Heiliger, allmächtiger Schöpfer, allbarmherziger Vater im Himmel! Ich
danke dir für die beseligende Hoffnung, mit der du mich begnadigt hast.
Wie glücklich hast du mich gemacht, indem du mir des Weibes höchste
Freude verliehest, die Gewißheit, daß ich Mutter werden soll! Siehe,
schon hast du mir des Weibes höchste und heiligste Pflicht auferlegt,
mütterliche Fürsorge für den noch Ungeborenen zu hegen. O, was vermag
ich ohne dich! Erhöre deshalb mein Gebet: Laß auch für mich das Wort
gesprochen sein, welches du einst Israel verkünden ließest: »Gesegnet
sei die Frucht deines Leibes!«[66] Hüte du meine Schritte, daß das Kind,
welches ich unter meinem Herzen trage, jeder Gefahr entgehen möge;
beschirme mich um des Kindes willen, daß nicht Schrecken noch Angst,
nicht Furcht noch Aufregung mir nahe. Stärke mich darin, über mich
selbst zu wachen, daß nicht der Mutter Unvorsichtigkeit, törichter Genuß
oder sündiger Wandel schon dem Ungeborenen schaden möge. Ja, je mehr ich
mir bewußt bin, daß selbst meine Gedanken und Gefühle auf den Sprößling
hier unter meinem Herzen ihre Wirkung ausüben, um so mehr bitte ich
dich, mir dazu helfen zu wollen, daß ich mich selbst beherrschen
möge.--O Herr! Durch Frömmigkeit will ich diese Tage heiligen, bis ich
sie überstanden habe, durch Gebet und fromme Werke will ich meine Seele
erheben und reinigen, und treulich will ich deine Wege wandeln.--Schenke
du mir nun einen ruhigen Sinn, unerschütterlich im Vertrauen auf deine
unendliche Vatergüte, daß ich fröhlichen, getrosten Mutes und guter
Hoffnung der Stunde der Entscheidung entgegen gehe, in dem
zuversichtlichen Glauben, daß»den, der sich auf dich verläßt, deine
Gnade umgeben soll.«[67]
Amen!
[Fußnote 66: 5. Mos. 28, 3.]