9. Ein genaues $Thermometer$, welches entsprechend hoch steigen kann.

b. _Ausführung._

[Greek: a]. Man legt den Ballon auf die Wage und bestimmt sein Gewicht.

Gleichzeitig stellt man ein Thermometer in das Gehäuse der Wage. -- Den

Ballon lässt man 10 Minuten auf derselben liegen und beobachtet, ob sich

sein Gewicht gleich bleibt. Sobald es sich unverändert zeigt, notirt man

die Temperatur, welche das daneben stehende Thermometer angiebt, sowie

den Barometerstand.

[Greek: b]. Man erhitzt den Ballon gelinde und taucht seine Spitze

in die, entweder an und für sich flüssige, oder durch gelinde Wärme

geschmolzene, etwa 8 Grm. betragende Substanz tief ein. (Hat dieselbe

einen hoch liegenden Schmelzpunkt, so muss man nicht bloss den Bauch

des Kolbens, sondern auch dessen Hals und Spitze erwärmen, damit die

eintretende Flüssigkeit in demselben nicht erstarre.) Sobald der Ballon

sich abkühlt (was bei sehr flüchtigen Substanzen durch Auftröpfeln

von Aether zu befördern ist), tritt die Flüssigkeit in denselben ein

und breitet sich darin aus. Mehr als 5 bis 7 Grm. lässt man nicht

hineintreten.

[Greek: c]. Man erhitzt den Inhalt des Kesselchens (3) auf 40 bis

50° und befestigt alsdann den Ballon, wie auch ein Thermometer, in

das Bad, sowie es Fig. 91 (a. f. S.) zeigt. Man steigert jetzt die

Temperatur des Bades, bis man die gewünschte Hitze erreicht hat, und

bemüht sich (bei einem Chlorcalcium- oder Oelbad), dieselbe zuletzt

möglichst gleichförmig zu erhalten, was durch Regulirung des Feuers zu

bewerkstelligen ist. Sobald die Temperatur im Kolben etwas über den

Siedpunkt der Substanz gestiegen ist, strömt ihr Dampf aus der Spitze

aus. Die Stärke des Stromes nimmt mit der Temperatur des Bades zu;

allmälig aber lässt derselbe nach und zuletzt (etwa nach 1/4 Stunde)

hört er ganz auf. Sollte sich in der aus dem Bad hervorragenden Spitze

ein wenig Dampf zu Tröpfchen verdichtet haben, so fährt man unter

derselben mit einer glühenden Kohle einigemal hin und her, wodurch

dieselben sogleich verflüchtigt werden. -- Sobald endlich bei der

gewünschten Temperatur völliges Gleichgewicht eingetreten ist, schmelzt

man die Spitze mit Hülfe einer Weingeistlampe und eines Löthrohrs rasch

und vollständig zu und notirt unmittelbar darauf den Thermometerstand.

-- Die Gewissheit, dass die Spitze hermetisch verschlossen sei, erhält

man, wenn man die aus dem Bade hervorragende Spitze durch Anblasen

mit dem Löthrohr abkühlt. Von dem Dampfe verdichtet sich alsdann eine

kleine Menge und diese bildet eine Flüssigkeitssäule, welche durch die

Capillaranziehung in dem Ende der Röhre festgehalten wird. Ist die

Spitze nicht fest geschlossen, so zeigt sich diese Erscheinung nicht. --

Man beobachtet alsdann auch den Barometerstand noch einmal und notirt

ihn, falls er sich seit der ersten Beobachtung verändert haben sollte.

[Illustration: Fig. 91.]

[Greek: d]. Man nimmt den zugeschmolzenen Ballon aus dem Bad, wäscht ihn

nach dem Erkalten aufs Sorgfältigste ab, trocknet ihn vollkommen und

wägt ihn wie oben.

[Greek: e]. Man taucht seine Spitze der ganzen Länge nach unter

Quecksilber, macht unweit des Endes einen Feilstrich und bricht die

Spitze ab. Alsobald stürzt das Quecksilber in den Ballon, indem durch

Verdichtung des Dampfes ein luftleerer Raum in demselben entstanden ist.

(Man legt hierbei den Bauch des Ballons in die hohle Hand und diese

auf den Rand der Wanne.) Enthielt der Ballon beim Zuschmelzen keine

Luft mehr, so füllt sich derselbe jetzt vollkommen mit Quecksilber, im

anderen Falle bleibt eine Luftblase in demselben. In beiden Fällen misst

man das im Ballon befindliche Quecksilber, indem man es in die graduirte

Röhre (6) ausgiesst, -- im letzten füllt man den Ballon alsdann mit

Wasser und misst auch dieses. Die Differenz beider Messungen giebt die

Menge der Luft an.

Auf die so erhaltenen Resultate, welche bei guter Ausführung der

Wahrheit sehr nahe kommen, gründet man nun die Berechnung, wie unten bei

"Berechnung der Analyse" gezeigt werden wird.

§. 162.

