Kap. 22, Sect. V

1. Von da ging ich weiter zu einem anderen Raume, wo ich sah im Westen einen

großen und hohen Berg, einen starken Felsen und vier liebliche Plätze.

2. Innerlich war er tief, geräumig und sehr glatt, so glatt, als wenn er

wäre überwalzt worden; er war sowohl tief als finster anzusehen.

3. Alsdann antwortete Raphael, einer von den heiligen Engeln, welche bei mir

waren, und sagte: Dies sind die lieblichen Plätze, wo die Geister, die

Seelen der Toten werden versammelt werden; für sie wurden sie eingerichtet,

und hier werden versammelt werden alle Seelen der Menschensöhne.

4. Diese Plätze, in welchen sie wohnen, sollen sie einnehmen bis zum Tage

des Gerichts und bis zu ihrer bestimmten Zeit.

5. Ihre bestimmte Zeit wird lang sein, gerade bis zum großen Gericht. Und

ich sah die Geister der Menschensöhne, welche gestorben waren, und ihre

Stimmen reichten zum Himmel, indem sie anklagten.

6. Alsdann fragte ich Raphael, einen Engel, welcher bei mir war, und sagte:

Wessen Geist ist der, dessen Stimme (zum Himmel) reicht und anklagt?

7. Er antwortete und sagte: Dies ist der Geist Abels, welcher erschlagen

wurde von Kain, seinem Bruder, und er wird ihn anklagen, bis sein Same

vernichtet ist von der Oberfläche der Erde,

8. bis sein Same verschwindet aus den Samen des menschlichen Geschlechts.

9. Zu dieser Zeit also erkundigte ich mich über ihn und über das allgemeine

Gericht und sagte: Warum ist einer von dem anderen getrennt? Er antwortete:

dreies ist gemacht worden zwischen die Geister der Toten, und so sind die

Geister der Gerechten getrennt worden,

10. nämlich eine Kluft, Wasser und Licht darüber.

11. Und auf dieselbe Weise werden auch Sünder getrennt, wenn sie sterben und

in der Erde begraben werden, hat sie das Gericht nicht ereilt bei ihren

Lebzeiten.

12. Hier werden ihre Seelen getrennt. Überdies ist ihr Leiden groß bis zur

Zeit des großen Gerichts, der Züchtigung und der Qual derjenigen, welche

ewig verfluchen, deren Seelen gestraft und gebunden werden bis in Ewigkeit.

13. Und so ist es gewesen vom Anfange der Welt an. So war dort vorhanden

eine Trennung zwischen den Seelen derjenigen, welche Klagen vorbringen, und

derjenigen, welche lauern auf ihre Vernichtung, sie zu morden an dem Tage

der Sünder.

14. Ein Behältnis dieser Art ist gemacht worden für die Seelen der

ungerechten Menschen und der Sünder, derjenigen, welche Verbrechen

vollbracht und sich zu den Gottlosen gesellt haben, denen sie gleichen. Ihre

Seelen sollen nicht vernichtet werden am Tage des Gerichts, noch sollen sie

auferstehen von diesem Platze. Alsdann pries ich Gott,

15. und sagte: Gepriesen sei mein Herr, der Herr der Herrlichkeit und der

Gerechtigkeit, welcher regiert über alles von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Das Buch Henoch · 第 22 / 106 题