Die Kieselsäure wird stets als solche gewogen, und zwar in ihrer
unlöslichen Modification.
Sie stellt in dieser, künstlich erhalten, ein weisses, in Wasser, wie
auch in Säuren unlösliches, in Kalilauge, wie auch in den Lösungen der
fixen kohlensauren Alkalien, lösliches Pulver dar. An der Luft und
beim Glühen ist dieselbe völlig unveränderlich, nur in den stärksten
Hitzgraden schmilzt sie. -- Pflanzenfarben verändert sie nicht.
Dampft man die Lösung der löslichen Modification der Kieselsäure in
Wasser oder einer flüchtigen Säure (Flusssäure ausgenommen) ab, so
bleibt zuerst die Kieselsäure als gallertartiges Hydrat zurück. Dieses
trocknet an der Luft zu 3SiO_{2}, HO, bei 100° zu 4SiO_{2}, HO aus
(J. $Fuchs$) und stellt dann ein lockeres weisses Pulver dar, welches
beim Glühen sein Wasser verliert. Beim Entweichen der Dämpfe wirbeln
von dem höchst feinen Pulver leicht Theilchen auf. Künstlich bereitete
Kieselsäure, mit Salmiak geglüht, verliert anfangs an Gewicht, später,
wenn sie durch das Glühen dichter geworden, nicht mehr.
Zusammensetzung:
Si 185,18 14,81 48,08
2O 200,00 16,00 51,92
---------------------
385,18 30,81 100,00
Das gallertartige (nicht das pulvrige) Kieselsäurehydrat ist in Wasser
und Salzsäure etwas löslich. 1 Thl. Kieselsäure erfordert in diesem
Zustande 7700 Thle. Wasser, 11000 kalte und 5500 kochende Salzsäure von
1,115 specif. Gewicht (J. $Fuchs$).
$Säuren der zweiten Gruppe.$
§. 73.