Übersetzt von Christoph Martin Wieland

Personen.

Salinus, Herzog von Ephesus.

Aegeon, ein Kauffmann von Syracus.

Antipholis von Ephesus und Antipholis von Syracus, Zwillings-Brüder

und Söhne von Aegeon und Aemilia, aber einander unbekannt.

Dromio von Ephesus und Dromio von Syracus, Zwillings-Brüder und

Sclaven der beyden Antipholis.

Balthasar, ein Kauffmann.

Angelo, ein Goldschmidt.

Zween andre Kauffleute.

Dr. Zwik, ein Schulmeister und Beschwörer.

Aemilia, Aegeons Weib, eine Abbtißin zu Ephesus.

Adriana, des Antipholis von Ephesus Weib.

Eine Courtisane.

Luciana, Ihre Schwester.

Kerkermeister, Gerichtsdiener, Trabanten, und andre stumme Personen.

Die Scene ist zu Ephesus.

Erster Aufzug.

Erste Scene.

(Des Herzogs Palast.)

(Der Herzog von Ephesus, Aegeon, ein Kerkermeister, und einige vom

Gefolge des Herzogs treten auf.)

Aegeon.

Säume dich nicht länger, Salinus, durch den Ausspruch meines

Urtheils, meinem unglüklichen Leben ein Ende zu machen.

Herzog.

Kauffmann von Syracus, sage nichts mehr zu deiner Verantwortung;

ich kan zum Nachtheil des Gesezes nicht partheylich seyn. Das

neuliche grausame Verfahren euers Herzogs gegen einige Kauffleute,

unsre getreue Unterthanen, welche, weil sie nicht Gold genug hatten

ihr Leben loszukaufen, sein strenges Gesez mit ihrem Blute

besiegelt haben, schließt alles Erbarmen aus unsern dräuenden

Bliken aus. Denn seitdem diese verderbliche Zwietracht zwischen

deinen aufrührischen Landsleuten und uns ausgebrochen, ist in der

allgemeinen Versammlung des Volks, sowol von den Syracusern als von

uns, beschlossen worden, keine Handlung noch Gemeinschaft zwischen

unsern feindseligen Städten zu erlauben; noch mehr, welcher

gebohrne Epheser sich auf den Märkten und Jahrsmessen von Syracus

betreten läßt, der stirbt; und hinwieder, welcher gebohrne

Syracuser in der Bay von Ephesus gefunden wird, der stirbt, und

seine Güter werden zu Handen des Staats eingezogen; es sey dann,

daß er tausend Mark zu seinem Lösegeld bezahlen könne. Nun belauft

sich alles was du hast, nach der äussersten Schazung, kaum auf

hundert Mark; du bist also nach dem Geseze zum Tode verdammt.

Aegeon.

Mein Trost ist, daß die Vollziehung euers Worts noch vor Sonnen-

Untergang auch meinen Unglüks-Fällen ein Ende machen wird.

Herzog.

Gut, Syracuser, erzähl' uns kürzlich die Ursache, warum du deine

väterliche Heimath verlassen hast, und warum du hieher nach Ephesus

gekommen bist.

Aegeon.

Eine schwerere Verrichtung könnte mir nicht auferlegt werden, als

daß ich von meinem unaussprechlichen Kummer reden soll. Jedoch,

damit die Welt erkenne, daß der natürliche Lauf der menschlichen

Zufälle, und nicht irgend ein scheußliches, die Rache der Götter

aufforderndes Verbrechen, mir dieses unglükliche Ende zuzieht; so

will ich sagen, was mein Schmerz mir zu sagen Vermögen lassen wird.

Zu Syracus ward ich gebohren, und mit einem Weibe vermählt, die

mich glüklich machte, und es durch mich selbst gewesen wäre, wenn

ein feindseliges Schiksal die Dauer unsrer Glükseligkeit gestattet

hätte. Mit ihr lebt' ich vergnügt; mein Vermögen nahm durch

beglükte Reisen zu, die ich häuffig nach Epidamnum machte; bis der

Tod meines Factors, und die Sorge für meine Güter, die dadurch ohne

Aufsicht gelassen worden, mich aus den Umarmungen meiner Gattin riß.

Ich war noch nicht volle sechs Monat von ihr entfernt, als sie

(obgleich zu einer Zeit, da sie unter der angenehmen Straffe ihres

Geschlechts schmachtete,) Anstalten machte, mir nachzufolgen, und

bald und glüklich anlangte wo ich war. Sie war nicht lange da, so

wurde sie eine freudenvolle Mutter von zween hübschen Knaben, die

einander so wundersam gleich sahen, daß es unmöglich war, sie

anders, als durch Namen zu unterscheiden. In eben dieser Stunde und

an dem nemlichen Ort, ward eine arme Frau gleichfalls von zween

männlichen Zwillingen entbunden, die einander eben so gleich sahen;

