a. $Man ist überzeugt, Antimonoxyd oder die ihm entsprechende
Chlorverbindung in Auflösung zu haben, und es ist keine den
Schwefelwasserstoff zersetzende Substanz in Lösung$[7]. Man versetzt
die Antimonlösung mit etwas Salzsäure, sofern sie solche noch nicht
enthält, dann mit Weinsäure und verdünnt sie, wenn nöthig, mit
Wasser in ziemlichem Grade. In die klare Lösung leitet man alsdann
Schwefelwasserstoffgas bis zum starken Vorwalten, stellt das Becherglas
mit einer Glasplatte bedeckt eine halbe Stunde an einen mässig warmen
Ort, filtrirt den Niederschlag ohne Unterbrechung auf einem gewogenen
Filter ab, wäscht mit Wasser vollständig aus, trocknet bei 100° und
wägt. -- Eigenschaften des Niederschlages §. 69. Die Resultate fallen in
der Regel um ein Unbedeutendes zu hoch aus, indem es leicht geschieht,
dass sich aus dem Schwefelwasserstoff eine Spur Schwefel niederschlägt.
[7] Diese Ueberzeugung kann man immer haben, wenn man ein
Antimonoxydsalz oder Antimonsulfür in Salzsäure gelöst hat, niemals
aber, sofern die Lösung neben Salzsäure Salpetersäure enthält.
Man versäume nie, nach dem Wägen einen kleinen Theil des Niederschlages
in Salzsäure in der Hitze zu lösen. Bleibt hierbei kein Schwefel oder
nur eine nicht nennenswerthe Spur, so ist das Resultat als zuverlässig
zu betrachten, im anderen Falle hat man mit dem Niederschlage nach b. zu
verfahren.
b. $Es ist neben dem Antimonoxyd antimonige Säure oder Antimonsäure in
Lösung, oder dieselbe enthält eine den Schwefelwasserstoff zersetzende
Substanz.$ Man verfährt wie in a., mit dem Unterschiede, dass man,
ehe man abfiltrirt, die gefällte Flüssigkeit so lange mit Papier
bedeckt an einem mässig warmen Orte stehen lässt, bis der Geruch nach
Schwefelwasserstoff verschwunden ist.
Der Niederschlag, welchen man wie in a. gewogen hat, ist eine unbekannte
Schwefelungsstufe des Antimons, gemengt mit freiem Schwefel, also in
anderem Ausdrucke Antimon + x Schwefel.
Ehe man demnach einen Schluss auf die Menge des Antimons machen kann,
muss man entweder das Antimon vom Schwefel getrennt wägen, oder man muss
die Menge des im Niederschlage enthaltenen Schwefels kennen lernen.
Das Erstere kann geschehen, wenn man das Schwefelantimon in einer
Kugelröhre, durch welche Wasserstoffgas strömt, erhitzt, bis kein
Schwefelwasserstoff mehr gebildet wird. Da aber hierbei ein Verlust von
Antimon kaum vermieden werden kann, indem sehr leicht ein kleiner Theil
dem Wasserstoffgas mechanisch folgt, so wendet man statt dieser besser
die Methode der Schwefelbestimmung an und verfährt also:
Nachdem man den im Filter bei 100° getrockneten Niederschlag in einem
Platintiegel gewogen hat, schüttet man den Inhalt des Filters, so
weit er sich ohne viel Reiben losmachen lässt, vorsichtig in einen
trocknen Kolben, bringt alsdann das Filter mit dem noch anhängenden
Niederschlag in den Tiegel zurück, bestimmt sein Gewicht und findet
demnach so als Differenz die Menge des im Kolben befindlichen
Niederschlages. Man übergiesst denselben nunmehr in dem Kolben mit
rother rauchender Salpetersäure, welche von Schwefelsäure ganz frei
sein muss, tropfenweise. Wenn die heftigste Einwirkung vorüber ist,
fügt man noch etwas mehr Salpetersäure sowie etwas Salzsäure zu und
erwärmt; oder man bringt zu dem im Kolben befindlichen Schwefelantimon
chlorsaures Kali, dann Salpetersäure (welche nicht rauchend zu sein
braucht) oder auch starke Salzsäure, und lässt anfangs in der Kälte,
später in mässiger Wärme einwirken. -- Sobald Alles gelöst ist, oder
etwa ausgeschiedener Schwefel rein gelb erscheint, fügt man ungesäumt
Weinsäure in hinlänglicher Menge zu und verdünnt sodann mit Wasser. --
Es sind nunmehr zwei Fälle möglich.
[Greek: a]. _Man hat eine völlig klare Lösung, in der auch kein
ausgeschiedener Schwefel mehr schwimmt._ Man fügt alsdann
eine Auflösung von Chlorbaryum im geringen Ueberschuss
hinzu und bestimmt den niederfallenden schwefelsauren
Baryt nach §. 105. Man vergesse nicht, denselben
sorgfältig auszusüssen und nach dem Glühen nochmals mit
Salzsäure und Wasser zu behandeln. Man berechnet jetzt die
Quantität Schwefel, welche im erhaltenen schwefelsauren
Baryt enthalten ist. Dieselbe ist gleich der in dem
oxydirten Antheil des Schwefelantimons enthalten
gewesenen. Da das Verhältniss dieses Theils zu der ganzen
Quantität des Schwefelantimon-Niederschlages bekannt ist,
so ist demnach auch der Schwefelgehalt, also auch der
Antimongehalt des letzteren durch eine einfache Rechnung
zu finden.
[Greek: b]. _In der an und für sich klaren Lösung befindet sich
ausgeschiedener Schwefel._ Man filtrirt alsdann durch ein
kleines gewogenes Filter, wäscht den darauf gespülten
Schwefel aus, trocknet denselben bei 100° und wägt ihn.
Mit dem Filtrat verfährt man wie in [Greek: a]. Bei
der Berechnung addirt man den im schwefelsauren Baryt
gefundenen Schwefel zu dem direct erhaltenen.