I. Bestimmung.

Wenn man freie Salpetersäure in einer Lösung hat, welche keine andere

Säure enthält, so bestimmt man dieselbe am einfachsten maassanalytisch,

indem man sie mit einer verdünnten Natronlauge von bekanntem Gehalt

neutralisirt (vergl. den speciellen Theil, Abschnitt Acidimetrie.)

-- Auch folgende Methode führt zum Ziel. Man versetzt die Lösung mit

Barytwasser, bis die Reaction eben alkalisch geworden ist, verdampft die

Lösung langsam an der Luft bis fast zur Trockne, verdünnt den Rückstand

mit Wasser, filtrirt, wäscht den durch Einwirkung der atmosphärischen

Kohlensäure auf den Ueberschuss des Barytwassers gebildeten kohlensauren

Baryt aus, bestimmt in dem mit den Waschwassern vereinigten Filtrat den

Baryt nach §. 79 und berechnet für je 1 Aeq. Baryt 1 Aeq. Salpetersäure.

-- Die Genauigkeit der Resultate hängt ganz von der Ausführung ab. Man

vermeide vor Allem einen grossen Ueberschuss von Barytwasser und sehe

darauf, dass man die abgedampfte Flüssigkeit nicht eher filtrire, als

bis ihre alkalische Reaction völlig verschwunden ist.

II. Trennung der Salpetersäure von den Basen und Bestimmung der

gebundenen Salpetersäure.

a. _In sämmtlichen Salzen, nach_ $Pelouze$.

Man fügt eine gewogene Menge des salpetersauren Salzes zu einer

überschüssigen Lösung von Eisenchlorür in Salzsäure. Hierdurch wird

ein der Salpetersäure entsprechender Theil des Chlorürs in Chlorid

verwandelt. Bestimmt man die Menge des noch vorhandenen Chlorürs nach

§. 89. 2., so erfährt man die Menge des oxydirten und somit auch das

Quantum der Salpetersäure. -- 6FeCl + KO, NO_{5} + 4ClH = 4HO + KCl

+ NO_{2} + 3Fe_{2}Cl_{3}. 168 Eisen, welche aus dem Zustande des

Chlorürs in den des Chlorids übergeführt werden, entsprechen somit 54

Salpetersäure[30].

[30] $Pelouze$ hatte, um 2 Grm. Clavierdraht, in 80-100 Grm. Salzsäure

gelöst, zu oxydiren, im Mittel 1,216 Grm. salpetersaures Kali

nöthig. Nach obiger Formel wären nöthig gewesen 1,200, wenn man im

Clavierdraht 99,7 Proc. Eisen annimmt.

Die Ausführung geschieht zweckmässig auf folgende Art. Man löst 2 Grm.

Clavierdraht in 80-100 C.C. reiner Salzsäure unter Erwärmen in einem etwa

150 C.C. fassenden Kolben auf, der durch einen eine eingepasste Glasröhre

enthaltenden Stopfen verschlossen ist, bringt dann 1,2 Grm. des zu

prüfenden salpetersauren Kalis oder eine äquivalente Menge eines anderen

salpetersauren Salzes hinzu und erhitzt, nach wieder aufgesetztem Kork,

zum Sieden. Nach 5-6 Minuten giesst man die wieder hell gewordene

Flüssigkeit in einen grösseren Kolben, verdünnt mit Wasser stark und

verfährt nach §. 89. 2. -- Fände man, dass noch 0,2 Eisen als Oxydul

zugegen sind, so hätte die Berechnung nach folgendem Ansatz zu geschehen

(2,0 - 0,2 = 1,8). 168 : 54 = 1,8 : x. -- x = 0,578, d. h. in den 1,2

Grm. salpetersauren Kalis sind 0,578 Salpetersäure enthalten, -- oder

2 : 1,2 = 1,8 : x. x = 1,08, d. h. in den 1,2 Grm. unreinem Salpeter sind

1,08 Grm. reines salpetersaures Kali enthalten. --

Die Base bestimmt man in einer neu abgewogenen Quantität nach den oben

angegebenen Methoden. War das Salz rein und wasserfrei, so muss die aus

dem Verlust berechnete Menge der Säure gleich sein der Quantität der

direct gefundenen.

b. _In Salzen mit alkalischer Basis, nach_ J. $Stein$.