diese kaufte ich ihren Eltern ab, denn es waren bettelarm Leute,

und zog sie auf, daß sie meinen Söhnen aufwarten sollten. Mein Weib,

die auf zween solche Knaben nicht wenig stolz war, drang täglich

in mich, unsre Heimreise zu beschleunigen; ich willigt' endlich,

wiewol ungern ein, und wir giengen, ach allzubald! zu Schiffe. Wir

hatten kaum eine Meile von Epidamnum fortgesegelt, als ein

plözlicher Sturm den Tag verdunkelnd, uns nur noch so viel düstres

Licht übrig ließ als nöthig war, unsern erschroknen Augen die

Gewißheit des unvermeidlichen Todes zu zeigen. Ich, für meinen

eignen Theil, würde mich willig darein ergeben haben; aber das

herzrührende Jammern eines geliebten Weibes, und das Geschrey ihrer

holdseligen Kinder, die, ohne zu wissen was sie fürchten sollten,

nur weinten, weil sie ihre Mutter weinen sahen, nöthigte mich auf

Rettung oder wenigstens auf einige Frist für sie und mich zu denken;

und diß war es, denn kein anders Mittel hatt' ich nicht. Das

Schiffs-Volk suchte seine Rettung in unserm Boot, und überließ uns

das Schiff, welches schon zum Versinken reif war. Mein Weib, für

ihren Erstgebohrnen am meisten besorgt, hatte ihn an einen

vorräthigen dünnen Mastbaum gebunden, dergleichen die Seeleute zur

Vorsorge mit sich zu nehmen pflegen; zu ihm wurde einer von den

andern beyden Zwillingen gebunden, indessen daß ich mit den übrigen

beyden das nemliche that. Nachdem wir nun die Kinder solchergestalt

besorgt hatten, banden wir uns, mein Weib und ich, die Augen auf

den Gegenstand unsrer zärtlichen Sorgen geheftet, jedes an das

andere Ende des Mastbaums, und überliessen uns so den Wellen, von

denen unser Schiff, wie uns däuchte, nach Corinth getrieben wurde.

Endlich zerstreute die Sonne das Gewölke, und die See wurde wieder

ruhiger; da entdekten wir bey ihrem wohlthätigen Licht zwey Schiffe,

die auf uns zusegelten, eines von Corinth, und das andre von

Epidaurus; aber eh sie zu uns kamen--o, zwingt mich nicht

fortzufahren! Errathet das Folgende aus dem Vorhergehenden.

Herzog.

Nein, fahre fort, alter Mann, brich deine Erzählung nicht so ab;

wenn wir dich nicht retten können, so können wir doch Erbarmniß mit

dir haben.

Aegeon.

O hätten die Götter das gethan, so hätt' ich keine Ursach, sie

unbarmherzig gegen uns zu nennen. Wir waren nur wenige Meilen noch

von diesen Schiffen entfernt, als unser hülfloses Schiff, durch

einen plözlichen Stoß an einen im Meer verborgnen Felsen mitten

entzwey geschmettert wurde. Das Glük, welches mein Weib und mich

auf eine so ungerechte Weise schied, ließ einem jeden was uns

zugleich Freude und Kummer machte. Ihr Theil, der armen Seele!

Vermuthlich weil er leichter beladen war, wurde vom Wind schneller

vorwärts getrieben, und alle drey wurden in meinem Gesicht, von

Corinthischen Fischern, wie mir dauchte, aufgefangen. Endlich

bemächtigte sich ein andres Schiff meiner auch; ich fand bekannte

Freunde darinn, welche sich freuten, daß sie uns in einer solchen

Noth hatten Hülfe leisten können; sie würden auch, mir zu lieb, die

Fischer ihrer Beute gerne beraubt haben; allein da ihre Barke

schlecht besegelt war, mußten sie es aufgeben, und richteten ihren

Lauf der Heimat zu--Und nun habt ihr gehört was mich meiner

Glükseligkeit beraubt hat, und durch was für Unfälle mein Leben nur

dazu verlängert worden ist, daß ich klägliche Geschichten erzählen

kan, von denen mein eignes Unglük der Innhalt ist.

Herzog.

Um derer willen, um welche du traurest, erzeige mir die

Gefälligkeit, und melde noch, wie es ihnen und dir ferner ergangen

ist.

Aegeon.

Mein jüngster Sohn bekam als er achtzehn Jahre hatte, ein heftiges

Verlangen, seinen Bruder aufzusuchen, und ließ nicht nach, biß ich

ihm erlaubte sich auf den Weg zu machen, und seinen Diener (der in

dem gleichen Fall wie er, und seines Bruders beraubt war, aber den

Namen desselben, wie mein Sohn den Namen seines ältern Bruders,

behalten hatte,) zu seiner Gesellschaft mitzunehmen. Ich wagte also

einen geliebten Sohn, den ich hatte, um denjenigen zu finden, den

ich nicht hatte; und verlohr dadurch beyde. Fünf Sommer hab' ich

schon angewandt, um sie in dem fernsten Griechenland zu suchen, und

nachdem ich durch alle Gegenden von Asien auf- und niedergeschwärmt,

kam ich endlich nach Ephesus, zwar ohne Hoffnung sie da zu finden,

aber doch entschlossen, weder diesen noch irgend einen andern von

Menschen bewohnten Ort undurchsucht zu lassen. Allein hier muß ich

die Geschichte meines Lebens enden, und der Tod würde mir

willkommen seyn, wenn ich von allen meinen Reisen nur soviel

erhalten hätte, daß ich von ihrem Leben versichert wäre.

