»Das Fräulein? Die kleine Wehrendorf.«
Sie nickte.
Dabei wurde es freier in ihr. Sie richtete sich auf.
»Das Fräulein werde ich mir mal angucken, Ludwig.«
»Wie du willst,« sagte er gleichgültig, »es ist aber nicht viel an ihr
dran. Ein Weibtorso. Nirgends beschenkt.«
Sie kannte Ludwig. Ein feines Lächeln verzog ihren Mund.
Das reizte ihn.
»Wann kommst du zu uns? Wir erwarteten dich schon gestern.«
»Vorgestern kam ich an. Da war ich in Frankfurt eben fertig. Ich komme aus
einer Arbeit in die andere, Ludwig.«
»Ja, ja. Aber wir --«
Sie sah ihn an.
In seinen Augen wurde ein verschollenes Geflimmer wach. Er wurde wieder
jünger.
»Aber -- ich --« sagte er.
»Ich komme, Ludwig. Vielleicht heute abend noch. Wie geht es Hardi? Sie
schrieb so selten.«
»Dir schrieb sie selten,« sagte er.
Sie schaute ihn mit großen Augen an.
Dabei schlich wieder eine heiße, heimliche Welle von einem zum anderen.
Sie wurden still.
Über ihnen hing in strenger Wacht die ›eiserne Wehr‹.
»Ich komme heute abend zu euch,« sagte sie.
Sie gaben sich die Hand und empfanden wieder den uralten Einklang ihres
Blutes und die geistige Zusammengehörigkeit.
»Ich komme, Ludwig.«
* * * * *
Als Christiane allein war, warf sie den Kopf zurück. War sie unwissentlich
an einen alten Strudel geraten? War es _das_ gewesen, was sie heimlich
zurückgeleitet hatte, nichts als -- das --? Waren noch unerhörte
Möglichkeiten, unerhörtes Begehren in ihr, wollte sie noch immer ein --
Abenteuer --?
Sie sah wieder die gelben Felder der maiheißen Straßen, die Mühlen,
hörte das Traben der Pferde und ritt wieder neben ihm wie einst.