1. $Einfluss von Wasser auf Glas- und Porzellangefässe beim
Eindampfen$ (zu §. 24).
Eine grosse Flasche wurde mit Wasser gefüllt, welches aus einem
kupfernen Dampfapparat mit zinnernem Kühlrohr vorsichtig destillirt war.
Dieses Wasser diente zu den sämmtlichen zu 1. gehörigen Versuchen.
a. 300 C.C. in einer Platinschale vorsichtig verdampft, hinterliessen
geglühten Rückstand 0,0005 Grm. = 0,0017 pro mille.
b. 600 C.C. wurden in einem weiten Kolben von böhmischem Glas kochend
bis beinahe zur Trockne verdampft, der Rückstand in eine Platinschale
gebracht, und der Kolben mit 100 C.C. destillirtem Wasser nachgespült.
Nach dem Abdampfen und Glühen blieben Rückstand
0,0104 Grm.
Zieht man hiervon ab die dem destillirten Wasser
als solchem zukommende Menge mit 0,0012 "
------
so bleiben aus dem Glas aufgenommene Substanz 0,0092 "
= 0,0153 pro mille.
Bei weiteren auf dieselbe Art angestellten Versuchen hinterliessen
300 C.C. zweimal je 0,0049, einmal 0,0037 Grm.; dies macht im Mittel,
berechnet auf 600 C.C.
0,0090 Grm.
und nach Abzug von 0,0012 "
------
0,0078 "
= 0,013 pro mille.
Man kann somit annehmen, dass 1 Liter Wasser, in Glasgefässen stark
eingekocht, etwa 14 Milligramme Glasbestandtheile löst.
c. 600 C.C. wurden in einer Berliner Porzellanschale fast zur Trockne
verdampft, im Uebrigen wie in b. behandelt. Erhalten Rückstand
0,0015 Grm.
Zieht man davon ab die dem Wasser als solchem
entsprechende Menge mit 0,0012 "
------
so bleibt aus dem Porzellan aufgenommene Substanz 0,0003 "
= 0,0005 pro mille.
2. $Einfluss von Salzsäure auf Glas- und Porzellangefässe beim
Eindampfen$ (zu §. 24).
Das in 1. gebrauchte destillirte Wasser wurde mit 1/10 reiner Salzsäure
versetzt.
a. 300 Grm. in Platin verdampft, hinterliessen 0,002 Grm. Rückstand.
b. 300 Grm. in böhmischem Glas fast zur Trockne gebracht, dann in der
Platinschale verdampft, lieferten 0,0019 Rückstand, also hatte die
verdünnte Salzsäure das Glas nicht angegriffen.
c. 300 Grm. in Berliner Porzellan verdampft etc. lieferten 0,0036, somit
nach Abzug der 0,002, 0,0016, also 0,0053 pro mille.
d. Der in c. angegebene Versuch wiederholt lieferte 0,0034, also nach
Abzug von 0,002, 0,0014 = 0,0047 pro mille.
Von Salzsäure wird also Glas weit weniger angegriffen als von Wasser,
während Porzellan zu Wasser und verdünnter Salzsäure fast gleiches
Verhalten zeigt. Man ersieht daraus, dass die Wirkung des Wassers
auf das Glas darin besteht, dass lösliche basisch kieselsaure Salze
entstehen.
3. $Einfluss von Salmiaklösung auf Glas- und Porzellangefässe beim
Eindampfen$ (zu §. 24).
In dem in 1. genannten destillirten Wasser wurde 1/10 Salmiak gelöst und
filtrirt.
a. 300 C.C. in der Platinschale verdampft, hinterliessen 0,006 Grm. fixen
Rückstand.
b. 300 C.C. in böhmischem Glas stark eingekocht, dann in Platin zur
Trockne gebracht, hinterliessen 0,0179 Grm., davon ab obige 0,006,
bleiben aus dem Glas aufgenommene Bestandtheile 0,0119 = 0,0397 pro
mille.
c. 300 C.C. auf gleiche Art in Berliner Porzellan behandelt,
hinterliessen 0,0178, davon ab obige 0,006, bleiben 0,0118, gleich
0,0393 pro mille.
Also greift Salmiaklösung beim Eindampfen Glas wie Porzellan stark an.
4. $Einfluss von kohlensaurer Natronlösung auf Glas- und
Porzellangefässe$ (zu §. 24).
In dem in 1. genannten destillirten Wasser wurde 1/10 krystallisirtes
reines kohlensaures Natron gelöst.
a. 300 C.C. lieferten, mit Salzsäure übersättigt und in Platin zur
Trockne verdampft etc., 0,0026 Grm. Kieselsäure, gleich 0,0087 pro mille.
b. 300 C.C. drei Stunden unter Erneuerung des Wassers in Glas gelinde
eingekocht bis zu ziemlicher Concentration, lieferten -- wie in a.
behandelt -- 0,1376 Grm., und nach Abzug der in a. erhaltenen 0,0026
Grm. 0,135 Grm. = 0,450 pro mille.
c. 300 C.C. auf die in b. angegebene Weise in Porzellan behandelt,
lieferten 0,0099 und nach Abzug der in a. erhaltenen 0,0026 Grm. 0,0073
= 0,0243 pro mille.
Somit wird Glas sehr stark, Porzellan noch sehr merklich von kochender
kohlensaurer Natronlösung angegriffen.