Herzog.

Unglüklicher Aegeon, den die Göttinnen des Geschikes dazu bestimmt

haben, den äussersten Grad der grausamsten Widerwärtigkeiten zu

erfahren; glaube mir, wär' es nicht gegen unsre Geseze, (welche

Fürsten, wenn sie auch wollten, nicht vernichten können,) wär' es

nicht gegen meine Crone, meinen Eid, und meine Würde, mein Herz

würde keinen Augenblik verziehen, der Regung Plaz zu geben, die

darinn für dich spricht. Allein, ob dich gleich ein

unwiderrufflicher Spruch zum Tode verurtheilt, so will ich doch

soviel zu deiner Rettung thun, als mir Macht gelassen ist; ich

schenke dir also noch diesen Tag, Kauffmann, damit du dein Leben

durch andrer Beyhülfe zu erhalten suchen könnest; stelle alle

Freunde, die du in Ephesus haben magst, auf die Probe; bettle oder

borge soviel als du nöthig hast, um dein Lösegeld voll zu machen,

und lebe; wo nicht, so bist du verurtheilt zu sterben.--

Kerkermeister, nimm ihn in deine Aufsicht.

(Der Herzog und Gefolge gehen ab.)

Kerkermeister.

Ich will, Gnädigster Herr.

Aegeon.

Hülf- und hoffnunglos geht Aegeon, um das Ende seines Lebens einen

Tag später zu sehen.

(Aegeon und Kerkermeister gehen ab.)

Zweyte Scene.

(Antipholis von Syracus, ein Kauffmann und Dromio treten auf.)

Kauffmann.

Wenn ihr nicht wollt, daß euer Geld sogleich wieder verlohren sey,

so gebt aus, ihr seyd von Epidamnum. Erst diesen nemlichen Morgen

ist ein Syracusischer Kauffmann hier eingezogen worden, und weil er

nicht im Stande war, sein Leben loszukauffen, so muß er nach unserm

Gesez noch vor Sonnen Untergang sterben. Hier ist euer Geld, das

ihr bey mir hinterlegt hattet.

Antipholis.

Geh, Dromio, trag es in den Centaur, wo wir unser Quartier genommen

haben; warte dort bis ich komme, in einer Stunde wird es

Mittagessens-Zeit seyn. Ich will indessen die Stadt in Augenschein

nehmen, mit den Kauffleuten Bekanntschaft machen, die Gebäude

anschauen, und dann in mein Wirthshaus zurükkommen und schlafen;

denn ich bin von langwierigen Reisen ganz steiff und müde. Geh

deiner Wege.

Dromio.

Mancher würde euch beym Worte nehmen, und mit einem so hübschen

Reisegeld seines Wegs gehen.

(Dromio geht ab.)

Antipholis.

Er ist ein ehrlicher Schurke, mein Herr, der mich, wenn ich

niedergeschlagen und melancholisch bin, mit seinen närrischen

Einfällen oft wieder aufgeräumt macht. Wie ists, wollt ihr nicht

mit mir in der Stadt herum gehen, und hernach in meinem Gasthof mit

mir zu Mittag essen?

Kauffmann.

Mein Herr, ich bin zu etlichen andern Kauffleuten bestellt, von

denen ich einen ansehnlichen Profit zu machen hoffe; ihr werdet

mich also entschuldiget halten. Sobald es fünfe geschlagen hat,

will ich euch, wenn es beliebig ist, auf dem Markt wieder antreffen,

und euch dann bis zur Schlafzeit Gesellschaft leisten. Dißmal

ruffen mich meine Geschäfte von euch ab.

Antipholis.

Lebet wohl bisdahin; ich will indeß allein herumgehen, und die

Stadt besehen.

Kauffmann.

Mein Herr, ich überlaß' euch euerm eignen Vergnügen.

(Der Kauffmann geht ab.)

Dritte Scene.

Antipholis.

Wer mich meinem eignen Vergnügen überläßt, überläßt mich einem Ding,

daß ich nirgends finden kan. Ich bin in der Welt wie ein Tropfen

Wassers, der im Ocean einen andern Tropfen suchen will, und indem

er hineinfallt sich selbst verliehrt, ohne den andern zu finden. So

geht es unglüklicher Weise auch mir; indem ich eine Mutter und

einen Bruder suchen will, verliehr' ich mich selbst. (Dromio von

Ephesus tritt auf.) Hier kommt mein Kerl wieder--Was hat das zu

bedeuten?Warum kommst du sobald wieder zurük?

