4. December.

In der Frühe sehen wir die Minarets von _Mocha_. Arabien erscheint als

ein kahler gelber Streif, im Hintergrunde eine bläuliche Gebirgskette.

Um Mittag nähern sich beide Ufer, das arabische ist ganz nahe; öde

röthliche Felsen, sehr zerklüftet, nicht ein Haus, kein Baum; das

afrikanische, von dem wir etwas weiter entfernt sind, scheint auch nicht

fruchtbarer zu sein. Vor uns die Insel Perim mit ihrer kleinen Festung,

an der Nordspitze ragen die Maste eines grossen Dampfers aus dem Wasser,

daneben liegen noch drei Wracks, -- wir sind eben in _Bab-el-Mandeb_, im

Thore der Thränen, wo seit Jahrtausenden die Schiffe zugrunde gehen. Auf

Perim ist eine Garnison von 30 Sepoys und einem Lieutenant, der -- einer

Erzählung der Mrs. Mackenzie zufolge -- zuweilen ruhig in England wohnen

soll, indessen seine vorher sorgsam vorbereiteten Berichte alle Monate von

Perim aus abgeschickt werden. Der Verkehr mit der Insel ist sehr dürftig,

in letzterer Zeit halten allerdings einige nach Australien und Ceylon

bestimmte Dampfer lieber dort als in dem entfernten Aden, um die nöthigen

Kohlen einzunehmen. Im Jahre 1855 kam ein französisches Kanonenboot nach

Aden, wo die Officiere auf das gastlichste aufgenommen wurden; bei einem

vom Militärcommandanten gegebenen Bankette erzählten die Franzosen von

ihrer am kommenden Morgen bevorstehenden Abfahrt, -- um das Ziel ihrer

Reise befragt, entwischte dem bereits angeheiterten Capitän der Name

»Perim«! Als am nächsten Tage die Franzosen vor dieser Insel erschienen,

war daselbst bereits die englische Flagge gehisst, und englische Soldaten

waren eifrigst beschäftigt, Erdarbeiten aufzuwerfen. So wurde Napoleons

Plan vereitelt, und die Engländer beherrschen den Eingang ins Rothe Meer.

-- Links an der äussersten Südspitze des Festlandes erscheinen die neuen

weissgetünchten Kasernen von Scheik Selim, »Saleya«, welche soeben von

der türkischen Regierung errichtet worden sind, -- ein grauenvoller Posten

für die armen Nizams. -- Perim bleibt rechts liegen, wir ändern unsere

Richtung nach Osten und befinden uns im indischen Ocean. -- Es ist

verhältnismässig kalt, 31° C. im Schatten, und wir athmen alle

erleichtert auf, der Nordost-Monsum ist unser Retter! Um Mitternacht fällt

die Ankerkette rasselnd ins Meer: wir sind in Aden.

Meine Reise nach Siam 1888-1889. Aufzeichnungen des k. und k. Legationsrathes Dr. J. Camille Samson · 第 15 / 54 题