1. Dies ist das Buch der Worte der Gerechtigkeit und der Zurechtweisung der
Wächter, welche der Welt angehören, zufolge dem, was er, welcher heilig und
groß ist, befahl in dem Gesichte. Ich nahm in meinem Traum wahr, daß ich
jetzt sprach mit einer Zunge von Fleisch, und mit meinem Atem, welchen der
Allmächtige gesetzt hat in den Mund der Menschen, daß sie damit reden
möchten;
2. und vernahm mit dem Herzen. So wie er geschaffen und gegeben hat den
Menschen (die Kraft), zu verstehen das Wort des Verstandes, so hat er
geschaffen und mir gegeben (die Kraft), zurechtzuweisen die Wächter, die
Sprößlinge des Himmels. Ich habe geschrieben euer Gesuch, und in meinem
Gesicht ist mir gezeigt worden, daß das, um was ihr bittet, euch nicht
gewährt werden wird, so lange als die Welt dauert.
3. Gericht ist ergangen über euch; gewährt wird euch nichts.
4. Von dieser Zeit an werdet ihr niemals hinaufsteigen in den Himmel; er hat
gesagt, daß er auf der Erde euch binden will, so lange als die Welt dauert.
5. Doch vor diesen Dingen sollt ihr schauen die Vernichtung eurer geliebten
Söhne; ihr werdet sie nicht mehr besitzen, sondern sie sollen fallen vor
euch durch das Schwert.
6. Und nicht sollt ihr bitten für sie und nicht für euch selbst.
7. Aber ihr werdet weinen und flehen in Schweigen. Dies die Worte des Buchs,
welches ich schrieb.
8. Ein Gesicht erschien mir also:
9. Siehe! in (diesem) Gesicht luden Wolken und ein Nebel mich ein, sich
bewegende Sterne und Strahlen von Licht trieben und schoben mich fort,
während Winde in dem Gesicht meinen Flug begünstigten und mein Weitergehen
beschleunigten.
10. Sie hoben mich zum Himmel in die Höhe. Ich schritt vorwärts, bis ich an
eine Mauer kam, gebaut aus Steinen von Kristall. Eine zitternde Flamme umgab
sie, welche mich in Schrecken zu setzen begann.
11. In diese zitternde Flamme trat ich ein.
12. Und ich näherte mich einer geräumigen Wohnung, welche auch gebaut war
mit Steinen von Kristall. Sowohl ihre Wände, als ihr Fußboden waren mit
Steinen von Kristall, und von Kristall war auch der Grund. Ihr Dach hatte
das Ansehen von Sternen, die sich heftig bewegen, und von leuchtenden
Blitzen, und unter ihnen waren Cherubs von Feuer und ihr Himmel war Wasser.
Eine Flamme brannte rings um ihre Mauern, und ihr Portal loderte von Feuer.
Als ich in diese Wohnung trat, war sie heiß wie Feuer und kalt wie Eis.
Keine Luft oder Leben war dort. Schrecken überwältigte mich und ein
furchtbares Zittern ergriff mich.
13. Heftig bewegt und zitternd fiel ich auf mein Antlitz. In dem Gesicht sah
ich,
14. und siehe! da war eine andere geräumigere Wohnung, zu welcher jeder
Eingang vor mir offen war, errichtet in einer zitternden Flamme.
15. So sehr zeichnete sie sich in aller Hinsicht aus, an Glanz, an Pracht
und an Größe, daß es unmöglich ist, euch ihre Pracht oder ihre Ausdehnung zu
beschreiben.
16. Ihr Fußboden war aus Feuer, oben waren Blitze und sich bewegende Sterne,
während ihr Dach ein loderndes Feuer zeigte.
17. Aufmerksam betrachtete ich sie und sah, daß sie einen erhabenen Thron
enthielt,
18. der von Ansehen dem Reife ähnlich war, während sein Umfang dem Kreise
der glänzenden Sonne glich; und (da war) die Stimme der Cherubs.
19. Unten von diesem mächtigen Throne her strömten Bäche lodernden Feuers.
20. Auf ihn zu sehen war unmöglich.
21. Ein Großer in Herrlichkeit saß darauf,
22. dessen Kleid glänzender als die Sonne, und weißer als Schnee.
23. Kein Engel vermochte hindurchzudringen, zu schauen das Antlitz
desselben, des Herrlichen und Strahlenden; auch konnte kein Sterblicher ihn
ansehen. Ein Feuer loderte rings um ihn.
24. Ein Feuer auch von großem Umfange stieg immerwährend vor ihm auf, so daß
keiner von denjenigen, welche ihn umgaben, im imstande war, sich ihm zu
nähern, unter den Myriaden, welche vor ihm waren. Für ihn war heilige
Beratschlagung unnötig. Gleichwohl gingen die Geheiligten, welche in seiner
Nähe waren, nicht von ihm hinweg, weder bei Nacht noch bei Tage, noch wurden
sie entfernt von ihm. Ich war auch so weit vorgegangen mit einem Schleier
vor meinem Gesicht und zitternd. Da rief mich der Herr mit seinem Munde und
sagte: Nahe dich hierher, Henoch, zu meinem heiligen Worte.
25. Und er hob mich auf und brachte mich bis gerade an den Eingang. Mein
Auge war gerichtet auf den Boden.