Dromio von Ephesus.

Sobald wieder zurük! Sagt vielmehr: Warum findst du mich so spät?

Der Capaun dorrt aus, das Spanferkel fällt vom Spieß ab, die Gloke

hat zwölfe geschlagen; meine Frau machte, daß es auf meinem Baken

eins wurde; sie ist so heiß, weil das Essen kalt wird; das Essen

wird kalt, weil ihr nicht heim kommt; ihr kommt nicht heim, weil

ihr keinen Appetit habt; ihr habt keinen Appetit, weil ihr eure

Fasten gebrochen habt; und wir, welche wissen was fasten und beten

ist, wir müssen nun dafür büssen, daß ihr gesündigt habt.

Antipholis.

Spare deinen Athem, junger Herr; sage mir erst, ich bitte dich, wo

du das Geld gelassen hast, das ich dir gab?

Dromio von Ephesus.

Oh--Die drey Bazen, die ich Mittwochs kriegte, um den Sattler für

den Schwanz-Riemen an meiner Frauen ihrem Pferd zu bezahlen?Der

Sattler hat sie, Herr; ich habe sie nicht behalten.

Antipholis.

Ich bin izt in keinem spaßhaften Humor; sag' mir ohne zu schäkern,

wo ist das Geld?Wie unterstehst du dich, an einem Orte wo wir

fremde sind, eine so grosse Summe aus deiner eignen Verwahrung zu

geben?

Dromio von Ephesus.

Ich bitte euch Herr, scherzet wenn ihr bey Tische sizt. Meine Frau

hat mich in gröster Eile geschikt euch zu suchen; wenn ihr nicht

gleich kommt, wird es mein Schedel entgelten müssen; mir däucht,

euer Magen sollte, wie der meinge, eure Gloke seyn, und euch ohne

einen Boten heimschlagen.

Antipholis.

Komm, Dromio, komm, diese Possen sind izt zur Unzeit, spare sie auf

eine lustigere Stunde. Wo ist das Gold, das ich dir aufzuheben gab?

Dromio von Ephesus.

Mir, Herr?Wie, ihr habt mir kein Gold gegeben.

Antipholis.

Hey da, Herr Spizbube, hör auf den Narren zu treiben, und sag mir,

wie hast du deinen Auftrag besorgt?

Dromio von Ephesus.

Mein Auftrag war, euch von dem Markt nach Hause zu holen, in den

Phönix, Herr, zum Mittag-Essen, meine Frau und ihre Schwester

warten auf euch.

Antipholis.

Nun, so wahr ich ein Christ bin, antworte mir wo du mein Geld

hingethan hast, oder ich werde dir diesen kurzweiligen Kragen

umdrehen, der so unzeitigen Spaß treibt wenn es mir nicht gelegen

ist; wo sind die tausend Mark, die du von mir empfangen hast?

Dromio von Ephesus.

Ich hab' einige Marken von euch auf meinem Kopf, und einige Marken

von meiner Frauen auf meinen Schultern; aber von tausend Mark

ausser diesen weiß ich nichts. Wenn ich sie Euer Gestreng wieder

zurükzahlen würde, so würdet ihr's vielleicht nicht geduldig tragen.

Antipholis.

Deiner Frauen Marken?Welcher Frauen, Schurke?Was hast du für eine

Frau?

Dromio von Ephesus.

Euer Gestreng eigne Frau, meine Frau zum Phönix; Sie, welche fasten

muß, bis ihr nach Hause kommt, und betet, daß ihr bald kommen möget.

Antipholis.

Wie, willt du mich so ins Gesicht für deinen Narren haben, und

dir's nicht wehren lassen?Da nimm das, Herr Schurke.

(Er giebt ihm Schläge.)

Dromio von Ephesus.

Was denkt ihr, Herr?Um Gottes willen, haltet eure Hände--Nein,

wenn ihr nicht wollt, Herr, so will ich meine Füsse brauchen --

(Er geht ab.)

Antipholis.

So wahr ich lebe, der Bube ist durch irgend einen schlimmen Streich

um mein Geld gebracht worden. Man sagt, diese Stadt sey voller

Spizbuben-Gesindel*, als, Taschenspieler, so die Augen betrügen,

Zauberer, so durch magische Getränke das Gemüth zerrütten, und

Hexen, so den Leib verunstalten; verkleidete Beutelschneider,

geschwäzige Marktschreyer, und wer weiß was noch mehr für

dergleichen Leute die sich alles erlaubt halten; wenn es so ist, so

will ich desto schneller heimgehen. Ich will in den Centaur, und

diesen Schurken aufsuchen, ich sorge, mein Geld ist nicht wol

verwahrt.

{ed.-* Diß war der Character, den die Alten von dieser Stadt geben.

Daher das gemeine Sprüchwort: Ejesia alexijarmaka, so auch beym

Menander, wo Ejesia grammata in dem nemlichen Sinn vorkommt.

Warburton.}

(Er geht ab.)

Zweyter Aufzug.