3. Eine grosse Anzahl der indifferenten Körper lassen sich mit

Basen oder Säuren schlechterdings nicht verbinden, z. B. die Fette,

Salicin, die Aethyl- und Methyl-Verbindungen etc. etc. -- In solchen

Fällen bestimmt man das Atomgewicht derselben, wenn es nicht nach

2. gefunden werden kann, aus den Zersetzungsproducten der Substanz,

welche man durch Einwirkung von Säuren, Basen etc. erhält, und deren

Atomgewicht sich immer anderweitig bestimmen lässt, oder man erschliesst

es aus der Bildungsweise der fraglichen Verbindung. Man nimmt in

diesen Fällen dasjenige Atomgewicht als das richtige an, welches die

einfachste Erklärung der Entstehungs- und der Zersetzungsprocesse

gestattet. -- Diese Art der Atomgewichtsbestimmung greift demnach tief

in die organische Chemie ein und kann, da sich allgemein anwendbare

Verfahrungsweisen nicht angeben lassen, hier nicht weiter besprochen

werden.

$Zweite Unterabtheilung.$

$Berechnung der Analyse.$

§. 163.

Ebenso wie bei der praktischen Ausführung der Analyse Kenntnisse in

der allgemeinen Chemie vorausgesetzt wurden, so setzen wir hier das

Verständniss der allgemeinen stöchiometrischen Gesetze einerseits, sowie

die Kenntniss der einfachsten Rechnungsarten andererseits voraus. --

Es ist ein grosser Irrthum, wenn man glaubt, um chemische Berechnungen

ausführen zu können, müsse man ein guter Mathematiker sein. Man mag die

Versicherung hinnehmen, dass man mit klarer Ueberlegung, mit Kenntniss

der Decimalbrüche und der einfachen Gleichungen alle gewöhnlicheren

Berechnungen auszuführen im Stande ist. -- Ich sage dies nicht etwa,

um junge Chemiker und Pharmaceuten von dem höchst wichtigen Studium

der Mathematik abzuhalten, sondern nur in der Absicht, Solchen, welche

nicht Gelegenheit hatten, tiefer in diese Wissenschaft einzudringen, die

Scheu zu benehmen, welche sie, wie mich die Erfahrung lehrte, häufig vor

chemischen Berechnungen hegen. -- Ich habe aus diesem Grunde alle im

Folgenden anzustellenden Berechnungen auf möglichst verständliche Art

und ohne Logarithmen ausgeführt.

I. $Berechnung des gesuchten Bestandtheils aus der gefundenen

Verbindung, und Darstellung des Gefundenen in

Procenten.$

§. 164.

Wie sich aus den in der "Ausführung der Analyse" beschriebenen

Bestimmungs- und Trennungsmethoden ergiebt, werden die Körper, deren

Gewicht man bestimmen will, zuweilen als solche, meistens aber in

Verbindungen von bekannter Zusammensetzung abgeschieden. -- In der Regel

pflegt man die Resultate auf 100 Thle. Substanz zu berechnen, weil

man dadurch eine deutlichere Uebersicht über dieselben erhält. Wurden

die Bestandtheile unverbunden ausgeschieden, so kann dies geradezu

geschehen; hat man sie aber in einer Verbindung abgeschieden, so muss

man aus dieser erst den gesuchten Bestandtheil berechnen.

1. $Berechnung der Resultate auf Gewichtsprocente, wenn die gesuchte

Substanz als solche abgeschieden wurde.$

a. _Bei festen Körpern, Flüssigkeiten oder Gasen, die durch Wägung

bestimmt wurden._

§. 165.

Bei diesen ist die Berechnung so einfach, dass ich sie nur der

Vollständigkeit wegen durch ein Beispiel erläutere.

Man hat Quecksilberchlorür analysirt und das Quecksilber als Metall

abgeschieden (§. 94. 1.). -- 2,945 Grm. Quecksilberchlorür gaben 2,499

Grm. Quecksilber. --

2,945 : 2,499 = 100 : x

x = 84,85

d. h. nach unserer Analyse enthalten 100 Thle. Quecksilberchlorür 84,85

Thle. Quecksilber und demnach 15,15 Chlor. --

Da man nun bereits weiss, dass das Quecksilberchlorür aus 2

Aeq. Quecksilber und 1 Aeq. Chlor zusammengesetzt ist, und die

Aequivalentzahlen beider Elemente bekannt sind, so kann man hieraus

die wahre procentische Zusammensetzung berechnen. -- Analysirt man nun

Substanzen von bekannter Zusammensetzung zur Uebung, so pflegt man, um

die Genauigkeit der Analyse mit Leichtigkeit überschauen zu können, das

gefundene und berechnete Resultat neben einander zu stellen, z. B.

gefunden berechnet (vergl. §. 63. b.)

Quecksilber 84,85 84,95

Chlor 15,15 15,05

------- -------

100,00. 100,00.

b. _Bei Gasen, die gemessen wurden._

§. 166.

Hat man ein Gas durch Messung bestimmt, so muss man, ehe man es auf

Gewichtsprocente berechnen kann, wissen, welcher Gewichtsmenge das

gefundene Volumen entspricht. Da man nun ein für alle Mal durch genaue

Versuche ermittelt hat, wieviel bestimmte Volumina eines Gases wiegen,

so ist auch diese Rechnung eine einfache Regel de Tri-Aufgabe, sofern

man Gelegenheit hat, das Gas unter denselben Umständen zu messen, auf

welche sich das durch frühere Versuche gefundene Verhältniss des Volums

zum Gewicht bezieht. -- Die Umstände aber, welche hier in Betracht

kommen, sind:

$Temperatur und Luftdruck.$

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 449 / 749 题