ILLUSTRIRT VON LUDWIG HANS FISCHER.

[Illustration: ALS MANUSCRIPT GEDRUCKT.]

Adolf Holzhausen in Wien.

[Illustration: James Camille Samson]

~Vorwort.~

~Die folgenden Blätter enthalten Aufzeichnungen unseres früh

verschiedenen Freundes über eine im Jahre 1888 unternommene Reise nach

Siam. Er war damals dem für die drei ostasiatischen Höfe ernannten

Gesandten Freiherrn Rüdiger von Biegeleben, und zwar speciell für

Siam zugetheilt; so, dass seine officielle Mission in Bangkok ihr Ende

erreichte.~

~Diese unter dem Eindrucke des Augenblickes hingeworfenen Skizzen waren

nur für seine geliebte Mutter bestimmt, die sich nun entschlossen hat, sie

einem Kreise von Freunden als Erinnerungsgabe zu widmen.~

~Ich würde mich glücklich schätzen, wenn meine Bitten zu diesem

Entschlusse meiner verehrten Freundin beigetragen hätten.~

~Eine reiche Fülle lebensvoller Bilder und Scenen rollt sich vor uns

auf, alle mit wenigen Strichen rasch und sicher festgehalten. Ein ebenso

empfängliches als im Sehen geübtes Auge hat sie aufgenommen; überall ist

das Wesentliche und Charakteristische herausgegriffen.~

~Die Intensität und Unmittelbarkeit der Auffassung spiegelt sich in dem

knappen, frischen, glücklichen Ausdrucke wieder; überall herrscht die

gleiche Fülle; nirgends ein Uebermass, nirgends eine Abnahme, überall

ein richtiges Verhältnis zwischen der launigen Erzählung persönlicher

Erlebnisse und der objectiven Darstellung.~

~Als Höhepunkt des Ganzen erscheint der höchst interessante Bericht

über den Empfang am siamesischen Hofe, sowie die prächtige, an treffenden

Zügen so reiche Schilderung von Bangkok, dem Venedig des fernen Ostens.~

~Die täglichen kleinen Leiden und Freuden der auf dem »Poseidon«

zusammengedrängten Reisegesellschaft bilden einen wirkungsvollen Gegensatz

zu der stillen Majestät grossartiger Naturgebilde, an denen diese kleine

unruhige Menschenwelt vorüberzieht.~

~Die liebe Gestalt unseres Freundes bildet für uns den Mittelpunkt dieser

kleinen Welt, die er mit dem gleichen Humor zu zeichnen weiss, mit dem er

alle Beschwerden der Reise erträgt.~

~Keine Anstrengung ist ihm zu gross, wenn Gelegenheit geboten ist, den

Kreis seiner Anschauungen zu erweitern.~

~Seine gute Laune macht nur dann der Entrüstung Platz, wenn er Menschen

begegnet, die mitten unter den Wundern einer fremden Welt in stumpfer

Gleichgiltigkeit und unbegreiflicher Unwissenheit verharren und nur für

ihre nächsten Interessen Sinn haben.~

~Vor Allem aber ist er darauf bedacht, allen amtlichen und socialen

Pflichten seiner Stellung im vollsten Umfange gerecht zu werden; auch

die grösste Ermüdung, vereint mit der heissesten Temperatur der Tropen,

vermag in ihm, der das bereits vorgeschrittene schwere Leiden in sich trug,

nicht einmal den Gedanken eines Nachgebens hervorzurufen.~

~So hat unser Freund unabsichtlich sich selbst dargestellt, wie wir ihn

kannten, liebten und schätzten, und wie er in unserem Andenken fortlebt.~

~Mögen die Blätter, denen diese schlichten Worte zur Einleitung dienen,

auch nach uns empfänglichen Lesern in die Hände kommen, die sich daran

erfreuen und vielleicht manche fruchtbringende Anregung daraus schöpfen.

Diesen späteren Lesern wird die nachstehende biographische Skizze gewiss

willkommen sein.~

~Noch möchte ich hinzufügen, dass an dem Manuscripte nur die bei jeder

Drucklegung unvermeidlichen kleinen Correcturen vorgenommen wurden.~

~Hie und da vorkommende heimische Redewendungen wurden belassen, um das

Gepräge frischer Ursprünglichkeit nirgends zu verwischen.~

~Venedig, im März 1901.~

~Carl Ritter von Gsiller.~

Biographische Skizze.

_James Camille Samson_ wurde am 18. October 1856 zu _New-York_ geboren,

das seine Eltern jedoch zwei Jahre nach seiner Geburt verliessen, um in

Wien ihren Wohnsitz aufzuschlagen.

Im Alter von 18 Jahren verlor er seinen Vater.

Nach Absolvirung der rechts- und staatswissenschaftlichen Studien widmete

er sich zunächst dem diplomatischen Dienste der Vereinigten Staaten, deren

Bürger er noch war, und wurde der amerikanischen Gesandtschaft in Wien

zugetheilt.

Sein damaliger Chef Mr. Kasson ist zeitlebens sein Freund geblieben.

Im Jahre 1879 trat er eine mehrmonatliche Reise an, die ihn nach den

Vereinigten Staaten, nach Canada und bis zum Stillen Ocean führte.

Mit erweitertem Horizonte zurückgekehrt, beschloss er, unserem Lande ganz

anzugehören und ihm seine Kräfte zu weihen.

Er erlangte die österreichische Staatsbürgerschaft und trat, durch

seine frühere Verwendung, seine Sprachkenntnisse und Reisen auf das

Entschiedenste vorgebildet, in den Dienst des k. und k. Ministeriums des

Aeussern, der seinen Neigungen und seiner ganzen Lebensrichtung entsprach.

Während seiner 16jährigen Dienstzeit war es ihm gegönnt, verschiedene

längere Reisen zu unternehmen; so nach Lappland mit dem bekannten Forscher

Köchlin, nach Egypten, Griechenland, Spanien, Kleinasien, nach Palmyra,

abermals nach Amerika und zuletzt nach Indien und Siam.

Allerwärts sammelte er mit grossem Verständnisse Kunst- und

ethnographische Gegenstände, die gegenwärtig, seinen letztwilligen

Verfügungen entsprechend, zum grössten Theile im k. k. Hofmuseum zur

Aufstellung gelangen.

Im Laufe der Jahre stellte sich ein schweres Lungenleiden ein, das ihn aber

nicht hinderte, seinem Drange zu folgen, die Kunst- und Naturschönheiten

aller Länder zu sehen und zu geniessen. Die letzte Reise nach Siam, von

der die nachfolgenden Blätter erzählen, hat er bereits als schwerkranker

Mann angetreten.

Bis zuletzt kam er seinen Berufspflichten mit peinlicher Genauigkeit nach.

Er war seiner Mutter ein treuer, unendlich liebevoller Sohn und bewahrte

seinen Freunden ein offenes, theilnehmendes Herz bis zum letzten Athemzuge.

Endlich überwältigte die Krankheit seinen schier unbeugsamen Willen und

seine starke Natur, und er erlag seinen Leiden am 9. September 1896 in

Neuwaldegg bei Wien.

[Illustration:

Meine Reise nach Siam 1888-1889. Aufzeichnungen des k. und k. Legationsrathes Dr. J. Camille Samson · 第 1 / 54 题