Erste Scene.

(Das Haus des Antipholis von Ephesus.)

(Adriana und Luciana treten auf.)

Adriana.

Weder mein Mann noch mein Sclave kommt zurük, den ich doch so

eilfertig seinem Herrn entgegen geschikt habe?ganz gewiß, Luciana,

es ist schon zwey Uhr.

Luciana.

Vielleicht ist er vom Markte weg, mit irgend einem Kauffmann, der

ihn eingeladen hat, zum Mittag-Essen gegangen; meine liebe

Schwester, wir wollen essen, und uns nicht deßwegen grämen. Ein

Mann ist Herr über seine Freyheit, und hat keinen andern Herrn als

seine Gelegenheit; sie kommen und gehen, je nachdem es ihnen

gelegen ist; und da es nun einmal so ist, so seyd geduldig,

Schwester.

Adriana.

Warum sollen sie mehr Freyheit haben, als wir?

Luciana.

Weil ihre meisten Geschäfte ausser dem Hause ligen.

Adriana.

Seht, wenn ich ihn auf diesen Fuß bedienen will, nimmt er's übel.

Luciana.

Oh, ihr müßt wissen, daß er der Zaum euers Willens ist.*

{ed.-* Der Zusammenhang ligt hier in den Reimen, worinn

dieser Dialogus im Original geschrieben ist.}

Adriana.

Nur Esel werden sich gutwillig so zäumen lassen.

Luciana.

Es ist nichts unter dem Himmel, das nicht in der Erde, in der See,

oder in der Luft einem andern unterworfen sey. Die Fische, die

Thiere und die Vögel sind ihren Männlein unterworfen, und stehen

unter ihrem Gebott; der göttlichere Mensch, Herr über sie alle,

Beherrscher dieser weiten Welt und des Oceans, der sie umströmt,

mit einer denkenden Seele begabt, die ihn über alle andern Thiere

hinaufsezt, wird nicht in diesem einzigen Stük weniger als sie seyn;

er ist Herr über sein Weib, und ihr rechtmäßiger Gebieter; laßt

euch's also nicht verdriessen, euern Willen nach dem seinigen zu

stimmen.

Adriana.

Und doch ist es bloß diese Dienstbarkeit, die euch bewegt

unverheurathet zu bleiben.

Luciana.

Nicht diese Unterwürfigkeit, sondern die Unruhen und Sorgen des

Ehebetts.

Adriana.

Aber wenn ihr verheurathet wäret, so wolltet ihr doch auch etwas zu

befehlen haben.

Luciana.

Eh ich die Liebe kennen lerne, will ich mich in der Kunst zu

gehorchen üben.

Adriana.

Aber wie, wenn euer Mann sich gerne ausser dem Hause verweilte?

Luciana.

Ich würde Geduld haben, bis er wieder heim käme.

Adriana.

Eine ungereizte Geduld kan leicht geduldig seyn; es ist keine Kunst

gut zu seyn, wenn man keine Ursache zum Gegentheil hat; wir wollen

haben, daß der Unglükliche, den sein Kummer quält, ruhig bleiben

soll, weil uns sein Geschrey beunruhiget; aber drükte uns die

nemliche Bürde, wir würden eben so viel oder noch mehr klagen als

er. Du, die du keinen unzärtlichen Ehegatten hast, der dich kränkte,

weißst mir keinen andern Trost zu geben, als daß du mich zu

hülfloser Geduld anweisest; aber wir wollen sehen, wie lange du

diese alberne Geduld behalten wirst, wenn du's erlebst, mein

Schiksal zu erfahren.

Luciana.

Gut, ich will mich einmal auf einen Tag verheurathen um ein Probe

zu machen. Aber hier kommt euer Sclave, sein Herr wird also nicht

weit weg seyn.

Zweyte Scene.

(Dromio von Ephesus zu den Vorigen.)

Adriana.

Sag', ist dein zaudernder Herr nun bey der Hand?

Dromio von Ephesus.

Nein, er ist mit zwo Händen bey mir, und davon sind meine zwey

Ohren Zeugen.

Adriana.

Sag', redtest du mit ihm?Sagt' er dir seine Meynung?

Dromio von Ephesus.

Ja, ja, er sagte mir seine Meynung auf mein Ohr; Dank seiner Hand;

es wurde mir sauer sie zu begreiffen.

Luciana.

Sprach er so zweydeutig, daß du seine Meynung nicht fassen konntest?

Dromio von Ephesus.

Nein, er schlug so gerade zu, daß ich seine Ohrfeigen nur gar zu

gut faßte; und doch sprach er so zweydeutig, daß ich kaum verstehen

konnte, was sie bedeuten sollten.

Adriana.

Aber sag', ich bitte dich, wird er heim kommen?Es scheint, er

bekümmert sich viel darum, seinem Weib gefällig zu seyn.

Dromio.

