II. $Aufstellung empirischer Formeln.$

§. 170.

Wenn man eine Verbindung in Hinsicht auf ihre procentische

Zusammensetzung kennt, so kann man dafür eine sogenannte $empirische$

Formel finden, d. h. man kann das relative Verhältniss der einzelnen

Bestandtheile in Aequivalenten ausdrücken, in einer Formel, welche, wenn

man sie wieder auf Gewichtsprocente berechnet, Zahlen giebt, die mit den

gefundenen ganz, oder nahezu, übereinstimmen. -- Auf die Aufstellung

solcher empirischen Formeln bleiben wir bei allen den Substanzen

beschränkt, bei welchen sich das Atomgewicht nicht bestimmen lässt,

z. B. bei Mannit, Holzfaser, bei allen gemengten Substanzen etc.

Das Verständniss des sehr einfachen Verfahrens wird sich aus folgenden

Betrachtungen ohne Mühe ergeben.

Wenn man in Kohlensäure die relative Anzahl der Aequivalente finden

wollte, wie würde man verfahren?

Man würde sagen:

Das Aequivalent des Sauerstoffs verhält sich zu der Sauerstoffmenge

im Atomgewicht der Kohlensäure, wie sich 1 verhält zu x, d. i. zu der

Anzahl der Sauerstoffatome in der Kohlensäure, also

100 : 200 = 1 : x

x = 2.

Auf dieselbe Art würde man die Anzahl der Kohlenstoffatome finden durch

den Ansatz:

75 : 75 = 1 : x

(Aeq. des C) (Kohlenstoff in 1 Aeq.

Kohlensäure)

x = 1.

Setzen wir jetzt den Fall, wir wüssten das Atomgewicht der Kohlensäure

nicht, sondern nur die procentische Zusammensetzung,

27,27 Kohlenstoff

72,73 Sauerstoff

------

100,00 Kohlensäure,

so muss sich doch das relative Verhältniss der Aequivalente

herausstellen, wenn wir auch irgend eine beliebige Zahl als Atomgewicht

annehmen, z. B. 100.

Machen wir nun unter dieser Voraussetzung die obigen Ansätze, so

bekommen wir:

100 : 72,73 = 1 : x

(Aeq. des O) (Sauerstoffmenge im

angenommenen Atomg. 100)

x = 0,7273;

und ferner

75 : 27,27 = 1 : x

(Aeq. des C) (Kohlenstoffmenge im

angenommenen Atomg. 100)

x = 0,3636.

Wir sehen, die $Zahlen$, welche das Verhältniss der Sauerstoff- und

Kohlenstoffatome ausdrücken, haben sich geändert, das $Verhältniss$ aber

ist geblieben; denn

0,3636 : 0,7273 = 1 : 2.

Allgemein lässt sich also das Verfahren also ausdrücken:

Man nimmt eine beliebige Zahl, am bequemsten 100, als Atomgewicht der

Verbindung an, und sucht, wie oft die Aequivalentzahl eines jeden

Bestandtheiles in der Menge desselben Bestandtheiles enthalten ist,

welche sich für das angenommene Atomgewicht der Verbindung ergiebt. Hat

man auf diese Art die das Verhältniss ausdrückenden Zahlen gefunden, so

ist, wenn man will, die empirische Formel schon fertig. Man pflegt sie

jedoch der Uebersichtlichkeit wegen auf den möglichst einfachen Ausdruck

zu bringen.

Nehmen wir nun ein etwas complicirteres Beispiel vor, z. B. die

Berechnung der empirischen Formel für Mannit.

Die procentische Zusammensetzung des Mannits ist:

39,56 Kohlenstoff

7,69 Wasserstoff

52,75 Sauerstoff

------

100,00.

Wir bekommen somit folgende Ansätze:

1) 100 : 52,75 = 1 : x

x = 0,5275.

2) 12,5 : 7,69 = 1 : x

x = 0,6152.

3) 75 : 39,56 = 1 : x

x = 0,5275.

Wir haben nunmehr, wenn wir wollen, schon die empirische Formel für den

Mannit, nämlich:

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 466 / 749 题