4. $Phosphorsäure.$

Die Phosphorsäure kann als $phosphorsaures Bleioxyd$, $pyrophosphorsaure

Magnesia$, $basisch phosphorsaures Eisenoxyd$, $phosphorsaures

Zinnoxyd$, $phosphorsaures$ und $pyrophosphorsaures Silberoxyd$

gewogen werden. Ausserdem müssen wir das Verhalten des $phosphorsauren

Quecksilberoxyduls$ und des $phosphorsauren Molybdänsäure-Ammons$ kennen

lernen.

a. Das _phosphorsaure Bleioxyd_ erhält man bei der Analyse in der Regel

nicht rein, sondern gemengt mit freiem Bleioxyd. In diesem Gemenge

haben wir demnach die basische Verbindung (PO_{5}, 3PbO). Dieselbe

stellt im reinen Zustande ein weisses, in der Hitze ohne Zersetzung

schmelzbares, in Wasser und Essigsäure, wie auch in Ammon unlösliches,

in Salpetersäure leicht lösliches Pulver dar.

b. _Pyrophosphorsaure Magnesia_ siehe §. 53.

c. _Basisch phosphorsaures Eisenoxyd._

Fällt man Phosphorsäure mit überschüssigem essigsaurem Eisenoxyd oder

mit einer Mischung von Eisenalaun und essigsaurem Natron, so erhält

man nach $Räwsky$ ein phosphorsaures Eisenoxyd, welches constant nach

der Formel PO_{5}, Fe_{2}O_{3} zusammengesetzt ist. Es wird dies

bezweifelt (Jahresb. von $Liebig$ und $Kopp$ 1847 u. 1848. 946) und

in Abrede gestellt von $Way$ u. $Ogston$ (ebendaselbst 1849. 571). --

$Wittstein$ erhielt PO_{5}, Fe_{2}O_{3}, wenn er Phosphorsäure mit

essigsaurem Eisenoxyd eben ausfällte, dagegen 3PO_{5}, 4Fe_{2}O_{3},

wenn essigsaures Eisenoxyd im Ueberschuss angewendet wurde.

Phosphorsaures Eisenoxyd von der Formel PO_{5}, Fe_{2}O_{3}

erhielt $Rammelsberg$ (+ 4 aq.) und später $Wittstein$ (+ 8 aq.)

durch Vermischen von schwefelsaurem Eisenoxyd mit überschüssigem

phosphorsaurem Natron, während letzterer bei unzureichender Menge von

phosphorsaurem Natron einen mehr gelblichen Niederschlag erhielt,

welcher die Formel 3(Fe_{2}O_{3}, PO_{5} + 8 aq.) + (Fe_{2}O_{3}, 3HO)

hatte.

Versetzt man eine $viel$ überschüssige Phosphorsäure enthaltende saure

Flüssigkeit mit wenig Eisenoxydlösung, dann mit essigsaurem Alkali, so

erhält man einen Niederschlag von der Formel 3PO_{5}, 2Fe_{2}O_{3}, 3HO

+ 10 aq., welcher beim Glühen 3PO_{5}, 2Fe_{2}O_{3} hinterlässt. Diese

Angabe stützt sich auf eine Analyse von $Will$ und mir einerseits (Ann.

Chem. Pharm. 50, 379), sowie auf eine weitere von mir ausgeführte,

welche mit einem neu dargestellten Salze und zu ganz verschiedener Zeit

angestellt wurde. Um einen Niederschlag von dieser Zusammensetzung zu

erhalten, muss offenbar viel Phosphorsäure im Ueberschuss vorhanden

sein, denn $Wittstein$ erhielt, als er schwefelsaures Eisenoxyd mit

phosphorsaurem Natron bei Gegenwart von Essigsäure fällte, PO_{5},

Fe_{2}O_{3}.

Zusammensetzung:

PO_{5} 892,041 71,36 47,16

Fe_{2}O_{3} 1000,000 80,00 52,84

------------------------

1892,041 151,36 100,00

3PO_{5} 2676,12 214,08 57,22

2Fe_{2}O_{3} 2000,00 160,00 42,78

-----------------------

4676,12 374,08 100,00

Löst man phosphorsaures Eisenoxyd in Salzsäure, übersättigt mit Ammon

und erhitzt, so erhält man basischere Salze, 2PO_{5}, 3Fe_{2}O_{3}

($Rammelsberg$), PO_{5}, 2Fe_{2}O_{3} ($Wittstein$, nach längerem

Auswaschen). In der ablaufenden Flüssigkeit war bei $Wittstein$'s

Versuch Phosphorsäure enthalten. Das phosphorsaure Eisenoxyd von weisser

Farbe löst sich nicht in Essigsäure, wohl aber in einer Lösung von

essigsaurem Eisenoxyd.