Versichert, Frau, mein Herr ist nicht recht gescheidt; das hat

seine Richtigkeit; wie ich ihn bat, er möchte heim zum Mittag-Essen

kommen, so fragt' er mich nach tausend Mark an Gold; es ist

Essenszeit, sagt' ich; mein Gold, sagt' er; euer Essen verdorrt,

sagt' ich; mein Gold, sagt' er; wollt ihr heim kommen, sagt' ich;

mein Gold, sagt' er; wo sind die tausend Mark, die ich dir gab,

Galgenschwengel?Das Ferkel, sagt' ich, ist ganz verbraten; mein

Gold, sagt' er. Meine Frau, sagt' ich; an den Galgen mit deiner

Frau! Ich weiß nicht wer deine Frau ist; zum Henker mit deiner Frau!

Luciana.

Sagte wer?

Dromio.

Sagte mein Herr. Ich weiß nichts, sagt' er, von keinem Haus, und

von keinem Weib und von keiner Frau, sagt' er; so daß ich also

meine Commißion, die meiner Zunge aufgegeben werden sollte, Dank

sey ihm! auf meinen Schultern heimtrage; denn mit einem Wort, er

gab mir Schläge.

Adriana.

Geh wieder zurük du Sclave, und hol' ihn heim.

Dromio.

Geh wieder und laß dich noch einmal prügeln?Ich bitt' euch

schönstens Frau, schikt einen andern Abgesandten.

Adriana.

Zurük, Sclave, oder ich will dir den Schädel entzweyschlagen.

Dromio.

Und er wird den Bruch mit andern Schlägen wieder ganz machen; das

wird gut gehen.

Adriana.

Pake dich, du wortreicher Schlingel, hohl deinen Herrn heim.

Dromio.

Bin ich dann so rund mit euch als ihr mit mir, daß ihr mich so wie

eine Kugel vor euch her stoßt?Ihr stoßt mich fort, und er wird

mich wieder zurükstossen; wenn ich in einem solchen Dienst

ausdauren soll, müßt ihr ein ledernes Futteral über mich machen

lassen.

(Er geht ab.)

Dritte Scene.

Luciana.

Fy, wie entstellt diese Ungeduld euer Gesicht!

Adriana.

Er kan seinen Liebling seiner angenehmen Gesellschaft nicht

berauben, und ich muß indeß daheim sizen, und zum Verhungern nach

einem freundlichen Blik schmachten. Hat denn das Alter die

anziehende Schönheit schon von meiner armen Wange genommen?Wenn es

ist, so hat Er sie verderbt. Ist mein Gespräch troken, und mein Wiz

stumpf?Seine Unfreundlichkeit ist der harte Marmor, woran er seine

Schärfe verlohren hat. Gefallen ihm andre besser, weil sie schöner

aufgepuzt sind?Das ist nicht mein Fehler; er ist Herr über mein

Vermögen. Was für Ruinen können an mir gefunden werden, die er

nicht gemacht hat?Würde nicht ein einziger sonnichter Blik von ihm,

meine verwelkte Schönheit wieder herstellen?Aber ach! er

verschmäht ein Weib, von der er ohne Maaß geliebt wird, und sucht,

ausser seinem Haus, ein Vergnügen --

Luciana.

Sich selbst peinigende Eifersucht! Fy, jagt sie fort.

Adriana.

Nur gefühllose alberne Tröpfe können bey solchen Beleidigungen

gleichgültig bleiben; ich bin gewiß, seine Augen haben irgendwo

einen andern Gegenstand den sie anbeten. Warum würd' er sonst nicht

hier seyn?Schwester, ihr wißt, er versprach mir eine goldne Kette.

Wollte der Himmel, es wäre nur das was er mir vorenthielte--Ich

sehe wol, ein Kleinod, so schön es immer gefaßt seyn mag, verliehrt

endlich seine Schönheit, wenn wir's immer tragen; und so wie das

Gold selbst, ungeachtet seiner Dauerhaftigkeit, durch beständiges

Berühren sich endlich abnuzt, so ist kein Gemüth so edel, das nicht

durch langwierige Untreu und Falschheit endlich seinen Glanz

verliehre. Wenn meine Schönheit in seinen Augen keinen Reiz mehr

hat, so will ich ihren Rest wegweinen, und weinend sterben.

Luciana.

Was für alberne Geschöpfe kan nicht die Eifersucht aus diesen

verliebten Seelen machen!

(Sie gehen ab.)

Vierte Scene.

(Verwandelt sich in eine Strasse.)

(Antipholis von Syracus tritt auf.)

Antipholis.

Das Gold, das ich dem Dromio gab, ist im Centaur sicher verwahrt;

und der allzu sorgfältige Tropf ist weggegangen, um mich zu suchen,

aus Besorgniß, es möchte mir etwas zugestossen seyn. Wenn ich die

Umstände der Zeit und meines Wirths Erzählung mit einander

vergleiche, so kan ich den Dromio nicht gesprochen haben, seitdem

ich ihn zuerst vom Markte fortschikte. Ha, hier kömmt er eben recht.

