2) eine Lösung von übermangansaurem Kali.

$Erstere$ bereitet man durch Auflösen von 20 Grm. vollkommen reinem und

trockenem krystallisirten Ferrocyankalium in Wasser, so dass das Volumen

der Lösung 1 Liter beträgt. Jeder C.C. enthält somit 20 Milligramm; --

$letztere$ verdünnt man so, dass man zu 10 C.C. der Blutlaugensalzlösung

den Inhalt einer Bürette nicht ganz verbraucht. (Wendet man eine solche

an, die in 100 halbe C.C. eingetheilt ist, so giebt man somit der

Chamäleonlösung eine grössere Verdünnung, als wenn man eine halb so viel

fassende, in 1/10 C.C. eingetheilte Bürette gebraucht.)

Um nun zunächst den Wirkungswerth der Chamäleonlösung auf

Ferrocyankalium festzustellen, misst man mittelst einer kleinen Pipette

10 C.C. der Blutlaugensalzlösung (enthaltend 0,200 Grm.) ab, verdünnt

mit etwa 250 C.C. Wasser, säuert mit Salzsäure an, stellt auf ein Blatt

weissen Papiers und tröpfelt unter Umrühren die Chamäleonlösung ein,

bis die eintretende rothgelbe Färbung der Flüssigkeit die vollendete

Ueberführung zu erkennen giebt[120]. Wiederholt man den Versuch

mehrmals, so erhält man stets sehr genau übereinstimmende Resultate.

Diese rasch auszuführende Prüfung muss, der Veränderlichkeit der

Chamäleonlösung halber, jeder neuen Versuchsreihe vorangehen.

[120] Um sich am Anfang, wenn man sich auf die Farbenänderung allein

nicht verlassen will, die Ueberzeugung zu verschaffen, ob die

Ueberführung wirklich vollendet ist, kann man wohl auch einen

Tropfen auf einem Teller mit einem Tropfen Eisenchloridlösung

zusammenbringen, der dadurch nicht mehr blau werden darf.

Will man nun ein Blutlaugensalz auf seinen Gehalt an Ferrocyankalium

prüfen, so löst man 5 Grm. zu 250 C.C. auf, nimmt 10 C.C. der Lösung und

prüft wie angegeben. Hat man bei der Feststellung des Wirkungswerthes

der Chamäleonlösung 80 Bürettengrade gebraucht und genügen jetzt 70, so

belehrt der Ansatz: 80 : 0,200 = 70 : x über den Gehalt von 0,200 Grm.

des geprüften Blutlaugensalzes an reinem Ferrocyankalium. -- Dass man

diese kleine Rechnung noch ersparen kann, wenn man die Chamäleonlösung

so verdünnt, dass genau 100° 0,200 Ferrocyankalium entsprechen, liegt

auf der Hand; denn in dem Falle bezeichnen die Grade direct die Procente.

Handelt es sich um die Bestimmung des Ferridcyankaliums in einer

Verbindung, welche kein Ferrocyankalium enthält, so löst man zunächst 5

Grm. derselben zu 250 C.C., misst 10 C.C. ab, fügt 5-8 C.C. concentrirte

Kalilauge zu, erhitzt in einer kleinen Schale fast zum Kochen und trägt

dann 0,4-0,5 Grm. fein zerriebenes Bleioxyd ein. Es färbt sich dieses,

indem es theilweise in Hyperoxyd übergeht, sogleich braun. Schon nach

kurzer Digestion bei einer dem Siedepunkte nahen Temperatur ist die

Reduction beendigt; die Veränderung der Farbe der Lösung lässt darüber

nicht in Zweifel[121]. Man verdünnt jetzt den Inhalt der Schale mit

Wasser, filtrirt, wäscht aus, verdünnt, so dass das Gesammtvolum etwa

250 C.C. beträgt, und säuert mit Salzsäure an. Es entsteht hierdurch eine

starke weisse Trübung von ausgeschiedenem Ferrocyanblei. Unbekümmert um

dieselbe, fügt man die Chamäleonlösung zu. Der Niederschlag löst sich in

dem Maasse, als die Ueberführung des Ferrocyans in Ferridcyan erfolgt,

und die Beendigung der Reaction giebt sich somit nicht nur an der

Farbenveränderung, sondern auch an der eintretenden völligen Klarheit

der Flüssigkeit zu erkennen[122]. Vor allen anderen Methoden, welche

angewandt werden können, um das Ferridcyankalium zu reduciren, hat keine

so gute Resultate geliefert, als die eben erwähnte. Wiederholte Versuche

gaben völlig befriedigende Resultate. Es ist dabei nur zu bemerken, dass

die Flüssigkeiten concentrirt sein müssen.

[121] Wirkliches Kochen, namentlich länger fortgesetztes, vermeide

man; es löst sich dadurch viel Bleioxyd, was die weitere Prüfung

etwas erschwert.

[122] Da das Ferrocyanblei in einer salzsauren Flüssigkeit nur schwer

löslich, nicht aber ganz unlöslich ist, so wird die Flüssigkeit

erst klar, dann -- nach Zusatz einiger weiteren Tropfen -- erst

rothgelb. Letzterer Punkt muss erreicht werden.

Liegt endlich zur Analyse ein Körper vor, welcher Ferro- und

Ferridcyankalium enthält, so bereitet man die Lösung wie angegeben und

prüft alsdann 10 C.C. ohne Weiteres, 10 andere nach vorhergegangener

Reduction. Die erste Bestimmung liefert direct das Ferrocyankalium, die

letztere dieses sammt dem aus dem Ferridcyankalium gebildeten.

Da nun 2 Aeq. krystallisirtes Ferrocyankalium = 5281 einem Aeq.

Ferridcyankalium = 4117 entsprechen, so ergiebt sich die Menge des

letzteren, wenn man die Differenz beider Bestimmungen, ausgedrückt in

krystallisirtem Ferrocyankalium, multiplicirt mit 0,7795.

Die der beschriebenen Methode zu Grunde liegende Reaction erfolgt nach

der Gleichung 10(Cfy, 2H) + Mn_{2}O_{7} + 2ClH = 5(2Cfy, 3 H) + 2MnCl

+ 7HO. Es ist dies durch directe Versuche bewiesen worden. Die

Genauigkeit der Resultate ist sehr befriedigend.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 563 / 749 题