Kocht man letztere Lösung, so schlägt sich mit dem basisch essigsauren

Eisenoxyd alle Phosphorsäure als überbasisch phosphorsaures Eisenoxyd,

PO_{5}, 15Fe_{2}O_{3} ($Rammelsberg$), nieder. Letztere Verbindung

erhält man stets (mit freiem Eisenoxydhydrat gemengt), wenn man eine

Lösung, welche Phosphorsäure und überschüssiges Eisenoxyd enthält, mit

Ammon fällt. Dieser Niederschlag ist in Wasser, wie in Ammon unlöslich,

oder richtiger sehr schwer löslich; Schwefelammonium färbt die von dem

Niederschlage abfiltrirte Flüssigkeit nach einigem Stehen grünlich.

Beim Aussüssen mit kaltem Wasser läuft dasselbe bald gelb ab. Dies ist

in noch höherem Grade der Fall bei Anwendung ammonhaltigen Wassers

(H. $Rose$).

d. Das _phosphorsaure Zinnoxyd_ erhält man bei der Analyse niemals rein,

sondern stets gemengt mit überschüssigem Zinnoxydhydrat und, nach dem

Glühen, Zinnoxyd. Es hat im Allgemeinen dieselben Eigenschaften wie das

reine Oxyd, beziehungsweise dessen Hydrate.

e. Das _dreibasische phosphorsaure Silberoxyd_ stellt ein hochgelbes,

in Wasser unlösliches, in Salpetersäure, wie auch in Ammon leicht

lösliches, in Ammonsalzen schwierig lösliches Pulver dar. An der

Luft ist es unveränderlich, beim Glühen färbt es sich vorübergehend

rothbraun, in starker Glühhitze schmilzt es ohne Zersetzung.

Zusammensetzung:

3AgO 4348,98 347,91 82,98

PO_{5} 892,04 71,36 17,02

-----------------------

5241,02 419,27 100,00

f. Das _pyrophosphorsaure Silberoxyd_ stellt ein weisses, in Wasser

selbst beim Kochen unveränderliches und unlösliches, in Ammon wie

auch in Salpetersäure leicht lösliches Pulver dar. Es ist an der

Luft unveränderlich, beim Erhitzen schmilzt es, noch etwas unter der

Glühhitze, ohne Zersetzung zu einer dunkelbraunen, beim Erkalten zu

einer weissen strahligen Masse erstarrenden Flüssigkeit.

Zusammensetzung:

2AgO 2899,32 231,94 76,47

bPO_{5} 892,04 71,36 23,53

------------------------

3791,36 303,30 100,00

g. _Phosphorsaures Quecksilberoxydul._ Dieses Salz wird nicht benutzt,

um die Phosphorsäure in dieser Form zu wägen; es vermittelt aber die

Abscheidung derselben von vielen Basen nach H. $Rose$'s Methode. Es

stellt eine weisse krystallinische Masse oder ein solches Pulver dar,

ist in Wasser unlöslich, in Salpetersäure löslich, geht beim Rothglühen

unter Entwicklung von Quecksilberdämpfen in geschmolzenes phosphorsaures

Quecksilberoxyd über. Mit kohlensauren Alkalien geschmolzen, liefert es

phosphorsaures Alkali und entweichenden Quecksilberdampf.

h. _Phosphorsaures Molybdänsäure-Ammon._ Diese Verbindung dient

ebenfalls als höchst wichtige Form, um die Phosphorsäure von anderen

Körpern zu scheiden. Sie stellt einen hochgelben, sich leicht

absetzenden Niederschlag dar, welcher nach $Sonnenschein$ (im Mittel)

besteht aus

Ammoniumoxyd und Wasser 11,18

Phosphorsäure 3,02

Molybdänsäure 85,80

------

100,00

Im reinen Zustande löst sie sich in kaltem Wasser wenig, in heissem

ist sie löslich. Aetzende, kohlensaure und phosphorsaure Alkalien,

Chlorammonium und oxalsaures Ammon lösen sie schon in der Kälte

leicht, schwefelsaures Ammon wenig, salpetersaures Ammon sehr wenig,

salpetersaures Kali und Chlorkalium wenig. In schwefelsaurem Kali und

Natron, Chlornatrium und Chlormagnesium, Schwefelsäure (concentrirter

wie verdünnter), Salzsäure (starker wie verdünnter), Salpetersäure

(starker wie verdünnter) ist sie löslich. Die lösende Wirkung der

genannten Körper wird durch Erhitzen nicht aufgehoben. -- Das Verhalten

gegen Lösungsmittel ändert sich total bei Gegenwart von molybdänsaurem

Ammon, so dass sie dann in Säuren auch beim Kochen fast unlöslich ist.

Die Auflösung in Säuren geschieht wahrscheinlich in allen Fällen unter

Zersetzung und Abscheidung der Molybdänsäure, was bei Gegenwart von

molybdänsaurem Ammon verhindert wird. (J. $Craw$, Chem. Gaz. 1852. 216.

-- Pharm. Centralbl. 1852. S. 670.)

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 169 / 749 题