(Dromio von Syracus tritt auf.) Wie gehts, junger Herr?Seyd ihr

noch so spaßhaft?Wenn ihr Liebhaber von Ohrfeigen seyd, so treibt

wieder den Narren mit mir. Ihr wißt nichts vom Centaur?Ihr habt

kein Gold empfangen?Eure Frau schikte euch, mich zum Mittag-Essen

nach Hause zu ruffen?Mein Haus war zum Phönix?Warst du toll, daß

du mir so unsinnige Antworten gabst?

Dromio von Syracus.

Was für Antworten, Herr?Wenn sagt' ich dergleichen?

Antipholis.

Nur eben, nur eben, es ist noch keine halbe Stunde.

Dromio von Syracus.

Hab ich euch doch bis izt mit keinem Auge gesehen, seitdem ihr mich

mit dem Golde, so ihr mir gabt, in den Centaur schiktet.

Antipholis.

Galgenschwengel, du leugnetest ja, daß du das Gold empfangen habest,

und redtest mir von einer Frau, und von einem Mittag-Essen; doch

ich hoffe, du hast gefühlt, wie wohl es mir gefallen hat.

Dromio von Syracus.

Es erfreut mich, euch in so gutem Humor zu sehen. Was soll dieser

Scherz bedeuten, ich bitte euch, Herr, sagt mir's?

Antipholis.

Wie, du spottest mir noch ins Gesicht?denkst du ich spasse?Halt,

nimm das, und das.

(Er giebt ihm Schläge.)

Dromio von Syracus.

Haltet ein, Herr, ums Himmels willen, izt fühl' ich's, daß aus

euerm Spaß Ernst wird, aber warum gebt ihr mir diese Schläge, wenn

man fragen darf?

Antipholis.

Weil ich zuweilen vertraulich genug mit dir umgehe, dich für meinen

Lustigmacher zu gebrauchen, und Spaß mit dir treibe, so treibst du

die Unverschämtheit so weit, meine Gütigkeit zu mißbrauchen, und

mir deine Possen auch in meinen ernsthaften Stunden aufzudrängen.

Wenn die Sonne scheint, mögen gaukelnde Müken ihre Kurzweile

treiben; aber sie sollen in Spalten kriechen, wenn sie ihre Stralen

verbirgt: Wenn du mit mir spassen willst, so sieh erst wie ich

aussehe, und richte dein Betragen nach meinen Bliken ein; oder ich

will dir diese Methode auf eine andre Art einpleuen.*

{ed.-* Hier sind im Original einige Wortspiele, die man lieber

weggelassen hat, da sie an sich selbst frostig genug sind; und

wenn sie auch noch das Verdienst des Doppelsinns, den sie nur in

der Original-Sprache haben, verliehren, unerträglich werden. Man

hat es mit dem grösten übrigen Theil dieser Scene eben so gemacht,

wo Dromio alle seine ungeheure Menge Wiz in Wortspielen ausläßt,

die seinen Herrn, und vermuthlich auch die Zeitgenossen unsers

Poeten eben so sehr belustigten, als sie unserm verwöhnten Geschmak

albern und ekelhaft vorkommen.}

Dromio.

Ich will euch diese Mühe gern ersparen, wenn ihr mir nur in gutem

Ernst sagen wollt, warum ihr mich geschlagen habt.

Antipholis.

Weist du's noch nicht?

Dromio.

Nichts, Herr, als daß ihr mich geschlagen habt.

Antipholis.

Soll ich dir sagen warum?

Dromio.

Ja, Herr, und weßwegen?Denn man pflegt zu sagen, jedes Warum hat

sein Weßwegen.

Antipholis.

Für's erste, Warum, weil du meiner gespottet hast; und dann

Weßwegen, weil du es mir das zweyte mal weggeläugnet hast.

Dromio von Syracus.

Ich begreiffe weder euer Warum noch euer Weßwegen, noch eure

Ohrfeigen--Nun gut, Herr, ich danke euch.

Antipholis.

Du dankst mir?Wofür?

Dromio von Syracus.

Mein Six, Herr, für das Etwas so ihr mir um Nichts gegeben habt.

Antipholis.

Ich will es mit nächsten wieder gut machen, und dir Nichts für

etwas geben. Aber sag', ist es Mittagessens-Zeit?

Dromio von Syracus.

Nein, Herr, ich glaub', es fehlt dem Essen etwas das ich habe.

Antipholis.

Mit Erlaubniß, was mag das seyn?

Dromio von Syracus.

Daß es nicht genug beträuft ist.**

{ed.-** Der Einfall ligt im Original in der Zweydeutigkeit

des Worts (basting), welches zugleich eine Tracht Schläge, und das

Beträuffen, dessen was am Spieß gebraten wird, bedeutet.}

Antipholis.

Gut, Bursche, so wird es troken seyn.

Dromio von Syracus.

Wenn es so ist, so bitt' ich euch, esset nichts davon.

Antipholis.

Warum?

Dromio von Syracus.

