1. $Salpetersäure$ und 2. $Chlorsäure$.

Beide Säuren werden niemals direct, das heisst in Verbindungen, in

denen sie enthalten sind, sondern immer auf indirecte Weise bestimmt.

Die Körper, mit denen man dabei zu thun bekommt, sind uns bereits im

Früheren bekannt geworden.

* * * * *

$Vierter Abschnitt.$

Die Gewichtsbestimmung der Körper[6].

§. 75.

Nachdem wir im vorhergehenden Abschnitte die Formen und Verbindungen

der Körper, in welchen sie von anderen abgeschieden oder ihrem Gewichte

nach bestimmt werden, in Bezug auf Eigenschaften und Zusammensetzung

kennen gelernt haben, betrachten wir nunmehr die speciellen Methoden,

nach denen die einzelnen Körper zum Behufe der Gewichtsbestimmung oder

Trennung in diese Formen oder Verbindungen gebracht werden. Es ist nicht

möglich, hierbei Vieles zusammenzufassen, indem man fast bei jedem

Körper die oder jene Umstände zu beachten hat, welche, so kleinlich sie

auch oft erscheinen mögen, so wichtig für die Gewinnung richtiger und

genauer Resultate sind.

[6] Die Ueberschrift dieses Abschnittes könnte möglichenfalls zu der

Meinung Veranlassung geben, es seien in demselben die Maassmethoden

nicht enthalten. Es ist dies jedoch der Fall; denn auch das Ziel

dieser Methoden ist ja die Ermittelung des $Gewichts$ der Körper.

Worin sie sich unterscheiden, ist nur die Methode, nach welcher sie

dies Ziel erreichen.

Fassen wir dies einerseits ins Auge und denken wir ferner daran, von

welchem Belange es ist, bei der Trennung der Körper, dem eigentlichen

End- und Zielpunkt der quantitativen Analyse, einen klaren Ueberblick zu

gewinnen, so drängt sich uns die Meinung auf, dass es zweckmässig sein

müsse, den Theil, in welchem vorzüglich die bei der Gewichtsbestimmung

so nothwendigen praktischen Regeln abzuhandeln sind, von dem anderen,

der die Lehre von der Trennung der Körper enthalten soll, zu scheiden.

-- Dieser Ueberzeugung folgend, handeln wir denn im gegenwärtigen

Abschnitte nur von der Gewichtsbestimmung der Körper, worunter wir ihre

Bestimmung in Verbindungen verstehen, die nur eine Basis und eine Säure

oder ein Metall und ein Metalloid enthalten, und gehen erst im fünften

Abschnitte, uns stützend auf die bis dahin weiter gewonnenen Kenntnisse,

zu der Trennung der Körper über. -- Wir wollen, wie wir es schon in

der qualitativen Analyse gethan haben, die Säuren des Arsens, ihres

Verhaltens zu Schwefelwasserstoff halber, bei den Basen abhandeln.

Bei jedem Körper werden wir zwei Punkte zu berücksichtigen haben,

nämlich erstens die Art, wie er im isolirten Zustande oder in seinen

verschiedenen Verbindungen am zweckmässigsten in Lösung gebracht

wird, $seine Auflösung$, und zweitens die Methoden, nach welchen er

in wägbare Form übergeführt oder nach denen überhaupt -- etwa auch

mit Hülfe einer Maassmethode -- seine Quantität ermittelt wird,

$seine Bestimmung$. Bei der letzteren haben wir einmal die praktische

_Ausführung_ nebst ihrer Begründung, sodann die _Genauigkeit_ der

Bestimmungsmethode zu besprechen. Jeder nämlich, der sich nur irgend

mit Ausführung quantitativer Analysen beschäftigt, lernt schon in den

ersten Tagen, dass die gefundene Menge einer Substanz fast nie absolut

genau mit derjenigen übereinstimmt, welche man hätte finden müssen,

und dass es Zufall ist, wenn dies einmal eintritt. Man ersieht leicht,

dass es wichtig ist, den Grund dieser Thatsache, sowie die Grenzen der

Ungenauigkeit bei den einzelnen Methoden kennen zu lernen.

Was zuerst den Grund der Ungenauigkeit anbelangt, so liegt er entweder

$nur in der Ausführung$ oder er liegt $gleichzeitig in der Methode$.

Im letzteren Falle sagt man, die Methode sei mit einer Fehlerquelle

behaftet. -- Fragt man, ob denn durch grosse Sorgfalt $die Ausführung$

nicht absolut genau gemacht werden könne, so muss geantwortet werden,

dass man sich dem Ziele zwar bedeutend nähern könne, ohne aber im Stande

zu sein, es je ganz zu erreichen. -- Um sich davon zu überzeugen,

darf man sich nur erinnern, dass unsere Gewichte und Messgefässe nie

absolut genau, unsere Wagen nicht absolut richtig, unsere Reagentien

nicht absolut rein sind, dass wir die Wägungen nicht auf den leeren

Raum reduciren und dass, auch wenn wir dies thun, nur annähernde

Grössen als Anhaltspunkte zur Berechnung gegeben sind, -- dass sich

der Feuchtigkeitszustand der Luft ändert zwischen dem Wägen des leeren

und des die Substanz enthaltenden Tiegels, -- dass wir das Gewicht

einer Filterasche nur annähernd wissen, -- dass beim Abdampfen vieler

Flüssigkeiten Spuren der gelösten sonst fixen Salze mit verdampfen, dass

alles Ausspülen und Auswaschen, desgleichen das Abhalten von Staub etc.

nicht absolut ist etc.

