Es ist nicht mein Zweck, eine Geschichte der Entwickelung und Ausbildung
der organischen Elementaranalyse zu geben; ich unterlasse es daher,
sämmtliche in Vorschlag gebrachte Methoden anzuführen, und hebe nur
die heraus, die sich hinsichtlich ihrer Einfachheit und Genauigkeit als
vorzüglich und in allen Fällen ausreichend bewährt haben.
Da die Genauigkeit der Resultate von einer zweckmässigen Zurüstung des
Apparates ebenso abhängig ist, als von der Ausführung selbst, so mache
ich besonders darauf aufmerksam, dass auf beide Theile gleiche Sorgfalt
verwendet werden muss, sowie, dass man von den angegebenen Regeln nicht
ohne Nachtheil abweichen wird, indem dieselben die Früchte langer
Erfahrung und unzähliger Versuche sind.
A. $Analyse von Verbindungen, die aus Kohlenstoff und Wasserstoff
allein, oder aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff
bestehen.$
§. 141.
Das Princip des für diese Stoffe anzuwendenden, in seiner jetzigen
Form zuerst von $Liebig$ aufgestellten Verfahrens ist ein höchst
einfaches. Man verbrennt die Substanz zu Kohlensäure und Wasser, trennt
diese Producte, bestimmt sie ihrem Gewichte nach und berechnet aus
der Kohlensäure den Kohlenstoff, aus dem Wasser den Wasserstoff der
Substanz. Ist die Summe des Kohlenstoffs und des Wasserstoffs gleich dem
Gewichte der verbrannten Substanz, so enthielt diese keinen Sauerstoff;
ist sie geringer, so drückt die Differenz die Menge des letzteren aus.
Das Verbrennen geschieht entweder durch Glühen der organischen
Substanzen mit sauerstoffreichen Körpern, welche ihren Sauerstoff leicht
abgeben (Kupferoxyd, chromsaures Bleioxyd etc.), oder es geschieht
geradezu durch Sauerstoffgas, oder es geschieht endlich auf Kosten von
gebundenem und freiem Sauerstoff zugleich. --
a. $Feste Körper$[74].
[Greek: a]. $Leicht verbrennliche, nicht flüchtige$ (z. B. Zucker,
Amylum, Weinsteinsäure, überhaupt bei weitem die meisten der hierher
gehörigen Körper).
[74] Hinsichtlich der Fette, der wachsartigen Körper etc., die sich
nicht pulvern lassen, siehe §. 150.