Weil es euch cholerisch machen, und mir noch eine andre Tracht

Schläge zuziehen würde.

Antipholis.

Gut, junger Herr, lernt eure Zeit wol in Acht nehmen, wenn ihr

spassen wollt; ein jedes Ding hat seine Zeit.

Fünfte Scene.

(Adriana und Luciana zu den Vorigen.)

Adriana.

Ja, ja, Antipholis, sieh nur fremde und verdrieslich aus, eine

andre Gebieterin hat deine zärtlichen Blike: ich bin nicht mehr

Adriana, noch dein Weib. Es war eine Zeit, da du ungeheissen

schwurest, daß keine Worte Musik in deinem Ohr seyen, als die ich

rede; daß kein Gegenstand dein Aug entzüke, als mein Anblik; daß

keine andre Berührung deiner Hand willkommen sey, als die meinige--

Wie kommt es dann izt, mein Gemal, o sage wie kommt es, daß du so

fremde gegen dich selbst worden bist--Gegen dich selbst nenn' ich

es, da du es gegen mich bist, die auf eine so unzertrennliche Art

dir einverleibt bin, daß ich mehr bin als der größre Theil von dir

selbst. Eher könntest du einen Tropfen Wassers in die tieffe See

fallen lassen, und unvermengt mit andern eben diesen Tropfen wieder

zurüknehmen; als dich von mir losreissen, ohne mich mitzunehmen.

Wie sehr würd' es dich bis in die Seele kränken, wenn du nur hören

würdest, daß ich ausgelassen sey, und daß dieser dir allein

geheiligte Leib durch unkeusche Lust besudelt würde! Würdest du

mich nicht anspeyen, nicht mit Füssen stossen, und mir den Namen

eines Ehmanns ins Gesicht werfen, und die beflekte Haut von meiner

Huren-Stirne reissen, und von meiner treulosen Hand den Trauring

abhauen, und ihn mit einem auf ewig uns scheidenden Gelübde

zerbrechen?Ich weiß du kanst es, also thu es auch--ich bin mit

einem ehebrecherischen Fleken beschmizt; mein Blut ist mit dem

Schmuz der Unzucht vermengt; denn wenn wir beyde eins sind, und du

untreu wirst, so theilst du mir das Gift mit, das in deinen Adern

schäumt, und machst mich durch Anstekung zur Hure. O so kehre dann

zu deiner Pflicht zurük, und bleibe deinem keuschen Bette getreu,

damit ich unbeflekt lebe, und du unentehrt.

Antipholis.

Klagt ihr über mich, schönes Frauenzimmer?Ich kenne euch ja nicht.

Ich bin in Ephesus kaum zwoo Stunden alt, und mit eurer Stadt so

unbekannt als mit euern Reden. Ich strenge allen meinen Wiz

vergeblich an, nur ein Wort von allem dem was ihr mir sagtet, zu

verstehen.

Luciana.

Fy, Bruder, was für eine Veränderung ist das bey euch?Wenn wart

ihr gewohnt, meiner Schwester so zu begegnen; Sie schikte den

Dromio, euch zum Mittag-Essen heim zu holen.

Antipholis.

Den Dromio?

Dromio von Syracus.

Mich?

Adriana.

Ja dich, und du brachtest uns zurük, daß er dir Maulschellen

gegeben, und unter den Maulschellen mein Haus und mich als sein

Weib verläugnet habe.

Antipholis.

Habt ihr mit diesem Frauenzimmer gesprochen?Was für ein

Verständniß habt ihr mit ihr, und was soll die Absicht davon seyn?

Dromio von Syracus.

Ich, Herr, ich habe sie meine Tage nie gesehen als izt.

Antipholis.

Du lügst, du Galgenschwengel; denn du brachtest mir ihre eigensten

Worte auf den Markt.

Dromio von Syracus.

Ich habe sie in meinem Leben nie gesprochen.

Antipholis.

Woher kan sie uns denn bey unsern Namen nennen, es wäre dann, daß

sie einen Wahrsager-Geist hätte?

Adriana.

Wie übel steht es euerm Character an, eine so niederträchtige

Comödie mit euerm Sclaven zu spielen, um meiner auf eine grobe Art

ins Gesicht zu spotten?Ich bin beleidigt genug, daß ihr so

entfremdet von mir seyd; häuffet euer Unrecht nicht noch durch

einen solchen Grad von Verachtung. Komm, laß mich um deine Schläfe

mich winden; du bist eine Ulme, mein lieber Mann, und ich eine

schwache Rebe, die mit deinem stärkern Stamm vermählt, an deiner

Stärke Antheil nimmt, ohne sie zu vermindern; alles was dich von

mir trennen will, ist Unkraut, diebischer Epheu und unnüzes Mooß,

das sich, wenn es nicht bey Zeiten abgeschnitten wird, bis zu

deinem Mark einfrißt, und von deinem Verderben seine Nahrung zieht.

Die Irrungen, oder die Doppelten Zwillinge · 第 2 / 5 题