Man löst die mit dem dreifachen Gewichte arseniger Säure gemischte

Verbindung in concentrirter Salzsäure, verdampft zur Trockne, fällt die

mit Ammon übersättigte wässerige Lösung mit einer Mischung von Salmiak

und schwefelsaurer Magnesia und bestimmt die niederfallende arsensaure

Ammon-Magnesia nach §. 102. 2. 1 Aeq. erhaltener Arsensäure entspricht

(nach $Stein$) genau 1 Aeq. Salpetersäure.

c. _In sämmtlichen wasserfreien Salzen mit fixer Basis._

Man mengt die zerriebene Verbindung mit 2 bis 3 Theilen völlig

wasserfreien Boraxglases, bringt die Mischung in einen Platintiegel,

wägt ihn im Ganzen, erhitzt sehr allmälig, bis zuletzt der Tiegelinhalt

ruhig fliegst, lässt erkalten und wägt wieder. Die Gewichtsabnahme ist

gleich der Menge der Salpetersäure. Resultate genau. ($Schaffgottsch$,

$Poggend$. Annal. Bd. LVII, S. 260.)

d. _In wasserhaltigen Salzen._

Man bestimmt in einer Portion die Basis, in einer zweiten das Wasser und

die Säure (letztere aus dem Volum des Stickgases) nach der Methode der

organischen Elementaranalyse §. 153. -- Hat man das nöthige Quecksilber

nicht, so bestimmt man nach der angegebenen Methode nur das Wasser und

die Basis und berechnet die Salpetersäure aus dem Verlust. -- Anstatt

des im §. 153 vorgeschriebenen doppeltkohlensauren Natrons müsste

man zum Austreiben der Luft aus der Verbrennungsröhre (sofern man

Wasser- und Stickstoffbestimmung vereinigen wollte) bis zu anfangender

Zersetzung erhitztes kohlensaures Bleioxyd nehmen.

e. _In löslichen Salzen, deren Basen durch Baryt, Schwefelbaryum

oder kohlensauren Baryt vollständig ausgefällt werden._

Man versetzt die Lösung mit Barytwasser, respective Schwefelbaryum, bis

zur alkalischen Reaction, bestimmt die Basis im Niederschlage nach den

früher angegebenen Methoden, dampft das Filtrat zur Trockne ab, nimmt

den Rückstand mit Wasser auf (die Lösung darf nicht mehr alkalisch

reagiren) und verfährt mit der erhaltenen Lösung von salpetersaurem

Baryt wie in I. a. -- Hat man zum Ausfällen Schwefelbaryum angewendet,

dessen Ueberschuss beim Verdampfen an der Luft in unlöslichen

schwefelsauren und unterschwefligsauren Baryt übergeht, so vollbringt

man das Ausziehen der abgedampften Masse, wie in II. f. Lassen sich die

Basen mit kohlensaurem Baryt vollständig ausfällen, so ist die Analyse

noch einfacher, indem man alsdann nur zu filtriren und im Filtrat den

gelösten (salpetersauren) Baryt zu bestimmen braucht.

f. _Im Baryt-, Strontian- und Kalksalz._

Man versetzt die Lösung mit Schwefelsäure in möglichst geringem

Ueberschusse und fügt bei dem Strontian- und Kalksalz Alkohol zu, um

die Abscheidung der schwefelsauren Salze vollständiger zu machen. Die

Filtrate versetzt man tropfenweise mit Barytwasser bis zur schwach

alkalischen Reaction, verdampft, ohne zuvor zu filtriren, im Wasserbade

zur Trockne, erhitzt den Rückstand mit Wasser (welches dadurch keine

alkalische Reaction annehmen darf), filtrirt, wäscht den Rückstand mit

siedendem Wasser aus, bis die ablaufende Flüssigkeit durch Schwefelsäure

nicht mehr getrübt wird, und verfährt mit der erhaltenen Lösung von

salpetersaurem Baryt, wie in I.

g. _In löslichen Salzen der fünften und sechsten Gruppe._

Man versetzt die ganz verdünnte Lösung in einer mit einem Glasstopfen

verschliessbaren Flasche mit starkem Schwefelwasserstoffwasser in

möglichst geringem Ueberschuss (wenn man dasselbe portionenweise zusetzt

und die Flasche dazwischen schüttelt, lässt sich der Punkt am besten

treffen), lässt absitzen, filtrirt und verfährt mit dem Filtrat, wie in

II. f. (Das beim Sättigen mit Barytwasser entstehende Schwefelbaryum

geht beim Abdampfen an der Luft durch Sauerstoffaufnahme in unlöslichen

schwefelsauren und unterschwefligsauren Baryt über.

§. 118.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 366 / 749 题