Treuer, ewig lebendiger Gott, »der den Müden Kraft verleiht und dem
Ohnmächtigen große Stärke,« du, der versprochen hat, bis zum Alter mit
uns zu sein, o, du hast gnädig diese Zusage für mich gehalten, und ich
bringe dir meinen Dank, »daß du mich von meiner Jugend an geleitet und
mich mit Barmherzigkeit und Gnade umgeben hast, bis ich alt geworden
bin.--O, verlaß mich denn nun auch jetzt nicht, da ich fühle, daß meine
Kräfte schwinden und meine Sinne stumpf werden.»Erinnere dich der Sünden
und Übertretungen meiner Jugend nicht, aber gedenke meiner nach deinem
Erbarmen um deiner Liebe willen.«[71] Verleihe mir Kraft, die Bürden des
Alters mit Geduld zu tragen, und laß mich durch fromme Ergebung für
alle, die um mich her wohnen, eine lebendige Ermahnung sein. Und je
schwächer meines Leibes Augen werden, um so mehr laß mich den Blick nach
Innen wenden, daß ich mein Inneres läutere und in den Gedanken an dich
Ruhe gewinne. Ja, laß es mir in den paar Tagen, die mir noch zugemessen
sind, glücken, dem jüngeren Geschlecht ein gutes Beispiel zu geben, daß
die Worte, welche ich rede, zur Verherrlichung deines Namens dienen
mögen, und die Handlungen, welche ich vollbringe, ein Zeugnis seien der
Reinheit und Treue meines Glaubens und der Liebe in meinem Herzen. Und
stärke so mich in des Lebens letztem Streit, daß ich dann deutlich den
Ruf deiner Liebe vernehme:»Fürchte nichts, denn ich erlöse dich; ich
rufe dich bei deinem Namen, denn du bist mein,« und daß ich noch mit
meinem letzten Atemzug deinen Namen bekennen und preisen möge.
Amen!
[Fußnote 71: Ps. 25, 7.]