Marchioness of Dufferin, Maharajas mit Diamanten und anderen Edelsteinen

besäet, Reays, enfin »tout Bombay«. -- Um 12 Uhr Rückkehr zu Watsons,

-- ein schöner Arbeitstag! Noch viele solche und ich gleite ins »kühle

Grab«, wohl der einzige Ort, der hier kühl ist.

Meine Reise nach Siam 1888-1889. Aufzeichnungen des k. und k. Legationsrathes Dr. J. Camille Samson · 第 22 / 54 题