§. 177.
Der Gang, den man bei der quantitativen Analyse der Mineralwasser zu
befolgen hat, ist verschieden je nach der Abwesenheit oder Gegenwart
von kohlensaurem Alkali. Da er bei alkalischen Wassern einfacher ist,
so wollen wir zuerst den Gang bei nicht alkalischen betrachten, weil
darin der für jene schon fast völlig enthalten ist, und zwar gehen wir
dabei von der Annahme aus, dass alle Stoffe vorhanden sind, welche in
der Regel neben einander in salinischen Wassern vorzukommen pflegen. --
Alsdann soll darauf aufmerksam gemacht werden, inwiefern bei alkalischen
Wassern der Gang sich anders gestaltet, sowie was bei der Analyse von
Schwefelwassern zu bemerken ist.
Da das Eindampfen grösserer Wasserquantitäten, wie es zur Bestimmung
der in ganz geringen Mengen vorhandenen Substanzen erforderlich ist,
viel Zeit in Anspruch nimmt, so lässt man es zweckmässig neben der
eigentlichen Analyse hergehen und macht gleich damit den Anfang.
Man verdampft somit nach und nach 10000-20000 Grm. Wasser in einer
Platinschale oder auch (aber dann muss auf die Entdeckung und Bestimmung
der Thonerde verzichtet werden) in einer Schale von ächtem Porzellan
unter Zusatz von soviel absolut reinem, namentlich von Phosphorsäure,
Thonerde und Mangan freiem, kohlensaurem Natron, dass die Flüssigkeit
eine schwach alkalische Reaction zeigt[101]. Das Abdampfen geschieht
am reinlichsten in einem besonderen Raum, in welchen Niemand Zutritt
hat, über Gas- oder Spirituslampen oder auch im Sandbad; dass dabei
die grösste Reinlichkeit obwalten muss, bedarf keiner Erwähnung. Man
kann daher dieses Geschäft nicht gut in fremde Hand geben. Wenn die
Flüssigkeit anfängt concentrirt zu werden, so setzt man das Abdampfen
auf dem Wasserbade oder auf dem sehr gelinde warmen Sandbade fort, bis
die Masse völlig trocken geworden.
[101] Der Zusatz von kohlensaurem Natron bietet Sicherheit, dass
sich keine Brom- und Jodwasserstoffsäure aus Brom- und
Jodmagnesium verflüchtigt. Sollte ein Wasser gar keine
Schwefelsäure enthalten, so setzt man auch ganz wenig
schwefelsaures Natron zu.