In der Frühe sehen wir die Minarets von _Mocha_. Arabien erscheint als
ein kahler gelber Streif, im Hintergrunde eine bläuliche Gebirgskette.
Um Mittag nähern sich beide Ufer, das arabische ist ganz nahe; öde
röthliche Felsen, sehr zerklüftet, nicht ein Haus, kein Baum; das
afrikanische, von dem wir etwas weiter entfernt sind, scheint auch nicht
fruchtbarer zu sein. Vor uns die Insel Perim mit ihrer kleinen Festung,
an der Nordspitze ragen die Maste eines grossen Dampfers aus dem Wasser,
daneben liegen noch drei Wracks, -- wir sind eben in _Bab-el-Mandeb_, im
Thore der Thränen, wo seit Jahrtausenden die Schiffe zugrunde gehen. Auf
Perim ist eine Garnison von 30 Sepoys und einem Lieutenant, der -- einer
Erzählung der Mrs. Mackenzie zufolge -- zuweilen ruhig in England wohnen
soll, indessen seine vorher sorgsam vorbereiteten Berichte alle Monate von
Perim aus abgeschickt werden. Der Verkehr mit der Insel ist sehr dürftig,
in letzterer Zeit halten allerdings einige nach Australien und Ceylon
bestimmte Dampfer lieber dort als in dem entfernten Aden, um die nöthigen
Kohlen einzunehmen. Im Jahre 1855 kam ein französisches Kanonenboot nach
Aden, wo die Officiere auf das gastlichste aufgenommen wurden; bei einem
vom Militärcommandanten gegebenen Bankette erzählten die Franzosen von
ihrer am kommenden Morgen bevorstehenden Abfahrt, -- um das Ziel ihrer
Reise befragt, entwischte dem bereits angeheiterten Capitän der Name
»Perim«! Als am nächsten Tage die Franzosen vor dieser Insel erschienen,
war daselbst bereits die englische Flagge gehisst, und englische Soldaten
waren eifrigst beschäftigt, Erdarbeiten aufzuwerfen. So wurde Napoleons
Plan vereitelt, und die Engländer beherrschen den Eingang ins Rothe Meer.
-- Links an der äussersten Südspitze des Festlandes erscheinen die neuen
weissgetünchten Kasernen von Scheik Selim, »Saleya«, welche soeben von
der türkischen Regierung errichtet worden sind, -- ein grauenvoller Posten
für die armen Nizams. -- Perim bleibt rechts liegen, wir ändern unsere
Richtung nach Osten und befinden uns im indischen Ocean. -- Es ist
verhältnismässig kalt, 31° C. im Schatten, und wir athmen alle
erleichtert auf, der Nordost-Monsum ist unser Retter! Um Mitternacht fällt
die Ankerkette rasselnd ins Meer: wir sind in Aden.