Was den zweiten Punkt, die $Fehlerquellen$ der Methoden, betrifft,

so sind diese meist darin begründet, dass Niederschläge nicht völlig

unlöslich, zu glühende Verbindungen nicht völlig feuerbeständig sind, zu

trocknende Körper ein wenig verdampfen etc. -- Wollte man ganz streng

verfahren, so könnte man wohl keine einzige Methode als völlig frei von

solchen Mängeln bezeichnen, ist doch selbst der schwefelsaure Baryt

nicht ganz unlöslich in Wasser. Wenn wir daher im Folgenden Methoden als

von Fehlerquellen frei bezeichnen, so verstehen wir darunter, dass darin

nicht die Ursachen erheblicher Unrichtigkeiten begründet sind. --

Bei allen Analysen sind wir demnach von Ursachen der Ungenauigkeit

umgeben. Es ist begreiflich, dass diese sich bald addiren, bald

compensiren, und dass hierdurch ein Schwanken zwischen zwei Grenzpunkten

entsteht. Diese Punkte pflegt man die Fehlergrenzen einer Methode zu

nennen. Bei ihrer Feststellung ist tadellose Arbeit vorausgesetzt,

denn die Unrichtigkeiten, welche Folge schlechter Reagentien, falschen

Wägens, unvollständigen Auswaschens, Trocknens oder Glühens sind, lassen

sich ja einer Berechnung nicht einverleiben.

Die genannten Grenzpunkte liegen, wenn die Methode von Fehlerquellen

frei ist, sehr nahe bei einander; so wird man bei Chlorbestimmungen,

wenn man sich recht viel Mühe giebt, statt 100 Theilen Chlor jedesmal

zwischen 99,9 und 100,1 bekommen können, während man bei weniger guten

Methoden auf weit grössere Differenzen gefasst sein muss; so wird man

bei Strontianbestimmungen mittelst Schwefelsäure leicht statt 100,0

Theilen Strontian nur 99,0 oder noch weniger bekommen. Wir werden

auf die Kritik der Methoden in dieser Beziehung unser Augenmerk ganz

besonders richten.

Bei den Angaben, welche Genauigkeit bei directen Versuchen erreicht

wurde, behalte ich die Bezeichnung bei, welche ich soeben gewählt habe,

d. h. ich werde angeben, wie viel statt 100 Theilen, welche hätten

gefunden werden müssen, wirklich erhalten worden sind. Ich bemerke ein

für allemal, dass die Zahlen sich auf die zu bestimmende Substanz,

z. B. Chlor, Stickstoff, Baryt beziehen, nicht auf die Verbindungen,

in denen dieselben gewogen wurden, z. B. Chlorsilber, Platinsalmiak,

schwefelsauren Baryt; denn nur nach dieser Darstellungsweise wird die

Genauigkeit verschiedener Bestimmungsmethoden vergleichbar.

Ehe wir nun zu den einzelnen Körpern übergehen, mache ich noch darauf

aufmerksam, dass $eine$ mit der Berechnung übereinstimmende Analyse

nicht immer zu der Meinung berechtigt, man habe vortrefflich gearbeitet.

Gar häufig ereignet es sich am Anfang, dass man hier etwas verschüttet,

dafür an einem anderen Orte nicht vollständig auswäscht u. dergl., so

dass das Endresultat doch scheinbar ganz richtig ausfällt. -- Als Regel

kann man feststellen, dass eine Analyse bessere Arbeit beurkundet, wenn

sie einen kleinen Verlust zeigt, als wenn sie einen Ueberschuss

ergiebt. --

$Als ein allgemein anwendbares, gegen falsche Resultate schützendes

Mittel verdient endlich noch aufs Nachdrücklichste empfohlen zu werden,

dass man nach dem Wägen einer Substanz ihre Eigenschaften$ ($Farbe$,

$Zustand des Geschmolzenseins$, $Löslichkeit$, $Reaction$ etc.) $mit denen

vergleicht, welche sie zeigen muss$. Ich lasse aus diesem Grunde alle

Körper, welche im Laufe einer Analyse gewogen worden sind, zwischen

Uhrgläsern aufheben, bis die ganze Arbeit fertig ist. Es bleibt so

stets die Möglichkeit, jeden Körper nochmals auf eine Verunreinigung

zu prüfen, auf deren mögliches Vorhandensein man manchmal erst später

aufmerksam wird. -- Da die Eigenschaften der zur Wägung kommenden

Körper im vorigen Abschnitte ausführlich besprochen sind, begnüge ich

mich hier damit, auf die bezüglichen Paragraphen zu verweisen. -- Fälle,

in welchen eine im ersten Abschnitt unter den allgemeinen Operationen

aufgeführte Verfahrungsweise besondere Berücksichtigung verdient, werde

ich dadurch bemerklich machen, dass ich den betreffenden Paragraphen in

Parenthese beifüge.

I. $Die Gewichtsbestimmung der Basen in Verbindungen, in welchen

nur eine Base und eine Säure oder ein Metall und ein

Metalloidenthalten ist.$

$Erste Gruppe.$

$Kali$, $Natron$, $Ammoniumoxyd$ ($Ammon$).

§. 76.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 180 / 749 题