I. Bestimmung.

a. Hat man freie Bromwasserstoffsäure in Lösung, so fällt man mit

Silberlösung und verfährt in allen Stücken wie bei Chlor, §. 112.

Eigenschaften des Bromsilbers §. 73. 2. -- Resultate völlig genau.

b. $Colorimetrische Methode nach Heine$[20]. Man macht das Brom durch

Chlor frei, nimmt es in Aether auf, vergleicht die Lösung mit einer

ätherischen Bromlösung von bekanntem Gehalt in Betreff ihrer Farbe und

findet so die Brommenge. $Fehling$ prüfte dies Verfahren und erhielt

befriedigende Resultate. Man ersieht, dass man den Bromgehalt der

Flüssigkeit einigermaassen kennen muss, ehe man es anwenden kann. Da

die von $Fehling$ geprüfte Soole höchstens 0,02 Grm. Brom enthalten

konnte, so stellte er sich 10 Probelösungen dar, indem er zu je 60

Grm. gesättigter Kochsalzlösung steigende Mengen von Bromkalium setzte

(von 0,002 Grm. bis 0,020 Grm. Bromgehalt). Zu den Probeflüssigkeiten

ward ein gleiches Volum Aether gesetzt und dann Chlorwasser, bis

die Farbe des Aethers nicht mehr dunkler wurde. (Da es von grösster

Wichtigkeit ist, diesen Punkt genau zu treffen, indem zu wenig wie zu

viel Chlor die Farbe heller erscheinen lässt, so stellte $Fehling$ jede

Probeflüssigkeit dreimal dar und wählte die dunkelste zum Vergleich.) --

Von der zu untersuchenden Mutterlauge nimmt man jetzt ebenfalls 60 Grm.

(am besten durch Abmessen zu bestimmen), setzt dieselbe Menge Aether

zu, wie bei den Probeflüssigkeiten, und dann Chlorwasser. Jeder Versuch

wird mehrmals wiederholt. Directes Sonnenlicht ist zu vermeiden, rasches

Operiren erforderlich.

[20] Journ. f. prakt. Chem. 30. 184, zur Bestimmung des Broms in

Mutterlaugen vorgeschlagen und dienlich.

c. Nach $Figuier$[21]. Dies Verfahren beruht darauf, dass in einer

Auflösung vom Brommetall 1 Aeq. Brom ausgeschieden wird, wenn man 1 Aeq.

Chlor (in Form von Chlorwasser) zusetzt, sowie, dass Brom eine wässerige

Lösung gelb färbt und beim Kochen leicht entweicht, so dass die erst

gelbe Lösung wieder farblos wird.

[21] Ann. de Chim. et de Phys. 33. 303. Journ. f. prakt. Chem. 54.

293, ebenfalls zur Bestimmung in Mutterlaugen etc. vorgeschlagen

und anzuwenden.

Man titrirt demnach zunächst das Chlorwasser im Augenblicke der

Anwendung, indem man es auf eine mit einigen Tropfen Salzsäure

angesäuerte Bromnatriumlösung von bekanntem Gehalte wirken lässt (oder

nach der $Bunsen$'schen Methode, S. 251), und wendet es alsdann auf

die Mutterlauge an. Man erhitzt diese in einem Kolben bis fast zum

Kochen, setzt dann Chlorwasser aus der mit schwarzem Papier umhüllten

Bürette zu, erhitzt etwa 3 Minuten, wodurch die Flüssigkeit sich wieder

entfärbt, lässt 2 Minuten abkühlen, tröpfelt wieder Chlorwasser zu

und fährt so fort, bis sich die Flüssigkeit bei weiterem Zusatz von

Chlorwasser nicht mehr färbt. -- Dauern die Versuche mehrere Stunden,

so titrirt man das Chlorwasser zuletzt nochmals und legt den mittleren

Gehalt der Berechnung zu Grunde. -- Alkalische Flüssigkeiten sind

mit Salzsäure etwas anzusäuern. Eisenoxydul, Manganoxydul, Jod und

organische Materien dürfen nicht zugegen sein. Mutterlaugen, welche

durch letztere gelb gefärbt sind, entfärbt man, indem man sie ansäuert,

einige Tropfen Brom zufügt und erhitzt. Grössere Mengen organischer

Materien sind durch Glühen zu zerstören. Beim Abdampfen der Lösungen

zur Trockne muss kohlensaures Natron zugesetzt werden, weil Chlor- und

Brommagnesium beim Abdampfen zur Trockne Chlor- und Bromwasserstoff

entweichen lassen.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 348 / 749 题